Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Revolutionäre HIV-Therapie mit Antikörpern in Sicht

04.11.2013
Lebenswichtige Teile des Virus werden angegriffen - Hoffen auf Impfung

Eine neue Behandlungsmöglichkeit gegen HIV hat noch nie dagewesene Auswirkungen auf das Virus, sagen die Harvard Medical School und das National Institute of Allergy and Infectious Diseases. Den Teams ist es gelungen, einen Hybriden aus Immundefizienz-Viren bei Menschen und Affen innerhalb von Tagen aus dem Blut von Affen zu entfernen.


HI-Virus: Forscher arbeiten unter Hochdruck an einer Impflösung (Foto: SPL)

Mutationsvielfalt im Griff

Diese Studienergebnisse könnten laut Experten wie Louis Picker und Steven Deeks die Suche nach einer Heilung für HIV revolutionieren. Es sei jedoch wahrscheinlich, dass das Virus so häufig mutiere, dass manche Menschen Viren in sich tragen, die gegen einen oder mehrere dieser Antikörper resistent sind, heißt es in einem Nature-Bericht.

Laut den Wissenschaftlern müssen nun Tests mit HIV-Patienten durchgeführt werden. Das Immunsystem produziert präzise abgezielte Antikörper zur Bekämpfung von HIV. Das Virus ist allerdings zu sehr raschen Mutationen in der Lage, um diesen Angriff abzuwehren. Jetzt wurden Antikörper entdeckt, die auf Teile von HIV abzielen, die beibehalten werden. Diese Teile sind wichtig für die Funktion des Virus.

Die Experten haben bereits erste Tests mit diesen Antikörpern durchgeführt. Rhesusaffen wurden mit dem SHIV-Virus infiziert, einer Kombination von HIV und der Entsprechung bei Affen. Daten des Harvard-Teams zeigten, dass eine Injektion mit den Antikörpern das Virus so weit aus dem Blut zurückdrängte, bis es nach drei bis sieben Tagen nicht mehr nachweisbar war. Diese Wirkung hielt zwischen einem und drei Monaten an. Bei drei der Tiere trat das Virus innerhalb der 250 Tage laufenden Studie nicht wieder auf.

Antikörper auch im Gewebe wirksam

Dan Barouch von der Harvard Medical School zufolge ist die Wirkung dieser Antikörper außergewöhnlich gut. Es sei jedoch sicherzustellen, dass der Hype nicht zu groß sei und dass diese Wirkung auch beim Menschen erzielt werden kann. Die Antikörper konnten das Virus auch in einigen Arten von Gewebe angreifen. Medikamente greifen das Virus normalerweise während der Behandlung im Blut an.

Das Virus kann sich aber auch in anderen Teilen des Körpers verstecken. Diese ersten Ergebnisse machen Hoffnung auf einen Einsatz von Antikörpern, die auch in Gewebe eingesetzt werden können. Ähnliche Ergebnisse wurden vom Team am National Institute of Allergy and Infectious Diseases erzielt.

Eine Infektion mit HIV kann bislang nicht geheilt werden. Die tägliche Einnahme von Medikamenten kann das Virus aber unter Kontrolle halten. Für Patienten besteht damit eine fast normale Lebenserwartung. Die neuen Antikörper sollen in klinischen Studien mit Patienten getestet werden. Sind diese Tests erfolgreich, könnten sie gemeinsam mit antiretroviralen Medikamenten eingesetzt werden. Es könnte sogar möglich sein, einen Impfstoff herzustellen, der das Immunsystem dazu bringt, diese Antikörper zu produzieren.

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://hms.harvard.edu
http://www.niaid.nih.gov

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften