Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sicherheitsrisiko Mensch?

18.02.2013
Wie sicher sind unsere Daten im Internet? Eine Studie von TU Wien und Universität Wien nimmt das Verhalten österreichischer Unternehmen und Privatpersonen unter die Lupe.

Was nützen die besten Sicherheitsvorkehrungen, wenn wir sie achtloserweise nicht nutzen? Oft ergeben sich Datensicherheits-Risiken nicht durch technische Fehler sondern durch den Faktor Mensch. In einer gemeinsamen Studie, finanziert durch das österreichische Sicherheitsforschungsprogramm KIRAS, untersuchten die TU Wien und die Universität Wien daher nun das Verhalten von Firmen, Behörden und Privatpersonen beim Thema Internetsicherheit. Noch immer ist das Problembewusstsein nicht in allen Bevölkerungsgruppen ausreichend hoch, die Studie liefert zahlreiche Handlungsempfehlungen für mehr Datensicherheit.

809 BürgerInnen, 255 Unternehmen und 252 Behörden wurden telefonisch zu IT-Sicherheitsthemen befragt. Ausgewählte Aspekte dieser IT-Sicherheitsthemen wurden dann zusätzlich in qualitativen Interviews mit BürgerInnen, Unternehmen und Behörden und zwei Online-Erhebungen (415 Unternehmen, 3549 Studierende) vertiefend erforscht.

Problembewusste Unternehmen, Leichtsinn bei Jüngeren und Älteren

„Die gute Nachricht: Die größeren Behörden und Unternehmen in Österreich zeigen ein hohes Sicherheitsbewusstsein im IT-Bereich“, sagt Stefan Fenz vom Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme der TU Wien. Über 95% der Befragten bezeichnen das Thema als wichtig oder sehr wichtig. Je größer eine Behörde oder ein Unternehmen, umso besser ist die Qualität der Sicherheitsmaßnahmen und die Verbreitung von Krisennotfallplänen.

Auch bei Privatpersonen ist durchaus ein hohes IT-Sicherheitsbewusstsein festzustellen, allerdings bestehen starke Unterschiede zwischen den Altersklassen: Weder für die jüngeren (unter 25 Jahre) noch für die älteren Befragten (über 61 Jahre) ist IT-Sicherheit ein zentrales Thema. „Bei Personen über 46 Jahren ist das Sicherheitswissen generell nur schwach ausgeprägt“, beklagt Sylvia Kritzinger vom Fakultätszentrum für Methoden der Sozialwissenschaften der Universität Wien – und selbst wer sich des Problems bewusst ist, handelt nicht notwendigerweise vernünftig: Auch unter den gut informierten treffen 19% nur unzureichende Sicherheitsmaßnahmen.

Fahrlässigkeit kann ganze Staaten gefährden

Wer mit Sicherheitsfragen im Internet fahrlässig umgeht, gefährdet nicht nur sich selbst. Sogar die IT-Infrastruktur von Staaten kann gezielt attackiert werden – oft durch sogenannte Distributed Denial-of-Service (DDoS)-Attacken. Ein großes Netzwerk von Computern greift ganz gezielt auf eine Webseite zu, die dadurch überlastet wird und nicht mehr erreichbar ist. Jeder private Computer, der nicht ausreichend geschützt ist, kann Teil eines solchen Bot-Netzes werden, oft ohne dass es der Benutzer überhaupt bemerkt, dazu genügt etwa das unbedachte Öffnen eines infizierten Email-Anhanges. „Ohne reibungslos funktionierende IT-Infrastruktur sind viele staatliche, wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Prozesse heute nicht mehr vorstellbar. Die Gefahr, die von solchen Attacken ausgeht, ist sehr ernst zu nehmen“, betont Thomas Neubauer von der TU Wien.

Mehr Bewusstseinsbildung, klare gesetzliche Vorgaben, Strategieempfehlungen

Sicherheitsbewusstsein und IT-Sicherheitskenntnisse müssen in Österreich noch ausgebaut werden, sagt die Studie – besonders bei kleinen Unternehmen und Behörden und bei jüngeren und älteren Bevölkerungsgruppen. Gesetzlich festgeschriebene Mindestsicherheitsstandards und Anreizsysteme könnten in Zukunft dabei helfen. Einen besonders starken Handlungsbedarf sieht die Studie auch bei der Smartphone-Sicherheit: Sie muss durch gezielte und zielgruppengerechte Bewusstseinsbildung durch Mobilfunkunternehmen, traditionellen Medien und Interessensvertretungen verbessert werden.

Für kleine und mittlere Behörden und Unternehmen ist es oft sehr aufwändig und teuer, eigene Sicherheitsstrategien und Notfallpläne zu entwickeln. Daher sollten auf die Branche und auf die Größe der Institution abgestimmte Vorlagen für Sicherheitskonzepte bereitgestellt werden.

Die Studie wurde im Rahmen des österreichischen Sicherheitsforschungsförderprogramms ("KIRAS") erstellt, finanziert vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. Die Forschungsarbeit wurde vom Institut für Softwaretechnik und interaktive Systeme der Technischen Universität Wien und dem Fakultätszentrum für Methoden der Sozialwissenschaften der Universität Wien durchgeführt.

Rückfragehinweis:
Dr. Stefan Fenz
Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme
Technische Universität Wien
Favoritenstr. 9-11/E188, 1040 Wien
+43 650 8178817
stefan.fenz@tuwien.ac.at

Dr. Florian Aigner | Technische Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.tuwien.ac.at
http://www.kiras.at/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise