Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

So klingt Bewegung: Neue Studie zur Rehabilitation nach Schlaganfall

09.05.2014

Armbewegungen von Schlaganfallpatienten können in Musik umgesetzt und so hörbar gemacht werden. Das wollen die Neurologische Uniklinik und das Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung in Tübingen gemeinsam mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und der Popakademie Baden-Württemberg für die Schlaganfall-Therapie nutzen.

Ziel der Studie „Bewegungssonifikation“ ist eine verbesserte Rehabilitation der Armmotorik bei Schlaganfallpatienten. Denn bei vielen Betroffenen lässt sich bisher durch konventionelles physiotherapeutisches Training keine ausreichende Verbesserung der Bewegungsfähigkeit erzielen. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung fördert das Projekt mit 206.000 Euro.

Bisher wird das Wiedererlernen von gezielten Armbewegungen nach einem Schlaganfall mit Methoden wie beispielsweise durch Berührung von Zielfeldern und Versetzen von Bauklötzen erreicht. Dabei denen die Kontrolle primär über das Sehsystem erfolgt.

Aktuelle neurowissenschaftliche Erkenntnisse belegen jedoch, dass Bewegungen durch eine Kombination verschiedener Sinneswahrnehmungen wie Hören, Sehen und Körperwahrnehmung, gesteuert werden. „Daher sollte sich die Effizienz von motorischen Therapie- und Lernprozessen über die erweiterte Einbindung von musikalischen Stimuli in die Bewegungswahrnehmung deutlich steigern lassen“, sagt Professor Ulf Ziemann, Vorstand am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) und Ärztlicher Direktor, der Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt neurovaskuläre Erkrankungen, Universitätsklinikum Tübingen. Durch einen Schlaganfall verloren gegangene Bewegungsmuster ließen sich mit musikalischer Unterstützung demnach schneller und zuverlässiger neu erlernen, so die Idee.

Mit Armbewegungen Musik komponieren
Erreicht werden soll dies mit Hilfe von Bewegungssensoren, die an Ober- und Unterarmen angebracht werden. Armbewegungen des Patienten werden von ihnen registriert. Die Daten werden in Echtzeit an einen Computer übertragen und von diesem in Töne umgesetzt. Dieses „Bewegungssonifikation“ genannte Verfahren ermöglicht es dem Patienten, eigene Klänge oder ganze Melodien durch seine Bewegungen zu „komponieren“. Je nachdem wie die Probanden den Arm bewegen, ändert sich die Tonhöhe und die Klangpositionierung. Dadurch lernt der Studienteilnehmer seinen Arm besser zu kontrollieren, mit den Bewegungen musikalische Spannung und Entspannung zu erzeugen und damit kreativ zu komponieren.

„Als der größte private Förderer der Hirnforschung in Deutschland ist es uns wichtig, Projekte zu fördern, die das Verständnis, die Behandlung und die Betreuung bei neurologischen Erkrankungen verbessert“, sagt Professor Michael Madeja, Geschäftsführer, Hochschule und Neurowissenschaften der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung in Frankfurt. Alleine in Deutschland erleiden jährlich rund 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Er ist die häufigste Ursache für eine anhaltende Behinderung. Sensorische und motorische Beeinträchtigungen zählen zu den häufigsten Folgen.

Wie verändert Musik das Gehirn?
Die Fähigkeit des Nervensystem zu lernen zeigt sich auf allen Organisationsebenen des Gehirns: in der Nervenzelle, innerhalb von Nervenzellverbänden, innerhalb einzelner Hirnareale und zwischen miteinander verbundenen Hirnregionen. Das Patienten nach einer Hirnschädigung bestimmte Bewegungen wieder erlernen können, liegt an dieser sogenannten Plastizität. Die Netzwerke im Gehirn, die Musik verarbeiten, überschneiden sich mit vielen anderen Netzwerken. „Schon nach wenigen Minuten des Musizierens kommt es zu ersten Verbindungen zwischen den Hirnzentren für das Hören und das Bewegen“, erklärt Professor Dr. Eckart Altenmüller, Musikmediziner und Neurologe an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Und das kann für die Schlaganfall-Rehabilitation genutzt werden, wie bereits in einigen Vorstudien an der Hochschule erforscht wurde Die wesentlichen Eigenschaften die hier wirken, sind die Fähigkeit mit Musik neue Nervenzellen-Netzwerke zu knüpfen. Zudem lässt sich die Motivation zum rehabilitativen Training steigern. Klänge motivieren oft stärker als normale Reha-Übungen. „Schließlich bekommen die Patienten durch den Klang sofort eine Rückmeldung, wie sich ihre Bewegungswahrnehmung verbessern lässt“, sagt Professor Udo Dahmen, Geschäftsführer und Leiter des Fachbereichs Populäre Musik an der Popakademie Baden-Württemberg.

Silke Jakobi | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.hih-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

29.03.2017 | Physik Astronomie