Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Soziale Bindungen am Arbeitsplatz können Produktivität steigern

27.05.2009
Wer mit leistungsstarken Freunden am Arbeitsplatz zusammen ist, arbeitet selbst produktiver. Diesen Zusammenhang konnten Wissenschaftler britischer und US-amerikanischer Universitäten jetzt durch einen umfangreichen Feldversuch belegen.

Laut der Studie, die beim Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) erschienen ist, stieg die Produktivität leistungsschwächerer Arbeitskräfte um 10%, wenn sie im direkten Umfeld ihrer Freunde eingesetzt wurden.

Umgekehrt reduzierten zwar die produktiveren Kollegen ihre eigene Leistung, wenn sie während der Arbeit in direktem Kontakt mit schwächeren Freunden standen, doch für das Unternehmen ergab sich insgesamt ein positiver Produktivitätseffekt.

Anhand von Personaldaten eines britischen Obstbaubetriebs analysierten die Forscher die Arbeitsleistung der Beschäftigten. Zudem befragten sie die Betriebsangehörigen, mit welchen Kollegen sie freundschaftliche Kontakte pflegen. Aus organisatorischen Gründen wechselte der Einsatzbereich jedes Arbeiters täglich, sodass befreundete Kollegen nur an bestimmten Tagen in Sichtweite zusammen arbeiten konnten. War dies der Fall, zeigte sich ein erstaunlicher Effekt: Die leistungsschwächeren Freunde legten sich besonders ins Zeug und pflückten etwa 10% mehr Obst als an anderen Tagen. Geübtere Pflücker passten hingegen ihre Arbeitsgeschwindigkeit dem langsameren Tempo ihrer Freunde an und nahmen dadurch sogar Lohneinbußen von bis zu 10% in Kauf.

Da die Arbeiter einen individuellen Stücklohn erhielten, hatte ihre eigene Produktivität - anders als etwa bei Gruppenlöhnen oder Leistungswettbewerben - keinen positiven oder negativen Einfluss auf die Bezahlung der Kollegen. So konnten die Forscher ausschließen, dass finanziell motivierter Leistungsdruck ausschlaggebend ist.

Als Erklärung für die beobachteten Produktivitätsveränderungen führen die Verhaltsökonomen an, dass vor allem Freunde gemeinsame Arbeitsnormen entwickeln, die zwischen dem Leistungsniveau der stärksten und schwächsten Gruppenmitglieder liegen. Hierbei spielt die räumliche Nähe befreundeter Kollegen eine bedeutende Rolle, da von ihr abhängt, wie intensiv die Beschäftigten ihre sozialen Kontakte auch während der Arbeit pflegen können. Das gilt besonders für die in der Studie analysierten Obstpflücker, die durch ihr Arbeitstempo die Entfernung zu den Kollegen beeinflussen können.

Für das Unternehmen ist der Gesamteffekt prinzipiell schwer vorherzusagen, zumal Produktivitätssteigerungen einiger Beschäftigter mit Leistungseinbußen anderer einhergehen. Im Feldversuch ermittelten die Wissenschaftler allerdings einen insgesamt positiven Effekt: Wäre es organisatorisch möglich gewesen, Freunde stets zusammen einzusetzen, hätte der Betrieb insgesamt rund 3% mehr Umsatz erwirtschaftet.

"Natürlich lassen sich die Ergebnisse nicht auf jeden Betrieb und jede Arbeitsform übertragen", erklärt IZA-Fellow Iwan Barankay von der University of Pennsylvania, der die Studie mitverfasst hat. "Die Beobachtungen legen aber nahe, dass soziale Anreize neben finanziellen Anreizen zur Leistungssteigerung beitragen können und daher bei der Entwicklung eines optimalen Entlohnungsmodells berücksichtigt werden sollten."

Die englischsprachige Studie, die demnächst in der Fachzeitschrift Review of Economic Studies erscheint, ist über die IZA-Homepage kostenlos abrufbar.

Oriana Bandiera, Iwan Barankay, Imran Rasul:
Social Incentives in the Workplace
IZA Discussion Paper No. 4190 - http://ftp.iza.org/dp4190.pdf
Pressekontakt:
Steffen Altmann
Stellvertretender Programmdirektor
"Verhaltens- und Personalökonomie"
IZA, Postfach 7240, 53072 Bonn
Tel. (0228) 3894-403
E-Mail: altmann@iza.org

Holger Hinte | idw
Weitere Informationen:
http://ftp.iza.org/dp4190.pdf
http://www.iza.org/publications

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie