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Schlaganfall-Folgekosten in NRW bei 745 Millionen €

04.12.2008
IAT: Vorbeugen hilft der Gesundheit und den Sozialetats

Über 40.000 neue Schlaganfälle pro Jahr in NRW verursachten bereits im Jahr 2005 Folgekosten allein in der stationären Pflege von rund 745 Millionen Euro. Etwa die Hälfte der Kosten trägt die Pflegeversicherung, den Rest die Betroffen selbst oder die Kommune, die bei Bedarf mit Sozialhilfe einspringen muss. Rund 150 Millionen Euro zahlen die NRW-Kommunen pro Jahr an Sozialhilfe für die stationäre Versorgung von Schlaganfallpatienten.

Das zeigen aktuelle Untersuchungen des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Fachhochschule Gelsenkirchen. Nach Auffassung der Wissenschaftler könnten "gezielte Präventionsmaßnahmen und verbesserte Therapieangebote auf kommunaler Ebene gleichzeitig gesundheitliche Probleme und Kosten senken helfen!"

Der Hirnschlag ist eine der häufigsten Erkrankungen in der Bundesrepublik und Ursache für Pflegebedürftigkeit im Alter. Aufgrund der Alterung der Bevölkerung wird die Häufigkeit von Schlaganfällen bis 2025 voraussichtlich um ca. 29 Prozent zunehmen, rechnet der IAT-Gesundheitsökonom Stephan von Bandemer. Allein in NRW wird ein Anstieg von gut 41.000 stationär versorgten Fällen im Jahr 2006 auf dann über 52.000 Fälle erwartet, so dass neben den gesundheitlichen und sozialen Folgen auch die Kosten der Schlaganfallversorgung massiv steigen werden.

Therapie und Anschlussversorgung von Schlaganfallpatienten kosten nach Schätzungen rund 46.000 Euro pro neu auftretenden Fall. Dies bedeutet für NRW insgesamt rund 1,5 Mrd. Euro Schlaganfallkosten im Jahr 2006. Bei unveränderter Entwicklung wäre bis 2025 mit einer Zunahme der Schlaganfallkosten auf rund 1,9 Mrd. Euro zu rechnen. Ein großer Anteil der Kosten entsteht durch Pflegebedürftigkeit aufgrund. Ca. 16 Prozent der Bewohner in stationären Pflegeeinrichtungen in NRW sind Schlaganfallpatienten, die nicht mehr in ihrer bisherigen häuslichen Umgebung leben können.

Die durch Schlaganfall bedingten Pflegekosten schwanken regional zwischen 36,2 Mio. Euro in Essen gefolgt von Recklinghausen (36 Mio.) und Köln (26 Mio.) bis zu lediglich 3,2 Mio. Euro in Olpe. Die einzelnen Kommunen werden in der Folge in erheblichem Ausmaß mit Sozialhilfekosten belastet: So entstanden etwa im Kreis Recklinghausen im Jahr 2006 einschließlich Pflegewohngeld insgesamt 33 Mio. Euro Sozialhilfekosten für stationäre Heimunterbringung. Dies sind ca. 20 Prozent der gesamten Pflegekosten. Davon entfielen ca. 7,3 Mio. Euro auf Schlaganfallpatienten.

Nach Auffassung der Wissenschaftler besteht gerade auf kommunaler Ebene Verbesserungsbedarf in der Zusammenarbeit bei der Koordination von Prävention und Therapie. Hier eröffne sich ein erhebliches Potenzial, um die Gesundheitssituation zu verbessern und die Kosten zu senken. Stephan von Bandemer: "Das Management der Versorgungsketten von der Patientenaufklärung über die gezielte medizinische Prävention, das Management des Rettungswesens, die Organisation der Behandlung, die Nachsorge und Sekundärprävention stellen damit eine bedeutende Herausforderung für die kommunale Gesundheitspolitik wie die Akteure der Gesundheitsversorgung dar".

Weitere Informationen:
Bandemer, Stephan von / Bartig, Dirk / Sorgenfrei, Ulrich 2008: Kosten von Schlaganfällen in NRW und Ansätze zur Prävention. Internet-Dokument. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik. Forschung Aktuell, Nr. 12/2008

http://www.iat.eu/forschung-aktuell/2008/fa2008-12.pdf

Für Fragen steht Ihnen zur Verfügung:
Stephan von Bandemer, Durchwahl: 0209/167-1363, E-Mail: bandemer@iat.eu
Institut Arbeit und Technik
der Fachhochschule Gelsenkirchen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iat.eu
info@iat.eu

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iat.eu
http://www.iat.eu/forschung-aktuell/2008/fa2008-12.pdf

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