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Säuglinge erkennen unehrliche Absichten

16.02.2010
Differenzierte Reaktion gelingt bereits mit sechs Monaten

Bereits mit sechs Monaten können Babys unterscheiden, ob es andere ernst mit ihnen meinen oder ob sie bloß etwas vorgespielt bekommen. Das berichten Wissenschaftler der Universität York in der Fachzeitschrift Infancy. In einem Experiment konnten sie zeigen, dass neun- und sogar sechsmonatige Säuglinge erkennen können, ob Erwachsene Personen ihnen Spielzeuge absichtlich verweigern oder dabei gehindert werden.

Die Psychologen um Heidi Marsh untersuchten dazu 40 Babys im Alter von sechs und neun Monaten. Die Kleinen saßen auf Mamas Schoß an einem Tisch und erhielten von den gegenüber sitzenden Forschern ein Spielzeug entgegengestreckt. Sie erhielten dieses jedoch nicht - teils, da die Forscher ihre Hand demonstrativ zurückzogen, teils da das begehrte Objekt "zufällig" herunterfiel und auf die Tischseite der Forscher zurückrollte. Der erste Versuch stellte eine bewusste Verweigerung dar, der zweite die Unfähigkeit der Weitergabe.

Blickabwenden als Bestrafung

Den Säuglingen beider Altersgruppen gelang es, differenziert auf die Absichten der Forscher zu reagieren. Vermittelten die Erwachsenen ihren Widerwillen, so wandten die Babys beider Altersgruppen ihre Blicke ab, während sie im anderen Fall viel eher die Hände ausstreckten, so als ob sie das Problem verstehen würden und die Hilfestellung des Erwachsenen hervorrufen wollten. Eine wichtige Informationsquelle für die Babys dürfte der Gesichtsausdruck der Forscher gewesen sein, den diese den jeweiligen Absichten anpassten.

Neu ist diese Erkenntnis laut den Forschern insofern, als dass man den Zeitpunkt der Unterscheidungsfähigkeit bisher erst mit neun Monaten angesetzt hatte. "Dass Babys schon mit sechs Monaten so weit sind, wird ersichtlich sobald man nicht nur die Bewegungen, sondern auch andere soziale Ausdrucksformen beobachtet, die bisher außer Acht gelassen wurden", so die Studienleiterin Marsh. Als derartige altersgerechten Signale werteten die Forscher etwa Müdigkeit, Blickvermeidung, Lächeln oder auch Lautäußerungen.

Eigenständigkeit bestimmt Reaktion

Sichtbar wurde dabei auch die Weiterentwicklung der Eigenständigkeit, die zwischen dem sechsten und neunten Monat geschieht. Sechsmonatige Babys zeigten bei Verweigerung der Erwachsenen negatives emotionales Verhalten wie Stirnrunzeln oder Weinen, bei vorgespieltem guten Willen positive Emotionen. "Die Neunmonatigen zeigen weniger Gefühlsausbrüche, jedoch mehr körperliche Ausdrücke wie aktiven Widerstand, da sie bereits eigenständiger sind", erklärt Marsh.

Originalartikel unter http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/fulltext/123236579/PDFSTART

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.york.ac.uk

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