Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Solo-Selbstständige stellen jetzt die Mehrheit der Unternehmer

06.12.2012
Während der letzten dreißig Jahre hat die selbstständige Berufstätigkeit in Deutschland kontinuierlich zugenommen.
Doch seit der Jahrtausendwende steigt fast nur noch die Zahl der Solo-Selbstständigen, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Nachdem die berufliche Selbstständigkeit über lange Jahre hinweg in erster Linie von Betrieben – also Selbstständigen mit weiteren Beschäftigten – geprägt war, sind nunmehr die Solo-Selbstständigen in der Mehrheit.

Den IAB-Forschern Hans-Dieter Gerner und Frank Wießner zufolge spielt dabei nicht zuletzt der Strukturwandel hin zu einer wissensbasierten Dienstleistungsgesellschaft eine Rolle. Mit Hilfe moderner Kommunikationstechnologien seien auch Einzelpersonen imstande, vielfältige Dienstleistungsangebote zu realisieren.
„Bei Bedarf können betriebliche Personalstrukturen durch Kooperation oder durch die virtuelle Vernetzung mehrerer Selbstständiger substituiert werden“, schreiben Gerner und Wießner. Der technische Fortschritt begünstige auch die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen: Diese sei häufig mit dem Wunsch nach mehr Flexibilität verbunden, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. Frauen sind besonders häufig alleine selbstständig tätig.

Ein weiterer Faktor ist laut den IAB-Forschern die intensive Förderung von Existenzgründungen aus Arbeitslosigkeit. „Das Überbrückungsgeld (1986 bis 2006), daneben die Ich-AG (2003 bis 2006) und schließlich ab Mitte 2006 der Gründungszuschuss trugen zu einer beachtlichen Stimulierung des Gründungsgeschehens in Deutschland bei“, stellen Gerner und Wießner fest.

Ich-AGler bleiben meist solo

Rund drei Viertel derjenigen, die eine Ich-AG gründeten, haben auch nach fast fünf Jahren Selbstständigkeit keine weiteren Mitarbeiter. Von den Gründern, die Überbrückungsgeld erhielten, beschäftigt dagegen etwa die Hälfte weitere Mitarbeiter – nicht selten auch schon im ersten Jahr der Selbstständigkeit.

Das Überbrückungsgeld nahmen vor allem Arbeitslose in Anspruch, die zuvor relativ gut verdient hatten, da die Höhe anders als bei der Ich-AG vom vorherigen Einkommen abhing. Verglichen mit dem Durchschnitt der Arbeitslosen waren die Überbrückungsgeld-Gründer dementsprechend auch besser qualifiziert, und häufig waren es Männer. Bei den Ich-AG-Gründern war das Qualifikationsniveau etwas niedriger als bei den Überbrückungsgeld-Gründern, und knapp die Hälfte waren Frauen. Die Ich-AG erreichte damit auch Gruppen, die bei den Gründungen zuvor unterrepräsentiert waren.

Keine Kümmerexistenzen

Diejenigen der geförderten Gründer, die noch weitere Mitarbeiter beschäftigen, verfügten im Schnitt über ein höheres Startkapital und zeigten eine höhere Risikobereitschaft, geht aus der IAB-Studie hervor. Sie verdienen mit durchschnittlich 2.526 Euro netto im Monat dann auch mehr als die Solo-Selbstständigen mit 1.897 Euro. Gerner und Wießner betonen, „dass zumindest im Bereich der Vollzeit-Selbstständigkeit keine ‚Kümmerexistenzen’ gefördert wurden. Die Einkommen liegen durchaus im Bereich vergleichbarer abhängiger Beschäftigungen.“

Etwa zehn Prozent der geförderten Gründer – 14 Prozent der Solo-Selbstständigen, neun Prozent der Selbstständigen mit Mitarbeitern – haben allerdings auch nach fast fünf Jahren Selbstständigkeit keine Altersvorsorge. In diesen Fällen bestehe das Risiko späterer Altersarmut, warnen die Forscher.

Die IAB-Studie im Internet: http://doku.iab.de/kurzber/2012/kb2312.pdf

Wolfgang Braun | idw
Weitere Informationen:
http://doku.iab.de/kurzber/2012/kb2312.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics