Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Steigert der elektronische Austausch das Kommunikationsbedürfnis?

25.04.2014

E-Mails sind im geschäftlichen Austausch ein gern genommenes Kommunikationsmittel. Nach einer Studie von Professor Dr. Markus-Oliver Schwaab, Hochschule Pforzheim, wachsen mit dem elektronischen Datenaustausch die Erwartungen an das eigene Antwortverhalten. Vielfach forderten Mitarbeiter von sich selber eine schnelle Reaktion – unabhängig von der Firmenphilosophie oder der Eingangszeit. Der Pforzheimer Wissenschaftler wird die zentralen Ergebnisse der Studie im Mai 2014 veröffentlichen.    

Mitarbeiter oder Kollegen schnell mit geschäftlichen Informationen versorgen – die E-Mail ist das beliebte Kommunikationsmittel im geschäftlichen Alltag. Viele vermischen inzwischen den privaten und geschäftlichen Account, eine Trennung findet nicht mehr statt. „Durch die Möglichkeit einfach und direkt zu antworten, setzten sich die Befragten oft selbst unter Druck“, kommentiert Professor Schwaab.


Professor Dr. Markus-Oliver Schwaab

Hochschule Pforzheim

Der Professor im Studiengang Personalmanagement stellt fest, dass in vielen Unternehmen zwar eine schnelle Korrespondenz gewünscht wird, doch der persönliche „Zwang“ noch höher liegt. Über 75 Prozent überprüfen ihr elektronisches Postfach stündlich oder sobald ein Hinweis auf eine neue Mail vorliegt. Ein Drittel der Befragten versucht, sofort oder spätestens nach zwei Stunden zu antworten, knapp 50 Prozent noch am gleichen Tag.

Zwei von drei Befragten versenden Mails unabhängig von der Uhrzeit. Reguläre Arbeitszeiten, Urlaubstage oder das Wochenende werden dabei ignoriert. Informationen werden schnell per Knopfdruck einfach weitergereicht. Fast jeder zweite Befragte bekommt und liest geschäftliche Mails im Urlaub, zwei Drittel sind auch am Wochenende online erreichbar.

„Durch dieses – oft unreflektierte – Verhalten beim Versenden von Mitteilungen wird der Druck auf Mitarbeiter und Kollegen erhöht“, folgert der Pforzheimer Wissenschaftler. „Beim regelmäßigen Checken der Mails, das dank Smartphones und Tablet-PCs immer einfacher wird, fühlen sich die Mitarbeiter oft veranlasst, direkt zu antworten“, fasst Markus-Oliver Schwaab zusammen. Damit weichen die regulären Arbeitszeiten auf, Regenerationszeiten schrumpfen und die Arbeitsbelastung steigt.

Die Schnelligkeit der Kommunikation hat deutlich zugenommen. Noch nimmt die E-Mail bei den elektronischen Austauschmedien eine deutliche Spitzenposition ein. Kurzmitteilungen via SMS oder Twitter sind in der geschäftlichen Kommunikation bisher keine relevanten Größen.

„Dies scheint sich aber zu ändern. Zumindest nutzen viele jüngere Befragten verstärkt diese Kommunikationskanäle“, so Professor Schwaab. Diese Tendenz zeichnet sich auch für Facebook, Google+ oder Skype ab. Die sogenannten Business-Netzwerke – Xing oder LinkedIn – setzten sich gerade vollends in der Geschäftswelt durch.

Parallel zur Ausweitung der Kommunikationskanäle nehmen auch die Frequenz der Mitteilungen und der Austausch untereinander weiter zu. Mails werden schnell auch mal als Kopie an weitere Personen versandt, gleichzeitig ist die Zahl der Besprechungen und der Telefonate nicht gesunken. „Eine einheitliche Tendenz lässt sich hier nicht erkennen“, bilanziert Markus Oliver Schwaab. Grundsätzlich greifen die Befragten aber, wenn es um brisante oder sehr zeitkritische Informationen geht, eher zum Telefon als zur Tastatur.

Der Pforzheimer Wirtschaftswissenschaftler rät zum differenzierteren Einsatz der elektronischen Kanäle. „Die Möglichkeiten, Informationen auszutauschen werden nicht weniger, sondern mehr.“ Betriebliche Einigungen, beispielsweise Mitarbeiter nach Dienstschluss offline zu stellen, seien zwar in vielen Fällen ein sinnvoller Lösungsansatz, würden aber noch nicht den Kern der Problematik treffen. „Vielfach setzten sich die Mitarbeiter selbst unter Stress.

Die Übereinkunft, E-Mails möglichst zeitnah zu beantworten, werde mit in den Feierabend genommen“, so Professor Schwaab. Er plädiert dafür maßgeschneiderte Spielregeln in Teams zu vereinbaren, Freiräume zu respektieren, den Empfängerkreis von Mitteilungen kritisch zu hinterfragen und auch stets zu überlegen, welche Kommunikationsform am geeignetsten ist.

Den immer häufiger geforderten gesetzlichen Vorschriften steht Professor Schwaab eher zurückhaltend gegenüber. Seine Begründung: „Die Studie gibt keine Belege für eine Verbesserung durch gesetzliche Regelungen.“

Befragte aus Organisationen mit bereits existierenden „Spielregeln“ berichten ebenfalls über eine Zunahme der beruflich bedingten Störungen in der Freizeit. Mehr Erfolg verspricht sich der Pforzheimer Wissenschaftler von Kommunikationsrichtlinien, die zusammen im Unternehmen erarbeitet werden. So könnte „gemeinsam eine vertrauensbasierte Kommunikationskultur aufgebaut und entwickelt werden. Damit steigen die Chancen, die gesundheitsgefährdende Dauerbereitschaft durch eine Kultur abzulösen, die produktive Arbeitszeiten und bewusste Auszeiten vereint.“

Sabine Laartz | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.hs-pforzheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie