Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Samenflüssigkeit als "Jungbrunnen"

06.10.2009
Grazer Forscher: Spermidin kurbelt Autophagie an

Ein Grazer Forscherteam hat in der männlichen Samenflüssigkeit hohe Konzentrationen einer Substanz entdeckt, die das Leben von verschiedenen Zellen und Tieren verlängern kann. Tobias Eisenberg und Frank Madeo vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Universität Graz haben herausgefunden, dass das sogenannte Spermidin wie ein Jungbrunnen wirkt. Insgesamt haben 29 Forscher von elf Universitäten und aus sechs Ländern an der Studie, die im Wissenschaftsjournal "Nature Cell Biology" veröffentlicht wird, mitgearbeitet.

"Menschliche Immunzellen, Fliegen, Würmer und Hefe, die in der Forschung ein beliebtes Alterungsmodell darstellt, werden durch Spermidinzugabe verjüngt und leben länger", erklären die Forscher. Die durch freie Radikale hervorgerufenen Schäden an Proteinen, die ein besonders wichtiger Alterungsmarker sind, konnten bei Mäusen nachweislich reduziert werden. "Es könnte sein, dass wir den heiligen Gral der Altersforschung gefunden haben", so Studien-Erstautor Eisenberg. Der natürliche Stoff Spermidin findet sich in allen Körperzellen. Die Konzentration nimmt aber während des Alterns kontinuierlich ab. Auch die Fähigkeit des Körpers, geschädigte Proteine oder defekte Mitochondrien zu entsorgen, verringert sich. Der Prozess der Entsorgung wird in der Fachsprache Autophagie genannt. Madeo und Eisenberg haben nun entdeckt, dass von außen hinzugefügtes Spermidin genau diese Autophagie ankurbelt. "Die Maschinerie läuft nach Spermidinzugabe auf Hochtouren und dieser Prozess ist der wichtigste Faktor für Langlebigkeit", so Madeo gegenüber pressetext.

Die Erkenntnisse könnten in Zukunft in der klinischen Forschung bedeutsam werden. Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson entstehen nämlich durch Ablagerung von verklumpten Proteinen. "Der altersbedingte Proteinmüll kann mit der Substanz schneller abgebaut werden", so Madeo. Diese Ankurbelung der Autophagie schütze vor Erkrankungen des Nervensystems, haben verschiedene Tiermodelle gezeigt. "Spermidin kommt auch in Grapefruits, Weizenkeimen und Sojabohnen vor", erklärt Madeo. Zudem sei es einfach den Stoff synthetisch nachzubauen.

"Nebenbei könnten diese Ergebnisse zur Aufklärung einer der spannendsten Fragen der Altersforschung beitragen", meint Madeo. "Dabei geht es darum, warum ein 40-jähriger Mann ein Kind zeugen kann, welches ohne die 40 Jahre dauernde Schädigung des Erbgutes auf die Welt kommt, also gleichsam die Uhr in den Zellen auf Null zurückgestellt bekommen hat." Das scheine trivial, sei aber doch bei genauerer Betrachtung höchst erstaunlich. "Alle unsere Zellen altern, nur die Spermien nicht. Der Grund könnte zumindest teilweise in der hohen Konzentration von Spermidin in der Samenflüssigkeit liegen", so Madeo. " Wir bleiben an der Erforschung dieses Phänomens dran", erklärt der Forscher abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uni-graz.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie