Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was Roboter von Hunden mit Handicap lernen können

02.07.2010
Forscher der Universität Jena untersuchen, wie sich beinamputierte Hunde fortbewegen

Meist ist es ein Unfall, der in Sekundenschnelle alles verändert: Ein Zusammenprall mit einem Auto beispielsweise kann einem Hund so schwere Verletzungen zufügen, dass ihm ein Bein amputiert werden muss. Was für das Tier und seinen Besitzer zunächst tragische Folgen hat, ist für Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein Glücksfall. Denn genau diese Hunde mit Handicap sind es, von denen sie sich wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung von Laufrobotern versprechen.

„Wir beobachten, wie sich die Tiere, denen entweder ein Vorder- oder Hinterlauf amputiert werden musste, fortbewegen“, erläutert Martin Groß von der Uni Jena. „Mit welchen Strategien versucht das Tier das fehlende Bein zu kompensieren?“, nennt der Biologe vom Lauflabor des Instituts für Sportwissenschaft eine zentrale Frage seines Forschungsansatzes. Erste Ergebnisse hat der Jenaer Forscher heute (1. Juli) auf der Internationalen Konferenz der Society for Experimental Biology in Prag der Fachwelt präsentiert.

Für ihre Studie beobachten Martin Groß und seine Kollegen beinamputierte Hunde mit jeweils zehn hochspezialisierten Infrarotkameras, während sich die Tiere auf einem Laufband fortbewegen. „Die natürliche Laufbewegung ist für vier Beine ausgelegt“, so Martin Groß, „weshalb beinamputierte Tiere ihr Fortbewegungssystem komplett neu organisieren müssen.“ Bei ihren Experimenten konnten die Jenaer Bewegungsforscher feststellen, dass sich Hunde mit einer Amputation des Hinterbeins einfacher an die neue Situation anpassen als Vorderbeinamputierte. „Der Verlust eines Vorderbeins erfordert eine weitaus stärkere Kompensation als der eines Hinterbeins“, betont PD Dr. André Seyfarth, Leiter des Lauflabors der Uni Jena. Dies, so vermuten die Forscher, liege vor allem an der höheren Lastverteilung auf den Vorderbeinen der Tiere. Bisher stützen sich die Wissenschaftler allerdings erst auf die Untersuchung relativ weniger Tiere. „Um unsere Ergebnisse zu überprüfen und zu bekräftigen, werden weitere Messungen nötig sein“, sagt Martin Groß.

... mehr zu:
»Bein »Handicap »Lauflabor »Laufroboter »Roboter

Ihre aktuelle Studie ist Teil des EU-Projekts „Locomorph“, mit dem die Forscher der Uni Jena gemeinsam mit Biologen, Physikern und Ingenieuren in Belgien, Kanada, Dänemark und der Schweiz daran arbeiten, die Effizienz und die Handhabung von Laufrobotern in unbekannten Umgebungen zu verbessern. „Wird der Roboter durch einen Ausfall eines Bauteils gezwungen seine ‚Morphologie’ zu ändern, sollte es geeignete Strategien geben, dass er sich entsprechend angepasst weiter fortbewegen kann“, verdeutlicht Dr. Seyfarth. Ihre aktuellen Forschungsergebnisse wollen die Bewegungswissenschaftler der Jenaer Uni auch während des „Locomorph“-Projekt-Meetings vorstellen, zu dem vom 14. bis 16. Juli rund 25 Wissenschaftler aller beteiligten Projektpartner in Jena erwartet werden. Auf dem Programm stehen dann auch ein Workshop mit eingeladenen Fachreferenten sowie eine „Roboter-Demonstration“.

Weitere Informationen zum „Locomorph“-Projekt sind zu finden unter: http://locomorph.eu und http://www.lauflabor.uni-jena.de

Kontakt:
PD Dr. André Seyfarth, Martin Groß
Lauflabor der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Str. 23
D-07743 Jena
Tel.: 03641 / 945730, 03641 / 945745
E-Mail: andre.seyfarth[at]uni-jena.de, martin.gross[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.lauflabor.uni-jena.de
http://locomorph.eu

Weitere Berichte zu: Bein Handicap Lauflabor Laufroboter Roboter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise