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Schlaganfallrisiko durch verengte Halsschlagader - was hilft am besten: Medikamente, Operation oder Stent?

30.11.2009
Untersuchung drei etablierter Therapieverfahren im Rahmen der SPACE-2-Studie an der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg

Patienten, die an Bluthochdruck, Zuckerkrankheit oder erhöhten Blutfettwerten leiden, haben ein erhöhtes Risiko, Gefäßverengungen durch Ablagerungen an der Gefäßwand zu entwickeln (Gefäßverkalkung, Arteriosklerose).

In der Halsschlagader können diese Veränderungen zu vorübergehenden Ausfällen verschiedener Hirnfunktionen oder einem Schlaganfall führen. Zur Vermeidung eines Schlaganfalls gibt es verschiedene Therapieverfahren: Die Operation, den Stent oder die konservative medikamentöse Therapie. Welches Verfahren das Beste ist, ist derzeit nicht gesichert.

Wenn eine verengte Halsschlagader bisher keine Schlaganfallssymptome verursacht hat, bietet sich die Teilnahme an der SPACE-2-Studie in der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg an. Die Studie läuft seit Mai 2009 in Zusammenarbeit mit der Klinik für Gefäßchirurgie und der Klinik für Neuroradiologie des Universitätsklinikums unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Hacke.

Es soll wissenschaftlich überprüft werden, ob die derzeit bei den Patienten angewendeten Therapieverfahren bei verengter Halsschlagader gleichwertig sind, oder ob eines der Verfahren entscheidende Vorteile bringt. Dabei werden die medikamentöse Therapie, die Operation und die Einlage eines Stents, also eines feinen Maschendrathes zur Gefäßwandstabilisierung, miteinander verglichen.

Reicht eine optimale medikamentöse Therapie zur Vorbeugung eines Schlaganfalls aus?

Frühere Studien haben zwar leichte Vorteile einer Operation bei der Verhinderung von Schlaganfällen gezeigt, jedoch ist die medikamentöse Therapie in den letzten Jahren deutlich verbessert worden. Dabei erhalten die Patienten blutverdünnende Medikamente, die verhindern, dass die Blutplättchen verklumpen und die Gefäße verstopfen. Durch den Einsatz von blutfettsenkenden Medikamenten kann ein Fortschreiten der Arteriosklerose verlangsamt werden. Auch Blutdruck und Blutzucker können mit Medikamenten optimal eingestellt werden.

Die im Mai 2009 gestartete SPACE-2-Studie (Stent-Protected Percutaneous Angioplasty of the Carotid versus Endarterectomy-2) soll klären, ob die rein medikamentöse Behandlung ausreicht, oder ob die Betroffenen von weiteren Therapien mit Beseitigung der Stenose profitieren.

Als zusätzliche Therapieverfahren kommen in Frage:

o Die Operation der Halsschlagader mit Eröffnung des Gefäßes, wobei die Gefäßablagerungen entfernt werden.

o Die Aufdehnung des Engpasses mit Einsatz eines kleinen Maschendraht-Röhrchens (Stent), der das Gefäß frei hält. Der Stent wird mit Hilfe eines Katheters über die Leiste bis an die Halsschlagader gebracht.

o Die Eingriffe selbst sind heutzutage Routineeingriffe und werden im Rahmen der Studie von erfahrenen Spezialisten durchgeführt. Die Patienten werden im Rahmen der Studie über mehrere Jahre regelmäßig von den Studienärzten untersucht und optimal medikamentös eingestellt.

Die Ergebnisse dieser Studie werden maßgeblichen Einfluss auf die weitere Therapieentscheidung bei Patienten mit asymptomatischen Stenosen der Halsgefäße haben.

SPACE-1-Studie: Operation und Stenteinlage sind gleichwertig
Im Rahmen der unter der Führung der neurologischen Universitätsklinik Heidelberg durchgeführten SPACE-1-Studie waren bereits Patienten untersucht worden, die in Folge einer Verengung der Halsschlagader einen Schlaganfall oder Vorboten eines Schlaganfalls erlitten hatten. Dabei stellte sich heraus, dass die operative Therapie der Halsschlagader zwar weiterhin das Standardverfahren bleiben sollte, die Stenteinlage aber dann eine gleichwertige Alternative darstellt, wenn sie durch einen erfahrenen Arzt durchgeführt wird.

Welche Patienten können an der SPACE-2-Studie teilnehmen?

Teilnehmen können Patienten im Alter zwischen 50 und 85 Jahre, die eine hochgradige Verengung der Halsschlagader haben. Die Patienten erhalten im Rahmen der Studie an einem spezialisierten Zentrum eine regelmäßige ausführliche neurologische Untersuchung, Ultraschallkontrollen der Halsgefäße, Risikoscreening und eine medikamentöse Therapieoptimierung.

Ansprechpartner:
Dr. Tilman Reiff
Assistenzarzt Neurologische Klinik
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221/56 36941
Tilman.Reiff@med.uni-heidelberg.de
Frau Ines Ludwig
Studienassistentin Neurologische Klinik
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221/56 38856
Ines.Ludwig@med.uni-heidelberg.de
Weitere Informationen:
Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg zur SPACE-1-Studie vom 8.10.2008:

http://idw-online.de/pages/de/news277054

Weitere Informationen zu SPACE-2 Studie:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/SPACE2.113795.0.html
oder http://www.space-2.de/de/home/ (mit Patienteninformation)
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehen-de Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

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