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SOEP-Studie: Eltern und Kinder - Ähnliche Kompetenzen, unterschiedliche Persönlichkeiten

19.07.2012
Intellektuelle Kompetenzen werden stärker von Eltern auf ihre Kinder übertragen als Persönlichkeitseigenschaften.

Je älter die Kinder werden, umso mehr nähert sich ihre intellektuelle Leistungsfähigkeit derjenigen ihrer Eltern an. Unterschiede in der sozialen Mobilität, also dem sozialen und wirtschaftlichen Auf- oder Abstieg von Kindern gegenüber ihren Eltern, kann die Weitergabe von Fähigkeiten von einer Generation an die nächste aber nicht erklären, wie ein Ländervergleich zeigt.

Dies deutet darauf hin, dass die Sozialstruktur einer Gesellschaft für das Ausmaß der intergenerationalen sozialen Durchlässigkeit verantwortlich ist.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine jetzt veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf der Basis von repräsentativen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

Die Studie untersucht, in welchem Ausmaß intellektuelle Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale in Deutschland von Eltern an ihre Kinder im Jugend- und jungen Erwachsenenalter weitergegeben werden. „Bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren hängen die Messwerte für ihre intellektuellen Fähigkeiten eng mit denen ihrer Eltern zusammen. Bei Persönlichkeitsmerkmalen wie zum Beispiel Offenheit, Gewissenhaftigkeit und soziale Verträglichkeit ist der Zusammenhang weniger deutlich ausgeprägt“, sagt Silke Anger, Wissenschaftlerin des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am DIW Berlin und Autorin der Studie. „Mit zunehmendem Alter der Kinder nähern sich beide Generationen auch in ihrer Persönlichkeit immer mehr an.“ Anger sieht eine mögliche Begründung dafür darin, dass die Persönlichkeit von Jugendlichen noch nicht vollends ausgereift sei.

Anger hat in ihrer Studie untersucht, welche Faktoren die Übertragung von intellektuellen Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmalen beeinflussen: „Der Bildungsabschluss der Eltern prägt die intellektuellen Fähigkeiten ihrer Kinder deutlich“, sagt sie. Kinder von Eltern mit einem hohen Bildungsabschluss erzielen deutlich bessere Ergebnisse in den Kompetenztests. Keinen klaren Zusammenhang gibt es hingegen zwischen der Bildung der Eltern und den Persönlichkeitseigenschaften der Kinder.

In einem internationalen Vergleich zeigt sich: Intellektuelle Kompetenz wird in Skandinavien und den USA in ähnlich starkem Ausmaß an den Nachwuchs weitergegeben wie in Deutschland. „Es ist bemerkenswert, dass die Übertragung von intellektuellen Fähigkeiten von einer Generation auf die nächste in Ländern mit unterschiedlichen Bildungssystemen so ähnlich ist“, sagt Anger. Spielraum, die Fähigkeiten von Kindern positiv zu beeinflussen, sieht sie bei den persönlichen Eigenschaften, die nicht so stark von Eltern auf ihre Kinder übertragen werden. Hier könne das Bildungssystem ansetzen, um Kindern aus bildungsfernen und einkommensschwachen Familien eine Chance zu geben, durch die Entwicklung ihrer persönlichen Fähigkeiten in der Gesellschaft aufzusteigen. „Vor allem benachteiligte Kinder sollten durch erstklassige Kinderbetreuung, durch frühkindliche Bildung und hochwertigen Schulunterricht oder durch persönliche Mentoren die Möglichkeit erhalten, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und ihr Potential voll zu entfalten“, sagt Anger.

STICHWORT SOEP:

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP ist am DIW Berlin angesiedelt und wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz Gemeinschaft (WGL) von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden jedes Jahr mehr als 20 000 Menschen in rund 11 000 Haushalten vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung befragt. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Gesundheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

DIE STUDIE IM DIW WOCHENBERICHT:
http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.406003.de/12-29.pdf

Monika Wimmer | idw
Weitere Informationen:
http://www.diw.de/soep

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