Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schweizer Arbeitnehmer gestalten ihren Job in eigener Regie

05.11.2014

Vier von fünf Beschäftigten in der Schweiz gestalten ihre Arbeit aktiv mit. Mit der Gestaltung der eigenen Arbeit, dem sogenannten Job Crafting, versuchen Angestellte ihre Arbeitssituation positiv zu beeinflussen. Das zeigt der Schweizer HR-Barometer 2014 der Universität Zürich und der ETH Zürich. Die Studie empfiehlt Arbeitgebern, Job Crafting beispielsweise mittels mehr Mitsprache und Einflussnahme zu fördern.

Um ihre Arbeit möglichst positiv zu erleben, versuchen die meisten Schweizer Angestellten ihre Aufgaben im Job den eigenen Bedürfnissen und Zielen anzupassen. Achtzig Prozent von rund 1400 Befragten verschaffen sich mehr Ressourcen, indem sie durch persönliche Beziehungen Unterstützung einholen.

Etwa zwei Drittel der Befragten suchen sich neue Herausforderungen und gut dreissig Prozent reduzieren emotionale, körperliche oder mentale Belastungen, beispielsweise indem sie ihr Arbeitstempo reduzieren. Der Begriff Job Crafting fasst diese Handlungsweisen zusammen, die Prof. Gudela Grote von der ETH Zürich und Prof. Bruno Staffelbach von der Universität Zürich in der achten Ausgabe des Schweizer HR-Barometers erforschen.

Ob Angestellte ihre Arbeit als zufriedenstellend, stressig oder langweilig wahrnehmen, ist das Ergebnis des Zusammenspiels von Job Crafting und betrieblicher Arbeitsgestaltung. Der diesjährige HR-Barometer zeigt, dass drei Viertel der befragten Personen mit ihrer Arbeit zufrieden sind. Jeder Zehnte langweilt sich gelegentlich bei der Arbeit.

Allerdings leiden drei von fünf Beschäftigten öfters unter Stress und gut zwei von drei Befragten berichten von Schlafproblemen, die sie mit ihrer beruflichen Situation in Zusammenhang bringen. Der hohen Arbeitszufriedenheit steht das hohe Stresserleben der befragten Angestellten gegenüber. «Letzteres ist vor allem deshalb alarmierend, weil ein positives Arbeitserleben die Basis für Motivation, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten bildet», erklärt Bruno Staffelbach, Professor für Human Resource Management an der Universität Zürich.

Job Crafting ersetzt mangelhafte Arbeitsgestaltung nicht

Wie sich aus den Resultaten des HR-Barometers folgern lässt, ersetzt Job Crafting allerdings die betriebliche Arbeitsgestaltung nicht. Vielmehr greifen betriebliche Massnahmen und Job Crafting verstärkend ineinander und tragen gemeinsam zu einem positiven beziehungsweise negativen Arbeitserleben bei.

Um von einer positiven Wechselwirkung zu profitieren, empfiehlt die Studie den Arbeitgebern, Job Crafting mittels Partizipations- und Einflussmöglichkeiten zu fördern. «Mitsprachemöglichkeiten erlauben es den Beschäftigten, Missstände und Chancen in der Arbeitsgestaltung früh anzusprechen und gemeinsam mit dem Arbeitgeber anzupacken», verdeutlicht Gudela Grote, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie der ETH Zürich.

Auch mit den klassischen betrieblichen Instrumenten der Arbeitsgestaltung können Unternehmen das Arbeitserleben positiv verändern und Job Crafting begünstigen. Insbesondere Rückmeldungen zur Arbeit an sich und eine hohe Aufgabenvielfalt tragen positiv zum Arbeitserleben bei. In diesen beiden Punkten schneiden die Unternehmen in der Schweiz jeweils gut ab: Über achtzig Prozent der Befragten nehmen ihre Arbeit als vielfältig wahr und zwei Drittel berichten von ausreichenden Rückmeldungen zur ihrer Arbeit. Demgegenüber besteht noch Ausbaupotenzial bei der Autonomie, sowie bei der wahrgenommenen Bedeutsamkeit der Aufgabe.

Was Führungspersonen leisten

Führungspersonen bestimmen das Arbeitserleben der Beschäftigten massgeblich mit. Beschäftigte, die sich durch ihre Vorgesetzten sozial und fachlich unterstützt fühlen, erleben weniger Stress und sind zufriedener bei der Arbeit. Insgesamt stellen die befragten Angestellten ihren Führungskräften ein gutes Zeugnis aus: Drei Viertel der Beschäftigten bezeichnen das Verhältnis zu ihrem Vorgesetzten als gut. Der Appell an die Arbeitgeber lautet, Führungspersonen in ihren Aufgaben und Kompetenzen weiter zu stärken. Befragte mit einer Führungsfunktion berichten nämlich häufiger selber von Stress betroffen zu sein als Befragte ohne Führungsfunktion.

Günstig auf das Arbeitserleben wirkt auch ein erfüllter psychologischer Vertrag, der eine ausgeglichene Austauschbeziehung zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern beschreibt. Dies setzt voraus, dass Arbeitgeber und Beschäftigte ihre wechselseitigen Erwartungen transparent kommunizieren und klar bestimmen. Dazu bilden Feedbackgespräche einen günstigen Rahmen. Allerdings scheinen viele Unternehmen diese Chance zu verpassen, denn regelmässige Feedbackgespräche finden offenbar nur mit der Hälfte der befragten Beschäftigten statt.

Angestellte verlassen sich weniger auf ihren Arbeitgeber

Die Trends über die letzten Jahre zeigen, dass der Anteil der Befragten mit eigenverantwortlicher Karriereorientierung gewachsen ist. Der eigenverantwortliche Karrieretyp plant und gestaltet seine Karriere eigenständig und über die Organisationsgrenzen hinweg und wechselt deshalb auch häufiger das Unternehmen. Ein Viertel der befragten Personen lässt sich diesem Karrieretyp zuordnen. Die grosse Mehrheit der Angestellten hat allerdings nach wie vor eine traditionelle Vorstellung von Karriere: Sie erwarten von ihrem Arbeitgeber Kontinuität und Karriereperspektiven –im Gegenzug zeigen sie ein stärkeres Bindungsgefühl gegenüber ihrem Unternehmen.

«Die Zunahme des eigenverantwortlichen Karrieretyps ist womöglich auch eine Antwort darauf, dass Unternehmen zunehmend weniger Stabilität vermitteln, was Zweifel an der Beständigkeit von unternehmensinternen Laufbahnpfaden aufkommen lässt» sagt Bruno Staffelbach. Tatsächlich hat sich seit 2009 die Arbeitsplatzunsicherheit in der Schweiz erhöht: Rund ein Drittel der Befragten fürchtet sich heute davor, den Arbeitsplatz zu verlieren. Zusätzlich macht sich die Hälfte der befragten Personen Sorgen bezüglich Restrukturierungen bzw. dass sich ihre Arbeit negativ verändern könnte.

Der Schweizer HR-Barometer

Der Schweizer HR-Barometer erfasst, wie Angestellte in der Schweiz ihre Arbeitssituation erleben. Erhoben werden zum Beispiel die folgenden Themen: Gegenseitige Erwartungen und Angebote von Arbeitnehmer und Arbeitgeber als Bestandteil der Arbeitsbeziehung (psychologischer Vertrag), Praktiken des Human Resource Management wie Arbeitsgestaltung und Personalentwicklung, Führung, Arbeitszufriedenheit, Arbeitsmarktfähigkeit und Karriereorientierung. Die Studie wird von Prof. Gudela Grote, Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie der ETH Zürich und von Prof. Bruno Staffelbach, Inhaber des Lehrstuhls für Human Resource Management an der Universität Zürich, regelmässig herausgegeben.

Die Grundlage des HR-Barometers 2014 bildet eine Befragung von 1401 Angestellten basierend auf dem Stichprobenregister des Bundesamtes für Statistik. Die Befragung fand zwischen März und Juni 2014 in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz statt. Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem Schwerpunktthema Arbeitserleben und Job Crafting.

Der HR-Barometer 2014 entstand mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds.

Angaben zum Jahrbuch
Der Bericht steht elektronisch zum Download zur Verfügung unter
www.hr-barometer.uzh.ch oder www.hr-barometer.ethz.ch

Gudela Grote und Bruno Staffelbach (Hrsg.): Schweizer HR-Barometer 2014: Arbeitserleben und Job Crafting. Zürich 2012. Universität Zürich und ETH Zürich. ISBN 978-3-033-04783-9.

Kontakt:
Prof. Dr. Bruno Staffelbach
Universität Zürich
Lehrstuhl für Human Resource Management
Tel: +41 44 634 29 86
E-Mail: bruno.staffelbach@business.uzh.ch
Erreichbarkeit: 05.11.2014, 14:00 – 17.00 Uhr

Prof. Dr. Gudela Grote
ETH Zürich
Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie
Tel: +41 44 632 70 86
E-Mail: ggrote@ethz.ch
Erreichbarkeit: 05.11.2014, 8.30 – 14.00 Uhr


Weitere Informationen:

http://www.mediadesk.uzh.ch

Nathalie Huber | Universität Zürich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Im Focus: LZH showcases laser material processing of tomorrow at the LASYS 2018

At the LASYS 2018, from June 5th to 7th, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) will be showcasing processes for the laser material processing of tomorrow in hall 4 at stand 4E75. With blown bomb shells the LZH will present first results of a research project on civil security.

At this year's LASYS, the LZH will exhibit light-based processes such as cutting, welding, ablation and structuring as well as additive manufacturing for...

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskopie der Zukunft

22.05.2018 | Medizintechnik

Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics