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Schöne neue Landschaft? – Projekt untersucht die Wahrnehmung von Landschaften

07.01.2014
Ob eine Landschaft als schön empfunden wird, ist meist subjektiven Kriterien unterworfen. Doch in der professionellen Gestaltung von Landschaften und Landschaftsbildern spielt Objektivierbarkeit eine große Rolle.

Diese wollen Forschende der Hochschule OWL mit einem Projekt langfristig ermöglichen. „Veränderungen des Landschaftsbilds durch den Ausbau der erneuerbaren Energien“ beschäftigt sich mit der Frage, wie erneuerbare Energien – Windräder oder Solaranlagen – wahrgenommen werden. Gleichzeitig soll das intern geförderte Projekt diese Wahrnehmung mit dem sogenannten „Eye-Tracking“ messbar und damit auch für andere Zusammenhänge der Landschaftswahrnehmung objektivierbar machen.


Florian Hoedt (vorne) gibt die Versuchsperson, Professor Stefan Wolf und Christian Hefke (v.l.) überwachen die Untersuchung: Das Eye-Tracking ermöglicht es, den Blick des Probanden zu messen.

Foto: Heidecke, Copyright: Hochschule OWL

Mit rund 8.000 Euro Forschungsförderung untersuchen die Fachbereiche Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik, Landschaftsarchitektur und Umweltplanung und Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur mit der Eye-Tracking-Methode die Wahrnehmung von Landschaftsbildern, insbesondere solche, in denen erneuerbare Energien ausgebaut sind.

Eye-Tracking wird normalerweise verwendet, um zu messen, wie sich ein Gast auf einer Website oder an einem Ort zurechtfindet. Ebenso findet es seit langer Zeit Anwendung in der Marktforschung und Werbung. Dieses komplexe System kann mobil oder fest installiert am Computer angewendet werden und verfolgt mit einer Infrarotkamera die Bewegung der Pupille. An der Hochschule OWL kommt das Eye-Tracking nun auch in einem anderen Zusammenhang zur Anwendung: Wie betrachtet ein Mensch eine Landschaft? Wo schaut er zuerst hin und wie lange? Wovon wird sein Blick gelenkt? Und im Falle des interdisziplinären Projekts „Veränderungen des Landschaftsbilds durch den Ausbau der erneuerbaren Energien“: Wie verändert sich der Blick, wenn Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien in der Landschaft zu finden sind?

„Das Besondere an dieser Verwendung des Eye-Tracking ist es, dass der Proband oder die Probandin nicht etwa etwas suchen soll, sondern lediglich den Blick schweifen lassen muss“, erklärt Professor Stefan Wolf vom Fachbereich Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik, der das Projekt leitet. An einem Computer werden der Person verschiedene Landschaftsbilder präsentiert – manche haben klare Strukturen, andere sind eher flach und ausgeräumt, in wiederum anderen sind Windenergieanlagen zu sehen. „Manche Bilder haben wir mittels Bildbearbeitung manipuliert, um zu sehen, wie sich der Blick ändert, wenn sich die Landschaft wandelt“, so Christian Hefke vom Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung. „Bei manchen Bildern werden anschließend Fragen gestellt – etwa, ob die Landschaft als schön oder hässlich empfunden wurde.“ Natürlich werden auch vorab Fragen über die Person erhoben, z.B. um herauszufinden, wie sehr diese schon an den Anblick von Windenergieanlagen, Pumpspeicherkraftwerken oder Solaranlagen gewöhnt ist oder welche Einstellung sie dazu hat. Auch Beruf, Alter und das soziale Milieu werden abgefragt.

„Solche persönlichen Merkmale können den Blick oder das Urteilsvermögen natürlich beeinflussen“, erklärt Hefke. „Daher ist der Fragebogen auch sehr wichtig, denn er macht die harten Fakten, die durch das Eye-Tracking ermittelt werden, überhaupt interpretierbar.“ So zeigten sich in einer Vorauswahl von rund 50 Probanden schon mehrere Blickmuster. „Jetzt wäre es natürlich spannend, wie solche Daten wahrnehmungspsychologisch zu betrachten sind“, weist Hefke auf die Möglichkeit hin, das Projekt mit weiteren externen Kompetenzen zu erweitern. „Was für einen Einfluss hat es womöglich, dass die Person nervös ist? Wie nehmen Kinder wahr? Wie ist die touristische Wahrnehmung? Eine Fülle interessanter weiterer Fragen gilt es zu beantworten.“

Das Projekt ist nämlich nur ein erster Schritt zu langfristigen wissenschaftlichen Fragestellungen. „Hierbei handelt es sich um eine Vorstudie, die erste Annahmen unterstützen soll, damit später ein umfangreiches Forschungsprojekt auf die Beine gestellt werden kann“, erklärt Florian Hoedt, ebenfalls vom Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung. „Das Ziel ist es, eine Methode zu entwickeln, die die Bewertung von Landschaftsbildern objektiv messbar machen kann.“ Auf diese Weise wird es dann auch möglich, Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien ansprechend zu integrieren, statt sie einfach nur zu platzieren. Hoedt: „Diese Methode könnte dann auch für andere Zusammenhänge verwendet werden, in denen man ein Landschaftsbild bewerten möchte.“

Resultat könnte dann ein Handlungsleitfaden für die Bewertung von Landschaften sein, der Landschaftsplanerinnen und -planer – auch jene, die die Region nicht kennen oder von sehr weit entfernt anreisen müssten – dabei unterstützen kann, zielorientierte, optimale Konzepte zu entwickeln.

Für ihre Vorstudie mussten Frederik Bellermann und Professor Ulrich Nether (beide Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur), Stefan Wolf, Christian Hefke und Florian Hoedt viele Vorbereitungen treffen und einige Probleme lösen: Die Auswahl der Fotos wurde lange überlegt, Befragungen auf den Marktplatz ergänzten die Untersuchungen im Labor, engagierte studentische Hilfskräfte helfen bei der Durchführung – jetzt steht noch die Auswertung der Erhebungen an, die im Frühjahr beendet sein wird.

Julia Wunderlich | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-owl.de

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