Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Russland: Mars 500-Isolationsstudie startet Ende März

10.03.2009
Ende März startet in Moskau auf dem Gelände des Institutes für biomedizinische Probleme (IBMP) der russischen Akademie der Wissenschaften ein neues Isolationsexperiment: Sechs Menschen, darunter auch ein deutscher Teilnehmer, werden für die Dauer von 105 Tagen in einen Container eingeschlossen, um verschiedene Aspekte eines simulierten bemannten Marsfluges zu trainieren.

Gleichzeitig werden wertvolle Erkenntnisse im Bereich der Humanmedizin und der Psychologie erwartet. Unter den Teilnehmern ist neben vier Russen und einem Franzosen auch der Deutsche Oliver Knickel, ein 28-jähriger Bundeswehr-Offizier aus Eschweiler bei Aachen.

Gemeinsam mit dem IBMP und der Europäischen Weltraumorganisation ESA ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durch eigene Experimente und finanzielle Förderung federführend an dem Projekt "Mars500" beteiligt.

Insgesamt zwölf ausgewählte Personen, die in der Vorbereitung alle psychologischen, medizinischen und sprachlichen Tests mit Bestnoten bestanden haben, befinden sich seit dem 26. Januar zu letzten medizinischer Checks und einem Outdoor-Überlebenstraining in Moskau. Dabei handelt es sich um eine sechsköpfige Container-Crew, mit dem gebürtigen Düsseldorfer Oliver Knickel, sowie um eine Ersatzmannschaft in gleicher Stärke, die als Bodencrew zum Einsatz kommt. Parallel werden derzeit die technischen Systeme der Isolationskammer, die als Raumschiff-Simulator dient, geprüft. Insgesamt hatten sich 5.600 Kandidaten auf eine europaweite Ausschreibung beworben. Gesucht waren Personen zwischen 25 und 50 Jahren, Absolventen eines ingenieurwissenschaftlichen oder medizinischen Studiums, mit niedrigem Aggressionspotenzial, hoher Motivation und guter Fremdsprachen-Kompetenz.

Isolationsstudie bietet einmalige Testumgebung

Die bei "Mars500" vorherrschenden Rahmenbedingungen bilden eine einzigartige Testumgebung, gerade auch zur Untersuchung des Stoffwechsels beim Menschen. Während des Experimentes wird die Zufuhr von Nahrungsmitteln sowie der Stoffwechsel der Versuchspersonen vollständig überwacht und dokumentiert. Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg führen eine Langzeituntersuchung zum Salz- und zum Flüssigkeitshaushalt des menschlichen Körpers durch. Diese sind, anders als lange Zeit angenommen, nicht streng aneinander gekoppelt. Weitere Experimente mit deutscher Beteiligung beschäftigen sich, darauf aufbauend, unter anderem mit dem Einfluss der Salzzufuhr auf den Blutdruck in Abhängigkeit von Stress und Arbeitsplan - ein Thema, das für Millionen Menschen allein in Deutschland von großem Interesse ist. Der erwartbare Erkenntnisgewinn in der Weltraummedizin käme somit auch Patienten auf der Erde zugute. Wissenschaftler des DLR aus Köln und Hamburg sowie der Deutschen Sporthochschule Köln sind an diesem Versuch ebenso beteiligt wie an Untersuchungen des Knochenstoffwechsels unter eingeschränkter Aktivität und der psychophysiologischen Leistungsfähigkeit unter Extrembedingungen. Den Auswirkungen von Stress auf das Immunsystems gehen Mediziner der Universität München auf den Grund.

Im Mittelpunkt der in europäischer Kooperation durchgeführten Isolationsstudie steht die Frage: Wie kann die physische und psychische Leistungsfähigkeit eines Menschen unter den extremen, teils lebensfeindlichen Bedingungen, zum Beispiel einem Flug zum Mars und zurück, erhalten werden? Die Entfernung zwischen beiden Planeten schwankt zwischen 56 und rund 400 Millionen Kilometern. Selbst bei einer günstigen Konstellation müsste eine Hin- und Rückreisezeit von insgesamt knapp 500 Tagen einkalkuliert werden, ein einmonatiger Forschungsaufenthalt auf dem Roten Planeten nicht mitgerechnet. Eine solche bemannte Mission, die in circa zwanzig bis dreißig Jahren Realität werden könnte, stellt höchste Anforderungen an die Crew: Abgesehen von langen Schwerelosigkeits- und kurzen Hyperschwerkraftphasen sowie dem Einfluss kosmischer Strahlung, die im Rahmen von Mars500 nicht untersucht werden, müsste der Verlust der visuellen Bindung an die Erde kompensiert, lebenswichtige Entscheidungen wegen des verzögerten Funkkontakts zum Boden autonom getroffen werden. Zudem müssten die Astronauten in der Lage sein, die technischen Systeme ihres Raumschiffes ohne Lieferung zusätzlicher Ausrüstung selbst zu warten. Stressresistenz und Multitasking-Fähigkeiten sind also in extremem Maße gefragt.

Bei dem Container, der am 31. März bezogen werden soll, handelt es sich um ein röhrenförmiges Modul mit einer Wohn- und Arbeitsfläche von 180 Quadratmetern. Hinzu kommen Kühl- und Gefrierzellen für die gesamte Nahrungsmittelversorgung. Es herrscht normaler Luftdruck, das Gravitationsfeld ist unbeeinflusst. An Privatsphäre stehen jedem Probanden drei Quadratmeter einschließlich eines schmalen Bettes zur Verfügung. Ein direkter Kontakt zur Außenwelt ist nicht möglich, der Funkverkehr zum "Bodenkontrollteam" erfolgt realitätsnah mit insgesamt bis zu 40-minütiger Verzögerung. Darüber hinaus ist es den Teilnehmern gestattet, eMails und Videobotschaften zu versenden. Voraussichtlich im Dezember 2009 soll mit anderen Kandidaten das Experiment mit einer realen Flug- und Aufenthaltsdauer auf dem Mars von 520 Tagen in die zweite Runde gehen.

Ab Ende März in der Isolationskammer:

Oliver Knickel, Deutschland
Cyrille Fournier, Frankreich
Sergey Ryazanskiy, Russland
Aleksey Baranov, Russland
Aleksey Shpakov, Russland
Oleg Artemiev, Russland.
Zusätzlich fungieren von europäischer Seite die Franzosen Cedric Mabilotte und Arc´hanmael Gaillard als Ersatz bzw. als Teil der Bodencrew.

| russland.RU
Weitere Informationen:
http://www.kooperation-international.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Personalisierte Medizin – Ein Schlüsselbegriff mit neuer Zukunftsperspektive
14.07.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht Enterprise 2.0 ist weiterhin bedeutendes Thema in Unternehmen
03.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten