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Schwerkranke Patienten mit undichter Herzklappe profitieren von Katheter-Behandlung

25.09.2013
Studienergebnisse des Universitätsklinikums Heidelberg zeigen: Neues Verfahren eignet sich für Hochrisikopatienten und verbessert Herzfunktion

Für Patienten mit undichter Herzklappe (Mitralklappeninsuffizienz), die nicht am Herzen operiert werden können, gibt es am Universitätsklinikum Heidelberg eine schonende Behandlungsalternative – mittels Katheter am schlagendem Herzen.

Das neue Verfahren zur Reparatur der Herzklappe verbessert mittelfristig die Herzfunktion und steigert die körperliche Belastbarkeit der Patienten. Das ergab eine Studie des Universitätsklinikums, die nun im „European Journal of Heart Failure“ veröffentlicht worden ist. Darin werteten die Heidelberger Kardiologen die Behandlungsergebnisse der ersten 41 hochgradig herzkranken Patienten bis zu einem Jahr nach dem Eingriff aus. Sie zeigten außerdem: Der Eingriff ist ausgesprochen risikoarm und eignet sich daher sehr gut für geschwächte oder voroperierte Hochrisikopatienten.

Schließt die Einlassklappe der linken Hauptkammer des Herzens (Mitralklappe) nicht richtig, staut sich das Blut in die Lunge zurück. Die Patienten sind kaum noch belastbar und leiden selbst bei geringsten Anstrengungen unter Luftnot. Eine undichte Mitralklappe entsteht in Folge verschiedener Herzerkrankungen, z.B. nach Herzinfarkt, Herzmuskelentzündung oder Verschleiß der Klappe selber. „Leidet der Patient zusätzlich noch unter einer schweren Herzschwäche, sind die Aussichten schlecht: Ohne Reparatur oder Ersatz der Klappe stirbt ca. die Hälfte der Patienten in weniger als fünf Jahren“, erklärt Dr. Sven Pleger, Oberarzt der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie (Ärztl. Direktor: Prof. Dr. Hugo A. Katus) an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg.

Risikoarmes Verfahren für Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz

Für viele dieser Hochrisikopatienten mit schwerer Herzinsuffizienz und hochgradig undichter Mitralklappe ist ein chirurgischer Eingriff am Herzen, bei dem das Herz kurzfristig stillgelegt und der Patient an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wird, mit einem sehr hohen Risiko verbunden. Anders bei dem neuen Katheter-Verfahren, das ein Team des interdisziplinären Heidelberger Herzzentrums 2009 bereits ein Jahr, nachdem es in den USA entwickelt wurde, erstmals in Baden-Württemberg etablierte. Der Patient erhält eine Vollnarkose, das Herz schlägt allerdings weiter, die Herz-Lungen-Maschine wird nicht benötigt.

Während des Eingriffs schiebt der Kardiologe den Katheter über einen Zugang in der rechten Leistenvene zunächst in den rechten Vorhof des Herzens, dort durchsticht er die Vorhofscheidewand. Der Katheter liegt nun im linken Vorhof direkt über der Mitralklappe. An der Stelle, wo die Herzklappe nicht richtig schließt, wird eine kleine Klammer (MitraClip™, Fa. Abbott) platziert, die die Klappenränder zusammenhält und damit die Schlussfähigkeit der Klappe verbessert.

Bereits mehr als 200 Patienten am Heidelberger Herzzentrum behandelt

Die nun veröffentlichte Studie – die erste ausschließlich mit Hochrisikopatienten – zeigt die Ein-Jahres-Bilanz der ersten 41 Patienten, die zwischen September 2009 und November 2011 am Universitätsklinikum Heidelberg auf diese Weise behandelt wurden. Nach einem Jahr hatte sich der Gesundheitszustand der Herzpatienten deutlich verbessert. Sie waren wieder mehr belastbar und litten weniger an Luftnot. Auch die Herzfunktion steigerte sich. Ihr Gesundheitszustand ist vergleichbar mit Patienten, deren Mitralklappe im Rahmen eines chirurgischen Eingriffes repariert wurde. „Es fehlen noch Langzeitergebnisse, aber unsere ersten Nachuntersuchungen nach zwei und drei Jahren sprechen dafür, dass die Wirkung in dieser Zeit anhält“, sagt der Kardiologe. Das Verfahren erwies sich zudem als sehr sicher: Das Sterberisiko der schwerkranken Patienten durch den Eingriff lag nach 30 Tagen bei 2,9 Prozent im Vergleich zu rund 12 Prozent nach einer Operation am Herzen.

In den letzten vier Jahren haben die Heidelberger Kardiologen bei mehr als 200 Hochrisikopatienten dieses Verfahren durchgeführt, aktuell sind es rund 80 Patienten pro Jahr. „Wir haben uns auf Patienten spezialisiert, die nicht mehr operiert werden können, und damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, so Pleger. „In der Behandlung dieser sensiblen Patientengruppe gehören wir weltweit zu den zehn größten Zentren mit der längsten Erfahrung.“

Literatur:
Pleger ST, Schulz-Schönhagen M, Geis N, Mereles D, Chorianopoulos E, Antaredja M, Lewening M, Katus HA, Bekeredjian R.: One year clinical efficacy and reverse cardiac remodelling in patients with severe mitral regurgitation and reduced ejection fraction after MitraClip(C) implantation. Eur J Heart Fail. 2013 Aug;15(8):919-27. doi: 10.1093/eurjhf/hft046. Epub 2013 Mar 19.
Informationen zur Kardiologie des Universitätsklinikums Heidelberg:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Kardiologie-Angiologie-und-Pneumologie.106664.0.html
Kontakt:
Prof. Dr. Raffi Bekeredjian oder
Dr. Sven Pleger
Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 8676
E-Mail: Sven.Pleger@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
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Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

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