Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlaf schützt Tiere vor Parasiten

09.01.2009
Zustand des Immunsystems von Schlafdauer abhängig

Langschläfer unter den Tieren haben weniger Parasiten und ein besseres Immunsystem als Kurzschläfer. Das zeigt eine in der Fachzeitschrift Evolutionary Biology veröffentlichte Studie des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie.

"Es wurde bewiesen, dass der Schlaf für den Erhalt des Immunsystems wichtig ist", betont Studienautor Brian Preston im pressetext-Interview. Relevant sei dies auch für den Menschen, dessen durchschnittliche Schlafdauer sich in den letzten Jahrzehnten ständig verkürzt hat. "Es wird immer deutlicher, dass der Schlafmangel eine Reihe negativer Konsequenzen hat. Forschung dazu gibt es jedoch noch erstaunlich wenig", so der Biologe.

Über 30 Säugetierarten - darunter Igel, Fuchs, Pavian, Seehund und Elefant - untersuchte Preston mit Kollegen aus den USA und Großbritannien. Die Schlafdauer von Säugetieren ist sehr unterschiedlich, denn während eine Giraffe mit wenigen Stunden auskommt, braucht ein Gürteltier bis zu 20 Stunden. "Niemand kennt die Gründe für diese Unterschiede, doch wurde schon früher vermutet, dass der Schlaf die Tiere vor Krankheiten schützt", so Preston. Er verglich die Schlafdauer der verschiedenen Tiere mit Werten zu ihrem Immunsystem sowie zum Parasitenbefall. "Der Zusammenhang war sehr deutlich: Die Tiere mit dem längsten Schlaf hatten bis zu sechsmal mehr Immunzellen als die Kurzschläfer und einen sogar 24-fach geringeren Parasitenbefall", umschreibt der Biologe die Ergebnisse.

"Wie die Menschen haben auch Tiere gewisse Zeitbegrenzungen, die sie höchstens schlafen können", erklärt Preston. Scheinbar hätten alle Lebewesen individuelle Schlafbedürfnisse entwickelt, die auch von äußeren Einflüssen bestimmt werden. "Tiere, die sich in ihrem eigenen Bau verstecken, können sich längeren Schlaf leisten. Wer sich vor Räubern in Acht nehmen muss, schläft hingegen nur wenig. Ebenso geht es vielen Pflanzenfressern, die für ihre Energieversorgung viele Tagesstunden zur Nahrungsaufnahme benötigen." Dass höher entwickelte Tiere mehr Schlaf brauchen, wie oft angenommen wurde, habe sich nicht bestätigt. "Tiere mit größeren Gehirnvolumen schlafen nicht mehr, sondern tendenziell eher weniger", betont Preston.

Warum Tiere schlafen, ist der Wissenschaft bis heute ein Rätsel. Denn ohne die Hauptursache des Schlafs zu kennen, wurden bisher nur Beschreibungen einzelner Funktionen gefunden. "Für das Immunsystem der Tiere wirkt der Schlaf wie eine Tankfüllung", so Preston. Tiere brauchen bei Wachheit viel Energie zur Erledigung zahlreicher Aufgaben wie die Suche nach Nahrung und Fortpflanzungspartnern sowie für die Versorgung des Nachwuchses. Der Schlaf vermindert die Aktivitäten für Tier und Mensch und spart somit Ressourcen. "Es wurde gezeigt, dass zu wenig Schlaf das Immunsystem schwächt, obwohl beim Menschen auch zuviel Schlaf die Gesundheit schädigen kann", betont Preston. Sind sie krank, schlafen Tiere und Menschen mehr. "Die Ergebnisse lassen vermuten, dass der Körper damit Infektionen bekämpfen will", so der Leipziger Forscher abschließend.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.eva.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE