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Kann Sport Alzheimer stoppen? – Essener Studie soll Klarheit bringen

12.08.2009
Auch wenn in den letzten Jahren viele Fortschritte bei der Erforschung der Alzheimer-Demenz gemacht wurden, hat die Diagnose für die Betroffenen nichts von ihrem Schrecken verloren.

Noch immer ist Morbus Alzheimer eine unheilbare Krankheit. Zwar stehen seit einigen Jahren Medikamente zur Verfügung, die eine frühzeitig diagnostizierte Erkrankung ein bis zwei Jahre aufhalten können.

Im späteren Verlauf bringt die Einnahme der bisher bekannten Medikamenten jedoch keine Besserung. „Über die medikamentöse Behandlung hinaus wird heute vor allem mit der so genannten Milieutherapie versucht, bei den Betroffenen möglichst lange ein hohes Maß an Unabhängigkeit zu erhalten, sie in das normale Familienleben einzubinden.

Erleichtert werden kann dies durch eine stressfreie, überschaubare aber trotzdem stimulierende Umgebung und einen konstant strukturierten Tagesablauf“, erläutert Dr. Hartmut Fahnenstich, Geragoge und Fachtherapeut für Hirnleistungstraining in der Essener Memory-Clinic, einer ambulanten gerontologischen Beratungsstelle der Contilia-Gruppe.

Derzeit wird von Experten diskutiert, ob es noch eine weitere Möglichkeit gibt, die Alzheimer-Demenz im Erkrankungsverlauf positiv zu beeinflussen. Es gibt Hinweise, dass auch körperliche Bewegung, bei der auch kognitive Fähigkeiten gefordert sind, dies vermag. Bisher liegen aber keine Informationen darüber vor, welche Aktivitäten in welchem Maße am besten geeignet sind, um eine nachweisliche Verbesserung zu erzielen. Um verlässliche medizinische Daten zu gewinnen, will man deshalb in Essen noch in diesem Jahr mit einer wissenschaftlichen Studie beginnen.

„In der so genannten SPORT & KOG STUDIE soll der Einfluss gezielter Bewegungsprogramme auf Fertigkeiten des Denkens – wie z.B. die Fähigkeit Neues zu lernen und zu behalten – sowie auf die Aktivitäten des täglichen Lebens bei Personen mit früher Alzheimer-Demenz untersucht werden“, erläutert Dr. Fahnenstich. Es ist geplant, dass 34 Patienten aus der Memory-Clinic an dem Projekt teilnehmen. Dr. Fahnenstich: „Derzeit suchen wir noch nach Freiwilligen, die bei der Studie und den regelmäßigen sportlichen Aktivitäten mitmachen möchten. Die Teilnehmer sollten Spaß an Bewegung haben und Sport sollte – in welcher Form auch immer – vielleicht auch schon in ihrer Vergangenheit eine Rolle gespielt haben.“ Auftraggeber der Studie ist das Universitätsklinikum Essen, das im Rahmen des ‚Leuchtturmprojekts Demenz’ dabei finanziell vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützt wird. Die Leitung der klinischen Prüfung unterliegt Prof. Dr. Jens Wiltfang von der Universität Duisburg-Essen. Die lokale Studienleitung hat Prof. Dr. Hans Georg Nehen, Direktor der Klinik für Geriatrie des Elisabeth-Krankenhauses Essen – zu der auch die Memory-Clinic gehört –, übernommen.

Zwei Gruppen

Um den Effekt verschiedener Sportarten prüfen zu können, wurden zwei unterschiedliche Bewegungsprogramme für die Teilnehmer ausgearbeitet. Das Programm A legt den Schwerpunkt auf Kraft-, Beweglichkeits-, Koordinations- und Ausdauertraining. Spielerisch sollen dabei sportliche Aktivitäten mit Übungen zur Anregung des Denkens verknüpft werden. Das Bewegungsprogramm B bietet in erster Linie verschiedenste Aktivitäten zur Verbesserung der Beweglichkeit – so z.B. gezielte Dehnübungen und ein spezielles Lockerungstraining. „Die Zuordnung der Teilnehmer zu einer der beiden Behandlungsgruppen erfolgt nach dem Zufallsprinzip. Das ist wichtig, um später unverfälschte Schlussfolgerungen ziehen zu können“, so Dr. Fahnenstich. „Vergleicht man am Ende der Studie die beiden Gruppen, wird sich zeigen, ob die sportlichen Aktivitäten den gewünschten Effekt erzielen und welche Übungen gegebenenfalls besonders geeignet sind.“

Die 48 Übungseinheiten, die sich über ein halbes Jahr erstrecken, sollen möglichst abwechslungsreich gestaltet werden. In beiden Programmen treffen sich die Teilnehmer in den ersten zwei Monaten jeweils drei mal pro Woche zu den Gruppenübungsstunden. Diese beinhalten neben 60 Minuten Sport auch ein 30-minütiges moderiertes Gespräch. Die Gruppenstärke soll bei acht Teilnehmern liegen. Bis zum vierten Monat der Studie finden die Übungsstunden dann zweimal und in den letzten Monaten nur noch einmal pro Woche statt. Um mögliche körperliche Risiken auszuschließen, findet vor Beginn des Programms bei allen Teilnehmern eine ärztliche Untersuchung statt. Außerdem werden sie zu ihrer Erkrankung, ihrer Befindlichkeit, den körperlichen Fertigkeiten und ihren Tätigkeiten im Alltag befragt. Der tatsächliche tägliche Bewegungsumfang wird mit einem Schrittzähler erfassen.

„Um den Effekt des Sports auf die geistigen Fähigkeiten und die Alltagsfertigkeiten zu überprüfen, werden die Teilnehmer der Studie vor Beginn des Programms, am Ende und noch einmal nach weiteren sechs Monaten auf ihre Leistungsfähigkeit – unter anderem in Bezug auf ihr Gedächtnis und ihre Aufmerksamkeit – getestet“, erklärt Dr. Fahnenstich und unterstreicht: „Welche Erkenntnisse die Studie letztendlich auch bringt, eines ist schon jetzt klar: Auf jeden Fall wird es bei allen Teilnehmern zu einer Verbesserung der körperlichen Fitness kommen und schon dies hat einen nachhaltigen positiven Effekt auf den allgemeinen Gesundheitszustand.“

EKE

Memory-Clinic Essen
Germaniastraße 3
D-45356 Essen
Tel.: 0201 897-60

| NED.WORK Agentur und Verlag GmbH
Weitere Informationen:
http://www.elisabeth-essen.de/presse

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