Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Shopping Malls: Wettrüsten der Kommunen ruiniert Innenstädte

03.02.2009
Fehlende Miteinbeziehung lokaler Anbieter bewirkt Eintönigkeit

Obwohl Shopping Malls trotz der Finanzkrise boomen und allein in Deutschland alle drei bis vier Wochen ein neues Einkaufszentrum hinzu kommt, warnen Branchenkenner bereits vor einem gefährlichen Wettrüsten der Kommunen.

"Shopping Malls haben Vor- und Nachteile. Positiv ist, dass Kunden nicht mehr lange zum Einkaufen in die Innenstädte fahren müssen. Herausforderungen sehe ich jedoch in dem Angebot der Marken. Oft tauchen immer dieselben Shops auf, sodass die Kundschaft schnell von der daraus folgenden Eintönigkeit gelangweilt ist", erklärt Patrick Müller-Sarmiento, Einzelhandelsfachmann bei der Unternehmensberatung Roland Berger, auf Nachfrage von pressetext. Laut dem Insider träfe damit zunehmend der sarkastische Spruch zu, dass "wer eine Mall kennt, sie alle kennt".

Trotz der Kritik von Architekten und Ökonomen ist der Bauboom von Einkaufszentren in der Bundesrepublik ungebrochen. Die Zahlen verdeutlichen das Wachstum. So sollte die Zahl der Shopping Malls im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf insgesamt 414 steigen. Aktuell in der Planung befindliche weitere 51 Center sollen in den kommenden Jahren errichtet werden. Die Projekte entstehen dabei längst nicht mehr nur in großen städtischen Ballungszentren, sondern auch beispielsweise im fränkischen Fürth. Obwohl die Stadtväter publikumswirksam mit ihrer Kommune als Denkmalstadt werben, könnten einige dieser Baudenkmäler schon bald einem 150 Mio. Euro teurem Projekt weichen. Einem Bericht des Focus nach will der portugiesische Großinvestor Sonae Sierra in Fürth bis Ende 2011 eine Shopping Mall mit bis zu 90 Läden und einer Verkaufsfläche von rund 25.000 Quadratmetern errichten.

"Die Eintönigkeit in den Einkaufszentren hat aber oft auch ihren Grund. Schließlich versäumt man es häufig, lokale Anbieter mit einzubeziehen. Diese können sich die hohen Mieten aber nur in den seltensten Fällen auch tatsächlich leisten", sagt Müller-Sarmiento im Gespräch mit pressetext. Trotzdem sind gigantische Shopping Malls häufig politisch gewollt. Im Fall Fürth hat sich Oberbürgermeister Thomas Jung eingesetzt, dass die Fürther zum Einkaufen künftig nicht mehr in das knapp zehn Kilometer entfernte Nürnberg fahren müssen. Architekt Holger Pump-Uhlmann dagegen sieht darin ein "interkommunales Wettrüsten mit Einkaufszentren". Dem Fachmann zufolge würden sich viele Kommunen die Interessen der Investoren häufig naiv zu eigen machen, so der Branchenbeobachter in einer aktuellen Studie, in der er die Wirkung von Shopping Malls auf Städte wissenschaftlich untersucht und ausgewertet hat.

Zu Gute hält Pump-Uhlmann den Planern von Einkaufszentren, dass diese die meisten Malls nicht mehr ausschließlich wie früher auf der grünen Wiese errichten, sondern inzwischen auch in den Innenstädten ansiedeln. Laut dem Architekten sei aber das "Wechselspiel von innen und außen" wichtig. Die "Fünf Höfe" in München oder die "Hackeschen Höfe" in Berlin seien vorbildlich, so Pump-Uhlmann. Auch Ökonomen betrachten die Entwicklung bei Malls skeptisch. Mit dem Bau einer Mall werde Fußgängerzonen häufig die Attraktivität von Ladenlokalen genommen, so das Argument. Anschaulich sei dies besonders anhand der Mietpreise für sehr gute Lagen mit einer hohen Frequenz an kaufwilligen Kunden. Um Negativeffekte zu vermeiden, sollten in den Malls nur halb so viele Geschäfte untergebracht werden, wie es Läden in den Fußgängerzonen der jeweiligen Städte gibt, so die Empfehlung.

Florian Fügemann | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.rolandberger.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie