Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stadtflucht rechnet sich nicht

04.02.2010
Studie: Teure und ineffiziente Siedlungen entstehen durch unkoordinierte Entscheidungen aller Beteiligten

Wenn alle Akteure ihre eigenen Ausgaben so niedrig wie möglich halten, entsteht dadurch keine kostengünstige Lösung für das Gemeinwesen. Vielmehr verursacht das Verhalten hohe Aufwendungen für eine gesamte Region und die Steuerzahler ("Kostenparadoxon der Baulandentwicklung").

Eine Studie des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) Dresden im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit beschreibt, warum das so ist und was sich besser machen lässt.

Aus Sicht von Städteplanern ist das Zersiedeln in die Fläche nicht wünschenswert. Finanzielle Anreize können, so die Annahme mancher Ökonomen, ausufernde Flächennutzung begrenzen. An der Entwicklung und Nutzung von Bauland sind aber ganz unterschiedliche Interessenten beteiligt. Was treibt bei diesem Zusammenspiel die Gesamtkosten hoch? Rechnen die Beteiligten einfach falsch?

Sie rechnen richtig. Die IÖR-Wissenschaftler fanden heraus, dass alle Akteure zwar kostenbewusst handeln (können), aber sehr unterschiedliche Kostenarten ins Blickfeld nehmen und langfristige Folgen für andere Mitwirkende vernach-lässigen. Wenn beispielsweise Gemeinden Kosten für eine neue Infrastruktur auf Projektentwickler abwälzen können, fehlt der ökonomische Anreiz, effizienter zu gestalten. Oft vernachlässigen Berechnungsvorschriften langfristige Effekte. Kommunen müssen im Moment der Entscheidung für ein Baugebiet beispielsweise die Instandhaltungskosten nicht mitbedenken. Die Kosten des Neubaus einer Straße gehen aber zu zehn, die des Unterhalts zu 100 Prozent in die öffentlich zu tragenden Kosten des Straßensystems ein. Häuslebauer übersehen beim Kauf preiswerten Baulandes oft die Ausgaben für Mobilität beim "Wohnen auf dem Land". Und viele Zahler werden gar nicht gefragt: Die Fixkosten der Ver- und Entsorgung werden auf alle Kunden umgelegt - egal, wo sie wohnen.

Faktoren wie diese tragen aus Sicht der Forscher zum " Kostenparadoxon der Baulandentwicklung" bei. Das Ergebnis vieler Einzelentscheidungen, die niemand bewusst steuert, sind ineffiziente - teure - Siedlungsstrukturen. Die Wissenschaftler leiten die Forderung ab, Kosten der Baulandentwicklung deutlicher sichtbar zu machen und Fehlanreize abzubauen. "Außerdem müssten die Verfahren zur Kostenermittlung geändert werden, um langfristige Entwicklungen nachhaltig mit zu beachten und so die künftigen Kosten für die Allgemeinheit zu begrenzen", sagt Clemens Deilmann, der Leiter des Projektes.

Der Band analysiert die Merkmale möglicher Konstellationen bei der Entwicklung vom Bauland und beschreibt ausführlich sowie anhand einprägsamer Beispiele Wirkungen und Handlungsvorschläge.

233 Seiten, ISSN 1862-4804.
Herausgeber: Umweltbundesamt

Katlen Trautmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.ioer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie