Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie soziale Normen das individuelle Gesundheitsverhalten beeinflussen

07.10.2010
Heidelberger Wissenschaftlerteam veröffentlicht Forschungsergebnisse aus der Gesundheitspsychologie

Das gesundheitsrelevante Verhalten von Menschen wird maßgeblich von dem beeinflusst, was andere Personen in vergleichbarer Situation tun. So haben beispielsweise Kampagnen, die die geringen Teilnahmequoten von Männern an Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung anprangern, viel eher demotivierenden Charakter, anstatt von einer Teilnahme zu überzeugen.

Das hat ein Forscherteam der Universität Heidelberg unter der Leitung von Prof. Dr. Monika Sieverding in zwei Studien zur Bedeutung sozialer Normen nachgewiesen. Die Forschungsergebnisse aus dem Arbeitsereich Genderforschung und Gesundheitspsychologie wurden in den Fachzeitschrifen „Health Psychology“ und „Psychological Science“ veröffentlicht.

Wie Prof. Sieverding erläutert, orientieren sich Menschen in ihrem Verhalten einerseits an dem, was wichtige Bezugspersonen von ihnen erwarten, andererseits aber auch daran, was andere „vergleichbare“ Menschen tun. Die Wissenschaft unterscheidet hier zwischen subjektiver und deskriptiver Norm. Die Heidelberger Forscherinnen und Forscher sind in diesem Zusammenhang der Frage nachgegangen, inwieweit deskriptive Normen – hier das Wissen über das Verhalten von Alters- und Geschlechtsgenossen – die Teilnahme von Männern an Krebsfrüherkennungsuntersuchungen (KFU) beeinflusst.

Dazu wurden in einer großen Erhebung 2.400 Männer im Alter von 45 bis 65 Jahren befragt: Die Befragten, die bislang noch nie bei einer KFU waren, gingen davon aus, dass auch nur wenige andere Männer (28 Prozent) dies machen. Bei denjenigen, die selbst unregelmäßig oder sogar regelmäßig an einer KFU teilnehmen, lagen die Schätzungen mit 36 und 45 Prozent deutlich darüber.

In einer experimentellen Nachfolgestudie mit 185 zufällig ausgewählten Männern zwischen 45 und 70 Jahren sollte überprüft werden, ob die Information über das Verhalten Anderer einen ursächlichen Einfluss auf die Motivation hat, selbst an einer Krebsfrüherkennungsuntersuchung teilzunehmen. Dabei konnten die Wissenschaftler einen deutlichen Effekt nachweisen: Wurden die Befragten darüber informiert, dass im Jahr zuvor lediglich jeder fünfte Mann bei einer solchen Untersuchung gewesen ist, fiel auch bei ihnen die Bereitschaft dazu eher gering aus.

Deutlich größer war das Interesse in einer Gruppe, die mit einer ganz anderen Information versorgt worden war – dass bereits zwei Drittel aller Männer eine Standard-KFU mitgemacht haben. „Die Information über eine geringe Nutzung hat somit keine motivierende, sondern tatsächlich eine demotivierende Wirkung. Nach dem Motto: Wenn so wenige Männer dort hingehen, dann wird das wohl auch seinen Grund haben“, betont Prof. Sieverding.

Die Forschungsarbeiten am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg, die Prof. Sieverding zusammen mit Liborio Ciccarello, Sarah Decker, Uwe Matterne und Friederike Zimmermann durchgeführt hat, wurden zum Teil durch die Deutsche Krebshilfe gefördert. Informationen im Internet können unter der Adresse http://www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/diff/gender/index.html abgerufen werden.

Originalveröffentlichungen:
Sieverding, M., Decker, S., & Zimmermann, F. (2010). Information about low participation in cancer screening demotivates other people. Psychological Science, 21, No. 7, 941-943, doi: 10.1177/0956797610373936

Sieverding, M., Matterne, U., & Ciccarello, L. (2010). What role do social norms play in the context of men's cancer screening intention and behavior? Application of an extended theory of planned behavior. Health Psychology, 29, No. 1, 72-81, doi: 10.1037/a0016941

Kontakt:
Prof. Dr. Monika Sieverding
Psychologisches Institut
Telefon (06221) 54-7372 oder 54-7329 (Sekretariat)
monika.sieverding@psychologie.uni-heidelberg.de
Kommunikation und Marketing
Pressestelle, Telefon (06221) 54-2311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de
http://www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/diff/gender/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise