Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schul-Mobbing: Opfer oft als Schuldige bezichtigt

12.11.2010
Expertin: "Schule muss gewaltfreies Lernen garantieren"

Viele Jugendliche schieben ihren Klassenkollegen selbst die Schuld daran zu, wenn diese von anderen gezielt ausgegrenzt, belästigt oder in verschiedenster Form schikaniert werden. Die Situation an der Schule hinterfragen hingegen die wenigsten. Das berichten Forscher der schwedischen Linköping-Universität im Springer-Journal "Child and Youth Care Forum". Experten aus der Praxis bestätigen hingegen, dass die Haltung einer Schule zu Gewaltfreiheit ein zentraler Faktor für das Entstehen von Mobbing in der Klasse ist.

Die Forscher befragten 176 Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren nach der Ursache für Mobbing an Schulen. Bei der Frage, wer Mobbing auslöst, tippen 69 Prozent auf den Täter selbst - konkret auf seine Charakterschwächen wie etwa Unsicherheit, jedoch auch auf dessen Macht-, Status- und Beliebtheitsstreben. Fast die Hälfte der Befragten - vor allem Burschen - nehmen aber auch 42 Prozent die Opfer in die Pflicht und sehen deren "Andersartigkeit" oder "Komischsein" als Auslöser.

Gemobbte brauchen zweites Standbein

"Gemobbte Schüler fühlen sich oft selbst schuldig", berichtet Kristine Kretschmer, Projektleiterin des Anti-Mobbing-Chats des Internetportals "Seitenstark" http://www.seitenstark.de , gegenüber pressetext. "Dazu reicht schon Übergewicht, ein nicht akzeptierter Musikstil oder auch nur eine Brille. Man kann wegen allem gemobbt werden." Das Problem entsteht meist dann, wenn jemand in seinem Anderssein verletzbar ist, was besonders in schwierigen Lebenssituationen der Fall ist. "Ereignisse wie Todesfälle, Erkrankungen oder Streit in der Familie machen sensibel und lassen stärker reagieren."

Der wichtigste Rat für die Opfer sei der, Hänseleien so gut wie möglich zu ignorieren, damit die Täter den Spaß am Mobbing verlieren. Weiters ist es wichtig, eigene Stärkern zu finden, an denen man sein Selbstbewusstsein aufbauen kann. "Es geht um die Frage 'Was kann ich?' Wenn die Klasse Probleme bereitet, so ist es gut auch andere Standbeine zu haben, etwa Gemeinde, Vereine, Tanzen oder Singen. Vielen hilft auch Kampfsport - bloß um zu wissen, dass man sich im Ernstfall verteidigen könnte", rät Kretschmer den direkt von Mobbing Betroffenen.

Anlaufstelle ist der Lehrer

Laut der schwedischen Studie sehen Schüler auffallend selten das Umfeld als Problem für Mobbing - nur 21 Prozent bei der Clique und sieben Prozent in der Schule. "Schülern fehlt hier noch der Blick auf Zusammenhänge, denn das Umfeld spielt eine zentrale Rolle", betont Kretschmer. Klassenzimmer seien öffentliche Räume, folglich gehören zu Mobbing nicht nur Täter und Opfer, sondern auch Zuseher, Lehrer und der Schulleiter. "Mobbing geschieht dort, wo es nicht verhindert wird und niemand dazwischen geht. Die Schule muss jedem Schüler das Lernen ermöglichen, was nur bei Gewaltfreiheit der Fall ist", so das Urteil der Expertin.

Wichtig sei deshalb, das Fälle von Mobbing so bald wie möglich öffentlich werden. "Schüler sollten es dem Lehrer berichten, der darauf reagieren muss. Die Erfahrung zeigt, dass die Situation über diesen Weg am besten gelöst wird." Auch die Eltern spielen hier eine Rolle. "Erfahren sie davon, so sollte die Reaktion nicht 'So schlimme Kinder' lauten, sondern 'Warum dürfen die das?' Folglich sollten sich Eltern immer an die Schule wenden und nicht an die Eltern der Täter, da diese ihre Kinder immer in Schutz nehmen werden", empfiehlt die Expertin.

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.liu.se/en

Weitere Berichte zu: Gewaltfreiheit Mobbing Schul-Mobbing Schuldige Standbein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit