Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das soziale Profil in der Begabtenförderung

12.05.2009
HIS legt neue Studie vor

Gegenwärtig werden etwa 20.000 Stipendiat/innen von den elf Begabtenförderungswerken in ihrem Studium bzw. bei ihrer Promotion unterstützt. Aus welchen sozialen Schichten kommen diese Geförderten? Welche Bildungswege haben sie bislang zurückgelegt? Wo und was studieren sie? Wie sind ihre finanziellen Lebensverhältnisse? Wie verläuft ihr Studium? Worin unterscheiden sich die Geförderten von allen Studierenden bzw. Promovierenden?

Auf diese und weitere Fragen versucht erstmals eine Studie der HIS Hochschul-Informations-System GmbH Antworten zu finden. Sie wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erstellt und liegt jetzt vor. Empirische Grundlage ist eine Online-Befragung unter allen Geförderten der elf Begabtenförderungswerke. An ihr haben sich im Oktober 2008 knapp 10.000 Geförderte beteiligt.

Die elf Begabtenförderungswerke, die von den unterschiedlichen Parteien, Kirchen, Sozialpartnern getragen werden bzw. politisch und weltanschaulich unabhängig sind, widerspiegeln in ihrer Summe die Pluralität in der Gesellschaft. Die Auswahl der Geförderten erfolgt nach werkspezifischen Kriterien und Verfahren, wobei alle elf Werke übereinstimmend in fachlicher Leistung, Persönlichkeit und gesellschaftlichem Engagement zentrale Voraussetzungen für eine Aufnahme in die Förderung sehen.

Von allen Stipendiatinnen und Stipendiaten werden 80 % im Rahmen der Studienförderung unterstützt. Sie kommen überdurchschnittlich häufig aus hochschulnahen Familien: In zwei Dritteln der Herkunftsfamilien hat mindestens ein Elternteil auch studiert. Unter allen Studierenden im Erststudium gilt das lediglich für jedes zweite Elternhaus. Geförderte sind ganz überwiegend auf direktem Weg mit einer allgemeinen Hochschulreife ins Studium gekommen. Die meisten in der Studienförderung absolvieren ein Erststudium (97 %) und sind an einer Universität immatrikuliert. Nur 8 % der Geförderten studieren an einer Fachhochschule. Unter allen Studierenden im Erststudium beträgt dieser Anteil 30 %.

In der Studienförderung sind Männer und Frauen nahezu gleich stark vertreten. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten sind durchschnittlich 23 Jahre alt und damit etwa ein Jahr jünger als ihre Kommiliton/innen, die nicht gefördert werden. Auch deshalb sind Geförderte seltener als der Durchschnitt der Studierenden im Erststudium bereits partnerschaftlich gebunden oder bereits Eltern. Obwohl vergleichsweise jung, haben von den Stipendiat/innen überdurchschnittlich viele bereits das Elternhaus verlassen und wohnen in einem Wohnheim oder einer WG.

Die meisten Geförderten in der Studienförderung erhalten - neben immateriellen Formen der Förderung - ausschließlich Büchergeld (42 %). Jeweils etwa ein Viertel erhält ein Teil- bzw. ein Vollstipendium. Die Stipendien werden - in Anlehnung an das BAföG - ganz überwiegend abhängig von der Einkommenssituation im Elternhaus gewährt.

Finanzielle Förderung bedeutet jedoch nicht, bar aller Geldsorgen zu sein. Viele Geförderte müssen - ebenso wie alle Studierenden - einen Teil ihres Lebensunterhaltes durch eigenen Verdienst bestreiten. Besonders verbreitet ist die Erwerbstätigkeit neben dem Studium bei den Geförderten, die ausschließlich Büchergeld bekommen, und hier vor allem unter denjenigen, die aus einer hochschulfernen Familie kommen.

Ein Schwerpunkt der Begabtenförderung ist die Unterstützung von studienbezogenen Aufenthalten im Ausland. Fast jede/r zweite Geförderte war bereits mindestens einmal in Zusammenhang mit dem Studium im Ausland: Ein Drittel war an einer ausländischen Hochschule für ein Teilstudium immatrikuliert, jede/r Fünfte absolvierte ein Praktikum und jede/r Sechste nahm an einem Sprachkurs teil. Die Mobilitätsquote der Geförderten ist damit mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Studierenden im Erststudium.

Insgesamt setzen sich die Geförderten in der Studienförderung - trotz unterschiedlicher Profile der einzelnen Begabtenförderungswerke - recht homogen zusammen. Die leistungsbezogenen Kriterien für die Aufnahme in die Begabtenförderung führen offenbar dazu, dass im Bewerberpool überdurchschnittlich viele mit einem akademischen Hintergrund sind, mit der Folge einer Überrepräsentation hochschulnaher Herkunftsgruppen. Dieser Effekt schwächt sich bei den Promovierenden ab, deren soziale Zusammensetzung heterogener ist. Da Begabung in der Regel über hervorragende Leistung (als eines von mehreren Kriterien) definiert wird, aber nur ein begrenztes Potential von Bewerberinnen und Bewerbern mit mittlerem und niedrigem sozialen Hintergrund zur Verfügung steht, erklärt sich die erfolgte Auswahl aus den vorgefundenen Ausgangsbedingungen.

Nähere Auskünfte
Dr. Elke Middendorff
Tel: 0511 / 1220-194
middendorff@his.de
Pressekontakt
Theo Hafner
Tel: 0511 / 1220-290
hafner@his.de
Tanja Barthelmes
Tel: 0511 / 1220-384
barthelmes@his.de
Über HIS
Die HIS Hochschul-Informations-System GmbH unterstützt die Hochschulen und ihre Verwaltungen sowie die staatliche Hochschulpolitik als Dienstleister im Bemühen um eine effektive Erfüllung ihrer Aufgaben. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Aktivitäten
o als Softwarehaus der Hochschulverwaltungen
o im Sektor Hochschulforschung in Form von empirischen Untersuchungen und anderen Expertisen

o im Bereich Hochschulentwicklung mit den zentralen Themenfeldern Hochschulmanagement, Hochschulorganisation und Hochschulbau

Theo Hafner | idw
Weitere Informationen:
http://www.his.de
http://www.his.de/pdf/21/Begabte-Bericht.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics