Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Runde Formen finden wir schöner als Ecken und Kanten

11.06.2013
Wir verbringen den größten Teil unseres Lebens in Innenräumen.

Die Psychologen Helmut Leder und Marcos Nadal von der Universität Wien haben nun zusammen mit einem internationalen Team aus Kanada und Dänemark untersucht, wie uns die Architektur von Räumen – rund versus eckig – beeinflusst: Runde Räume beurteilen wir als deutlich schöner und ihre Betrachtung verursacht verstärkt positive Hirnaktivitäten. Die Ergebnisse erscheinen in der aktuellen Ausgabe der renommierten Zeitschrift "Proceedings of National Academy of Sciences" (PNAS).

AmerikanerInnen verbringen fast 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossen Räumen, Europa nähert sich diesem Wert an. "Wir stellten uns die Frage, ob die ästhetischen Prinzipien, die bestimmen, wen, welche Dinge oder Kunstwerke wir ästhetisch ansprechend finden, auch bei der Beurteilung von Architektur eine Rolle spielen oder ob hier andere, eher nützliche Kriterien im Vordergrund stehen. Und natürlich interessiert uns, ob und wie das in der direkten Hirnaktivität ablesbar ist ", erklärt Helmut Leder, Vorstand des Instituts für psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden der Universität Wien. Leder und sein Mitarbeiter Marcos Nadal, beide vom Forschungsschwerpunkt Psychologische Ästhetik, haben zusammen mit Kollegen aus Kanada und Dänemark an einer internationalen Studie mitgewirkt, um die Wirkung von Architektur empirisch zu untersuchen.

Aus vorangegangenen Studien der Arbeitsgruppe um Helmut Leder ist bereits bekannt, dass runde Formen häufig gut gefallen. In der neuen Studie wurden nun Versuchspersonen gebeten, Bilder von Innenräumen nach ihrer Schönheit zu beurteilen. Es wurde auch abgefragt, ob die ProbandInnen die Räume gern betreten wollten. Die Räume (siehe beiliegende Abbildung) variierten in der Form – eher rund oder eckig – sowie in Höhe und Offenheit (z.B. Fenster). Die Auswertung ("schön – nicht schön") zeigte einen eindeutigen Effekt: Räume mit runden Formen wurden als deutlich schöner beurteilt.

Und tatsächlich: Die Analysen der Hirnaktivität ergaben, dass die Betrachtung der runden Räume mit verstärkter Aktivität von Hirnregionen, denen man eine Belohnungsfunktion und generell angenehme Gefühle zuschreibt, einherging. Diese umfassen den Orbitofrontal-Kortex (OFC), die Basalganglien sowie die vordere Insel und den ventralen anterioren cingulären Kortex. Allerdings hatte die Formgebung keinen Einfluss darauf, ob die Räume lieber betreten werden wollten. Auch fanden die Forscher keinen Hinweis darauf, dass runde Räume weniger Warnreaktionen (in der Amygdala) auslösten, als dies bei der Betrachtung von spitzen Gegenständen der Fall ist. Diese Reaktion deutet also nicht auf eine von der Evolution eingepflanzte Furcht vor eckigen Formen hin.

Zusammenfassend zeigt sich also, dass auch in der Architektur die Form unser Schönheitsbewusstsein beeinflusst und dass schöne Formen positive Gefühle im Gehirn auslösen. Die Studie belegt Le Corbusiers Forderung, dass "The business of Architecture is to establish emotional relationships by means of raw materials" und zeigt auf, welche psychologischen Effekte daran beteiligt sind.

Publikation in "Proceedings of National Academy of Sciences" (PNAS):

Looking Sharp: Dissociable Impact of Contour on Aesthetic Judgments and Approach Decisions in Architecture. Oshin Vartanian, Gorka Navarrete, Anjan Chatterjee, Lars Brorson Fich, Helmut Leder, Christián Mondrono, Marcos Nadal, Nicolai Rostrup, Martin Skov. 10. Juni 2013.
DOI: www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1301227110

Wissenschaftlicher Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. Helmut Leder
Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden
Universität Wien
1010 Wien, Liebiggasse 5
T +43-1-4277-47110
helmut.leder@univie.ac.at
Rückfragehinweis:
Mag. Veronika Schallhart
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
Universitätsring 1, 1010 Wien
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-60277-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Michaela Wein | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise