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Vom selbstverliebten Blick auf die Partnerschaft: Bochumer Narzissmus-Forscher befragen junge und ältere Paare

17.12.2009
Wie ich Dir, so (sollst) Du mir

Wenn der Partner seinen Beitrag zur Beziehung ständig überschätzt oder die Partnerin meint, für ihren Einsatz bekäme sie zu wenig zurück - sollte das Warnsignal sein. Eine verzerrte Selbstwahrnehmung deutet möglicherweise auf Narzissmus hin.

Die Folgen wären nicht zu unterschätzen, haben solche Beziehungen doch nicht selten eine ausbeuterische Tendenz. Im Gegensatz zum Berufsleben weiß man über Narzissmus in der Partnerschaft nur wenig. Drei aktuelle Studien der Bochumer Sozialpsychologen um Prof. Dr. Werner Bierhoff geben jetzt interessante Einblicke in ein kompliziertes Beziehungsgeflecht.

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Drei Studien zum ungesunden Selbstbewusstsein

In den aktuellen Studien der Bochumer Psychologen geht es um klinisch unauffälligen "normalen" Narzissmus. Diese sog. narzisstische Persönlichkeitsstörung breitet sich weltweit aus wie ein Virus, registriert insbesondere die persönlichkeits- und sozialpsychologische Forschung. In die erste Studie bezogen die Bochumer Psychologen rund 250 Studierende im Alter von rund 25 Jahren ein. Alle lebten seit ca. 42 Monaten in einer festen Beziehung teils im eigenen Haushalt. In einer weiteren Studie wurde das gesunde Selbstbewusstsein extra erfasst, um es als möglichen Einflussfaktor ausklammern zu können. Schließlich nahmen an der dritten Studie rund 50 Elternpaare von Studierenden teil, die im Schnitt 51 Jahre alt und 26 Jahre verheiratet waren. Mit dem sog. Narzisstischen Persönlichkeitsinventar (NPI) erfassten Prof. Bierhoff und sein Team zunächst die individuelle Ausprägung des Narzissmus. Schließlich beurteilten die Paare jeweils die eigene Attraktivität und die des Partners: Dabei ging es um die Wahrnehmung der äußeren Erscheinung, um Statusfragen, wie Bildung und Einkommen, oder um die Anziehungskraft der Partner.

Immer mehr Druck auf den Partner

Deutlich erhöhte Werte für Narzissmus traten bei etwa einem Fünftel der befragten Studierenden auf. Damit wird zugleich eine US-amerikanische Studie bestätigt, in der schon 1986 jeder siebente Studierende erhöhte Werte erreichte, die bis zum Abschluss dieser Untersuchung 2006 kontinuierlich anstiegen. Die Bochumer Studien zeigen nun die Konsequenzen für die Partnerschaft: Je narzisstischer die befragte Person, umso mehr überschätzt sie die eigene Attraktivität und damit zugleich die eigenen Beiträge zur Partnerschaft. Die verzerrte Selbstwahrnehmung äußert sich darin, dass Narzissten die Leistung des Partners geringer einschätzen als die eigene und kaum würdigen. Die narzisstische Person übt in der Beziehung ständig Druck auf ihren Partner aus. Bei den Elternpaaren fielen die Antworten zwar weniger narzisstisch aus, doch auch bei ihnen war der Narzissmus mit einer höheren Bewertung der eigenen Beiträge verbunden. Zudem zeigte sich hier ein interessantes Phänomen: Die eigene Überschätzung eines Elternteils ging mit einer geringeren Selbsteinschätzung beim anderen Elternteil einher. Diese komplementären Urteile führten letztlich zu einer übereinstimmenden Bewertung beider Partner.

Frauen holen auf

Männer gelten zwar als das narzisstische Geschlecht, doch die aktuellen Bochumer Studien zeigen keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Den Narzissmus-Boom der letzten Jahre führen die Experten ohnehin auch darauf zurück, dass sich Frauen in ihrem Narzissmus kontinuierlich an den der Männer angleichen. Die Bochumer Psychologen werden die Partnerschaften auch weiterhin im Auge behalten. Sie interessiert nun zum Beispiel, ob die verzerrte Selbstwahrnehmung nur auf bestimmte Aspekte der Partnerschaft gerichtet ist, oder ob sie alle Bereiche der Beziehung betrifft.

Themen in RUBIN Familienforschung

Regionalforschung: Nirgends ist es so wie im Durchschnitt; Die widrige Wirkung des Wohnviertels; Sozialpolitik: Ohne Kinder gibt es keine Renten; Entwicklungspsychologie: Klischees zerbröseln unbemerkt; Schulpädagogik: Mathe bei Mehmet; Schülerlabor: Kleine Hobbyforscher; Sozialpsychologie: Zerrbilder einer Ehe; Familienrecht: Wer pflegt, soll Gläubiger sein; Technikmanagement: Mikrosystemtechnik im Kugelschreiber; Hirnforschung: Rhythmisches Gehirnjogging; Sportmedizin: Wer rastet, der rostet; Altersforschung: Morgens drei, mittags zwei, abends drei Tabletten; Neurologie: Wider den Kalk in den Adern; Umweltmedizin: Nicht alle atmen die gleiche Luft.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans-Werner Bierhoff, Arbeitseinheit Sozialpsychologie, Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität, Tel.: 0234/32-23170, Hans-Werner.Bierhoff@rub.de

Redaktion: Dr. Barbara Kruse

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
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