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Rhythmische Augenbewegungen gegen Angst vor dem Zahnarzt

29.09.2008
UKM-Studie untersucht Erfolg einer Therapiemethode bei Zahnbehandlungsangst

Zum Zahnarzt gehen: das ist für die meisten Menschen laut Umfragen eine eher unangenehme Angelegenheit. Etwa 11 Prozent der Bevölkerung reagiert jedoch schon beim Gedanken an einen Besuch beim Zahnarzt mit panischer Angst.

Diese ist nicht selten so groß, dass sie Zahnarzttermine immer wieder verschieben oder sogar jahrelang völlig vermeiden. Diese Menschen leiden unter einer so genannten Zahnbehandlungsphobie. An der Universitätsklinik Münster (UKM) wird im Bereich Psychosomatik in der Zahnheilkunde an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik seit einigen Monaten eine Studie durchgeführt, die Menschen helfen soll, ihre Angst vor dem Zahnarzt zu überwinden.

Untersucht wird eine psychotherapeutische Methode, genannt Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), die ursprünglich in den USA für die Traumabehandlung entwickelt wurde.

Inzwischen wird die Methode in den USA und den Niederlanden mit Erfolg auch bei der Therapie der Zahnbehandlungsangst eingesetzt. Die EMDR-Methode, die seit 2006 auch in Deutschland als psychotherapeutisches Verfahren von den Krankenkassen anerkannt ist, wird vor allem in der Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung eingesetzt, d. h. bei Menschen, die unter den Folgen belastender und traumatischer Erfahrungen leiden. Wenn ein besonders belastendes Ereignis, ein so genanntes Trauma, stattfindet, scheint das Nervensystem die Erinnerung an diese Situation mit allen Bildern, Gedanken und Gefühlen „einzufrieren“.

Im EMDR werden rhythmische Augenbewegungen angewendet, die helfen, den „Block“ im Nervensystem aufzuheben und eine Verarbeitung der Ereignisse ermöglichen. Klinische Erfahrungen sprechen für einen guten Behandlungserfolg auch bei Menschen mit Zahnbehandlungsphobie. Dies liegt vermutlich daran, dass die Angst vor der Zahnbehandlung häufig aufgrund belastender oder schmerzhafter Erlebnisse beim Zahnarzt oder bei anderen medizinischen Behandlungen entstanden ist.

Im Rahmen der Studie werden drei therapeutische Sitzungen à 90 Minuten durchgeführt. Teilnehmer lernen zunächst, sich mit Hilfe einer Imaginationsübung zu entspannen und das Gefühl innerer Sicherheit zu erleben. Danach folgt das Kernstück der Behandlung, die Bearbeitung belastender Erinnerungen. Dazu werden die Teilnehmer von der Therapeutin angeleitet, sich auf die Erinnerung zu konzentrieren und dann den Handbewegungen der Therapeutin mit den Augen zu folgen. Durch die Augenbewegungen werden abwechselnd beide Gehirnhälften stimuliert, was offenbar eine bessere emotionale Verarbeitung der Erinnerungen und damit auch eine Bewältigung der Angst ermöglicht.

Verhaltenstests und Untersuchungen, die die Aktivität der Hirnrinde messen, während der Patient Bildern, Tönen und Gerüchen eines Zahnarztbesuchs ausgesetzt ist, begleiten die mehrwöchige Studie. Im Anschluss können die Teilnehmer in der Zahnklinik eine Zahnreinigung durchführen lassen. Danach kann – falls nötig – die weitere Zahnbehandlung wieder beim Hauszahnarzt erfolgen. Sollten noch Ängste bestehen, werden die Teilnehmer auf ihren Wunsch hin in eine weiterführende ambulante Psychotherapie vermittelt.

In der laufenden Studie zeigen sich bereits erste Erfolge, die offenbar auch über einen längeren Zeitraum stabil sind: einige der bereits behandelten Teilnehmer berichteten drei Monaten nach Abschluss der Therapie, dass sie wieder entspannt und regelmäßig Zahnbehandlungen wahrnehmen können. „Wir glauben, dass eine gute Heilungschance besteht, so dass unsere Patienten nach Abschluss der Behandlung wieder zu einem Zahnarzt gehen können“, erklärt Prof. Dr. Stephan Doering, Leiter der Studie.

Doering und sein Team suchen noch weitere Teilnehmer. Interessierte Betroffene können sich an Diplom-Psychologin Vanessa Bisping wenden. Sie steht montags bis donnerstags von 8 bis 12 und donnerstags zusätzlich von 14 bis 15:45 Uhr unter der Telfonnummer 02 51-83-4 57 31 für ein erstes Informationsgespräch zur Verfügung.

Simone Hoffmann | Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de/

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