Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Smart Meter: KonsumentInnen wollen selbst entscheiden

31.05.2012
KonsumentInnen wünschen sich Wahlfreiheit und mehr Information, zeigt eine Studie des IFZ, des Instituts für Technikfolgenabschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der e-commerce monitoring gmbh zur Einführung von Smart Meters.

Bis Ende 2019 sollen laut Verordnung des Wirtschaftsministeriums 95 % der österreichischen Haushalte mit „intelligenten“ Stromverbrauchsgeräten ausgestattet sein, aber die KonsumentInnen sind davon nicht begeistert.

„Sie wollen selbst entscheiden können, ob intelligente Messgeräte in ihren Haushalten Einzug halten.“, berichtet Jürgen Suschek-Berger vom IFZ - Interuniversitäres Forschungszentrum Graz, Grazer Standort der Alpen-Adria-Universität.

Bislang wurde die Diskussion über Für und Wider von Smart Metering in erster Linie von ExpertInnen geführt, die Perspektive der KonsumentInnen blieb unberücksichtigt. Erstmals wurde nun im Rahmen des Forschungsprojektes „Smart New World?“, gefördert vom Energie- und Klimafonds im Rahmen des Programms „Neue Energien 2020“, sowohl VerbraucherInnen als auch ExpertInnen in Form von Interviews und Fokusgruppen zu möglichen Einführungsszenarien von Smart Meters befragt.

„Die KonsumentInnen plädieren ganz eindeutig für Wahlfreiheit“, fasst der Soziologe die Ergebnisse der qualitativen Studie zusammen. „Sowohl was Einführung und Wahl der Zähler, als auch Aspekte wie Datenübertragung und Tarife betrifft.“ Dies steht im Widerspruch zu den Erfordernissen der Netzbetreiber, die befürchten, dass die Gesamtkosten nicht reduziert werden, wenn Smart Meters nicht flächendeckend eingeführt werden. „Smart Metering kann durchaus zu einem Selbstläufer werden, wenn es einen klaren Nutzen für KundInnen gibt. Dafür wäre eine Verknüpfung mit Ansätzen der Heimautomation und attraktiven Tarifen nötig“, ist Suschek-Berger überzeugt. Der Wissenschaftler ortet allerdings einen hohen Informationsbedarf: „KonsumentInnen können derzeit keine fundierte Entscheidung treffen, weil zu viele Aspekte unklar sind. Welche Kosten kommen auf mich zu? Welches Einsparungspotential ist realistisch? Was passiert mit meinen Daten? – diese Fragen sind noch nicht zufriedenstellend beantwortet.“

Ungelöste Fragen zum Schutz der Privatsphäre verunsichern KonsumentInnen

„Die Studie zeigt, dass bei den KonsumentInnen Verunsicherung und Skepsis herrscht, was Fragen des Schutzes der Privatsphäre anbelangt“, meint Hans G. Zeger, Geschäftsführer der e-commerce monitoring gmbh, der sich gegen eine Zwangseinführung von Smart Meter in Österreich ausspricht. Bisherige Lösungsansätze zum Schutz der Privatsphäre und der Datensicherheit werden von VerbraucherInnen mit großer Skepsis gesehen: So wird z.B. angezweifelt, dass es möglich ist, den Personenbezug zuverlässig zu entfernen bzw. Missbrauch zu vermeiden. Auch wird befürchtet, dass die Kosten der erforderlichen hohen Sicherheitsstandards direkt auf die KonsumentInnen übergewälzt werden.

„Informationen an den Endverbraucher hat es bislang nicht ausreichend gegeben“, kritisiert Zeger, „hier ist eindeutig noch mehr Aufklärungsarbeit zu leisten.“

Alle Stakeholder an einen Tisch

Wie kann nun eine erfolgreiche und akzeptable Einführung von Smart Metering in Österreich erfolgen? „Verschiedene Stakeholder haben verschiedene Ansprüche, die gleichberechtigt sind. Das optimale Einführungsszenario bringt alle Ansprüche möglichst gut unter einen Hut“, fasst Walter Peissl, Institut für Technikfolgenabschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die Ergebnisse der Befragungen zusammen.

„Man sollte sich Zeit bei der Einführung lassen, um Know-how aufzubauen. Einheitliche Standards werden auf EU-Ebene gerade ausgearbeitet, es ist also sinnvoll sich an diesem Prozess aktiv zu beteiligen und die Ergebnisse dann umzusetzen“, so Peissl. Eine Vielzahl an technischen Fragen ist noch zu lösen. Dazu braucht es eine österreichweite Koordination und Standardisierung. Auch eine Reihe von Begleitmaßnahmen wie etwa transparente Tarifmodelle, eine klare Investitionskostenrechnung oder eine Ombudsstelle für KonsumentInnen sind erforderlich. „Am wichtigsten ist aber, dass alle Beteiligten miteinander reden. Wir brauchen einen Partizipationsprozess, bei dem alle Stakeholder, eben nicht nur Energieversorger und Hersteller, sondern auch SicherheitsexpertInnen, KonsumentenschützerInnen und politische Akteure, zusammen kommen und die offenen Fragen diskutieren“, so das Fazit des Wissenschaftlers.

Dr. Romy Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifz.aau.at/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kaltwasserkorallen: Versauerung schadet, Wärme hilft

27.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt bleibt im Aufwind

27.04.2017 | Wirtschaft Finanzen

Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen

27.04.2017 | Agrar- Forstwissenschaften