Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wo ist die Sprache zuhause?

03.11.2008
Freiburger Wissenschaftler veröffentlichen Studie in "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS)

Seit jeher beschäftigten sich Neurowissenschaftler mit Sprachfunktionen im Gehirn. Ausgangspunkt dieser Diskussion ist bis heute ein klassisches Modell der Sprachverarbeitung, das auf Pionierarbeiten der frühen Neurowissenschaften des 19. Jahrhunderts zurückzuführen ist.

Laut diesem klassischen Modell ist eine Region im hinteren Schläfenlappen wichtig für das Sprachverständnis und eine weitere Region im Stirnlappen für die Sprachproduktion. Beide Sprachregionen sind durch einen bogenförmigen Faserstrang, den Fasciculus arcuatus miteinander verbunden. Der Fasciculus arcuatus galt daher bis heute als der wichtigste Sprache vermittelnde Faserstrang im Gehirn.

In einer aktuellen Studie haben Neurologen des Universitätsklinikums Freiburg nun herausgefunden, dass ein weiterer, bisher wenig beachteter Faserstrang, die Capsula extrema, eine ganz wesentliche Bedeutung für die Sprachverarbeitung hat. Die Studie wird in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift PNAS der United States National Academy of Sciences veröffentlicht.

Die Erkenntnisse der Studie sind wichtig, um zu verstehen, wie Hirnschädigungen, beispielsweise ein Schlaganfall oder Hirntumor, durch Störung spezifischer Anteile des Sprachnetzwerkes den Verlust von Sprachfunktionen hervorrufen kann. Darüber hinaus helfen die Ergebnisse zu verstehen, wie man dieses geschädigte Netzwerk durch Sprachtraining und spezifische Hirnstimulationen rehabilitieren kann.

In Zusammenarbeit mit Forschern der Abteilung Röntgendiagnostik und Medizin-Physik des Universitätsklinikums Freiburg wurden in zwei einfachen Sprachexperimente mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie diejenigen Hirnareale identifiziert, die beim Nachsprechen und beim Sprachverständnis aktivieren.

In einem zweiten Schritt wurde mit der sogenannten diffusionsgewichteten Kernspintomographie bei allen Probanden die Faserstränge des Gehirns dargestellt. Bei der Auswertung der Daten wurden die Informationen beider Messungen zusammengeführt. Es zeigte sich, dass Schläfen- und Stirnlappen beim Nachsprechen tatsächlich über den bekannten, rückläufigen Weg entlang des Fasciculus arcuatus kommunizieren, wohingegen beim Sprachverständnis der bisher wenig beachtete vorderen Weg über die Capsula extrema dominiert.

Die Forscher gehen davon aus, dass die bekannte hintere Route über den Fasciculus arcuatus im Wesentlichen daran beteiligt ist, sensorische Informationen im Schläfenlappen mit motorischen Programmen im Stirnlappen abzustimmen. Für die sprachliche Fähigkeit "Nachsprechen" bedeutet dies, dass die gehörte Sprache mit motorischen Programmen für die Artikulation abgeglichen wird.

Dagegen ist die hier neu beschriebene vordere Route über die Capsula extrema vielmehr ein kognitiver Verarbeitungsweg. Für das Sprachverständnis bedeutet dies, dass erst durch das Zusammenspiel zwischen Schläfen- und vorderem Stirnlappen das bewusste Verstehen von Sprache ermöglicht wird.

Den Artikel "Ventral and dorsal pathways for language" in PNAS finden Sie unter: www.pnas.org

Kontakt:
Dr. Dorotheee Saur
Neurologie und Neurophysiologie
Tel.: 0761/270- 5232
E-Mail: dorothee.saur@uniklinik-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org
http://www.uni-freiburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise