Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit der rosaroten Brille sieht man mehr

04.06.2009
Experten beweisen: Zorn macht blind

Ein Forscherteam der University of Toronto hat erstmals beweisen können, dass die Laune unmittelbare Auswirkungen auf das Sehen hat. Experimente haben gezeigt, dass der Blick durch die rosarote Brille damit biologische Realität und nicht nur bloße Metapher ist, schreiben die Forscher.

"Die gute oder die schlechte Laune verändert den Weg wie unser visueller Cortex arbeitet und damit auch wie wir sehen", so der Psychologieprofessor Adam Anderson. "Wir konnten zeigen, dass gute Laune dafür sorgt, dass der visuelle Cortex viel mehr Informationen aufnimmt, während negative Stimmungen zu einem Tunnelblick führen."

Das sei sehr gut vorstellbar, meint die klinische Psychologin Patricia Göttersdorfer im pressetext-Interview. Der im Volksmund beschriebene Ausdruck "Blind vor Wut" sei tatsächlich vorhanden. "Mit einem Wutgefühl im Bauch nimmt man in der Umgebung wesentlich weniger wahr", so die Wissenschaftlerin. Das Problematische daran sei, dass es im Limbischen System einen Schneckengang gibt, der dieses Wutgefühl immer weiter anheizt. "Das läuft dann immer weiter im Kreis." Erst der selbst ausgesprochene Befehl "ich will nicht mehr" beendet diesen Kreislauf. Um dorthin zu gelangen, setzen einige auf körperliche Aktivitäten wie Laufen, andere nutzen Musik. "Tatsache ist, dass mit dem ersten Lachen dieser Kreislauf unterbrochen wird."

Für die Studien hat das kanadische Wissenschaftsteam die funktionelle Magnetresonanztomographie - einem bildgebenden Verfahren mit hoher räumlicher Auflösung zur Darstellung von aktivierten Strukturen - gesetzt. Damit konnten sensorische Informationen in guter, schlechter und neutraler Stimmung sichtbar gemacht werden. Zunächst wurden den Probanden Bilder gezeigt, die sie in die verschiedenen Stimmungen bringen sollten. Anschließend wurden detailreiche Bilder mit einem Gesicht im Vordergrund und anderen Objekten im Hintergrund gezeigt. Jenen Probanden, die schlechte Laune hatten, fiel der Hintergrund der Bilder nicht auf. Wurde denselben Probanden die Bilder bei guter Laune gezeigt, waren sie in ihrer Beschreibung viel detailreicher.

"In positiver Stimmung nehmen Menschen wesentlich mehr in ihrer Umgebung wahr. Das klingt zwar gut, kann aber auch zur Ablenkung führen", meint Studienleitautor Taylor Schmitz. "Gute Laune erhöht buchstäblich die Größe des Fensters, durch das wir die Welt sehen." Der Vorteil sei, dass man Sachen damit globaler und von einer größeren Perspektive sieht. "Der Nachteil ist jedoch, dass dies zur Ablenkung bei kritischen Aufgaben führen kann, die sehr präzises Denken erfordern wie etwa das Steuern von Maschinen. Schlechte Laune hält unsere Wahrnehmung hingegen in enge Grenzen und verhindert damit jegliche Ablenkungen außerhalb des aktuellen Problems."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.artsci.utoronto.ca

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics