Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stellnetzfischerei gefährdet tauchende Seevögel

25.03.2011
Studie zum "Beifang von Seevögeln in der passiven Meeresfischerei der Ostsee" veröffentlicht

Die Küstengewässer in Mecklenburg-Vorpommern und die Gewässer der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) sind wichtige Fanggebiete für die deutsche Küstenfischerei, zum Fang von Fischarten wie Dorsch und Hering.

Doch sind die dabei verwendeten Stellnetze (sog. Kiemen- und Verwickelnetze) in Gebieten, in denen sich Fischereiaktivitäten und das hohe Vorkommen von rastenden und überwinternden Seevögeln überlagern, ein hohes Risiko für die Tiere. Denn die Seevögel verfangen sich bei der Nahrungssuche in den feinen Maschen der Stellnetze und ertrinken. Die höchsten Beifangraten in der deutschen Stellnetzfischerei traten in den inneren Küstengewässern (Bodden) und der 3-Seemeilen Zone auf.

Dies ist ein Ergebnis des Forschungsvorhabens „Beifang von Seevögeln in der passiven Meeresfischerei der Ostsee“, das im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) vom „Institut für angewandte Ökologie“ durchgeführt wurde.

„Obwohl das Problem des Beifangs von Seevögeln in der Stellnetzfischerei auch in deutschen Gewässern seit längerem bekannt ist, gab es bisher nur wenige konkrete Informationen über die Höhe und das Ausmaß der Seevogelbeifänge. Die vorliegende Untersuchung zeigt für die Rastvogelbestände von Eis- und Bergente, dass die dokumentierten Beifangverluste durch die Stellnetzfischerei einen möglicherweise bestandsgefährdenden Umfang erreichen“ sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Deshalb sind im Ostseeraum einschließlich den inneren und äußeren Küstengewässern von Mecklenburg-Vorpommern fischereiliche Maßnahmen notwendig, die die Vogelbeifangraten insbesondere in Stellnetzen reduzieren. Als wirksame Maßnahme kommen hier auch alternative Fanggeräte (z.B. Fischfallen) in Frage, so Professorin Jessel.

Die deutschen Küstengebiete und die sich seewärts anschließende Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) der Ostsee sind international bedeutende Rast- und Überwinterungsgebiete für zahlreiche Seevögel (z.B. Tauch-, und Meeresenten, Lappentaucher, Säger etc) insbesondere im Winterhalbjahr. Zur Umsetzung der EU Vogelschutzrichtlinie wurden sowohl in Küstengewässern, als auch in der deutschen AWZ, Vogelschutzgebiete (SPAs) ausgewiesen. Neben der Verpflichtung in diesen Gebieten Maßnahmen zum Schutz der Seevögel umzusetzen, gibt es weitere Bemühungen seitens der EU Kommission den fischereilichen Beifang von Seevögeln im Rahmen eines EU-Aktionsplans zu reduzieren.

Die im Rahmen des Forschungsvorhabens ermittelten Beifangraten von Vögeln in der Stellnetz- und Langleinenfischerei waren von der fischereilichen Zielart, der Jahreszeit und dem Fanggebiet abhängig. Die höchsten mittlere Beifangrate wurden in der Stellnetzfischerei zum Fang von Zander, Hecht und Barsch beobachtet. Saisonal wurden die höchsten Beifangraten und Todesfällen in der Grundstellnetzfischerei zum Fang von Dorsch, Flunder, Salmoniden, Zander, Hecht und Barsch in den Wintermonaten von Dezember bis April festgestellt. In der Herings- und Hornhechtfischerei mit pelagischen Stellnetzen traten hohe Vogel-Beifangraten von Januar bis Mai auf.

Die Höhe und Zusammensetzung der Beifänge in der passiven Fischerei in der AWZ konnte im Rahmen des Forschungsvorhabens aufgrund der unzureichenden Datenlage jedoch nicht abschließend beurteilt werden. Notwendig sind deshalb insbesondere verstärkte Beifanguntersuchungen in den Wintermonaten in der AWZ und auch auf Fischereifahrzeugen aus anderen EU-Mitgliedsstaaten (z.B. Polen, Lettland), um das genaue Ausmaß der Vogelbeifänge und die Anzahl getöteter Tiere im Vogelschutzgebiet Pommersche Bucht genau zu bestimmen.

Eine auf den in dieser Studie ermittelten Beifangraten beruhende Hochrechnung für die Stellnetzfischerei durch Fischer aus Mecklenburg-Vorpommern ergab eine jährliche Anzahl von 17.345 bis 19.841 getöteten Seevögeln im Zeitraum November bis Mai. Für die Heringsfischerei im Greifswalder Bodden im Zeitraum Februar bis Mai ergaben Hochrechnungen je nach Datengrundlage jährliche Gesamtbeifänge von 918-2259 Vögeln. Allerdings beruhen diese Hochrechnungen auf konservativen Schätzungen des Fischereiaufwands, da offizielle Angaben zum Gesamtfischeraufwand fehlen. Aus diesem Grund sind diese Hochrechnungen wahrscheinlich eher niedriger als die tatsächlichen Beifangzahlen.

Die o.g. Studie ist einsehbar unter:
http://www.bfn.de/habitatmare/de/downloads-berichte-der-forschungsvorhaben.php

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de/habitatmare/de/downloads-berichte-der-forschungsvorhaben.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise