Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Repräsentative Umfrage: Bevölkerung nutzt und schätzt den Schweizer Wald

20.02.2012
Eine neue Umfrage aus der Schweiz zeigt: Die Menschen gehen häufig in den Wald und sind mit diesen Aufenthalten zufrieden. Sie schätzen die vielfältigen Leistungen des Waldes für die Gesellschaft.

Der Schutz des Waldes und das Rodungsverbot sind ausserordentlich gut verankert. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung der Schweizer Bevölkerung zu ihren Ansprüchen an den Wald, welche die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL im Auftrag des Bundesamts für Umwelt durchgeführt hat.

Die repräsentative Bevölkerungsumfrage „Waldmonitoring soziokulturell“ untersucht die Einstellung der Bevölkerung, ihr Verhalten und ihr Wissen bezüglich waldspezifischer Themen. Sie wurde erstmals 1997 durchgeführt und 2010 wiederholt. Erste Grundlagen hatte 1978 eine Befragung geliefert. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL wertete die im Herbst 2010 vom Forschungsinstitut gfs-Zürich bei gut 3000 Personen in der ganzen Schweiz erhobenen Daten aus. Den Auftrag dazu hatte das Bundesamt für Umwelt BAFU erteilt.

Gleichzeitig hatte der Kanton Aargau die WSL beauftragt, die Einstellung der Aargauer Bevölkerung zum Wald vertieft zu untersuchen (siehe Kasten). Anlässlich einer Medienkonferenz am 17. Februar 2012 präsentierten BAFU-Vizedirektor Andreas Götz, Christoph Hegg, Stellvertretender Direktor der WSL, und Peter C. Beyeler, Regierungsrat des Kantons Aargau, in Bern die Ergebnisse beider Umfragen.

Waldbesuche entspannen

95 Prozent der Befragten erleben ihre häufigen Waldbesuche als entspannend. Und der Mehrheit gefällt der Wald, den sie jeweils besuchen. Generell gefallen den Menschen aus Laub- und Nadelbaumarten gemischte Wälder mit Lichtungen besser als dunkle mit dichtem Bestand. Sehr beliebt sind Waldgebiete mit Bächen oder Teichen. Für ihre Freizeitaktivitäten im Wald sind Erholungssuchende oft auf eine gewisse Infrastruktur im Wald angewiesen. Die neue Umfrage zeigt, dass Naturlehrpfade, Feuerstellen, Waldhütten und Unterstände, Bänke und Spielplätze besonders beliebt sind.

Im Vergleich zur Umfrage 1997 führen die unterschiedlichen Freizeitnutzungen häufiger zu Konflikten. Ein Indiz dafür ist, dass mehr Befragte sich gestört fühlten (siehe Faktenblatt „Erholung“).

Bevölkerung schätzt vielfältige Waldleistungen

Gemäss der Umfrage hat die Bevölkerung der Schweiz ein breites Verständnis der vielfältigen Waldleistungen und weiss diese zu schätzen. Wald sorgt für saubere Luft, produziert Holz, ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, schützt vor Naturgefahren und ermöglicht den Menschen, sich in einem naturnahen Umfeld zu bewegen und zu erholen. Diese Funktionen nannten die Befragten am häufigsten in dieser Reihenfolge auf die Frage, wozu unser Wald nützlich und notwendig sei.

Die Mehrheit der Interviewten ist zudem der Meinung, dass diese Leistungen zugunsten der Allgemeinheit etwas kosten dürfen. Beispielsweise sind ihnen die durch Subventionen mitfinanzierte Pflege von Schutzwäldern und der Naturschutz im Wald wichtig. Diese Einschätzung deckt sich mit der Waldpolitik des Bundes (siehe Faktenblatt „Multifunktionaler Wald“).

Produktionsfunktion ist wichtiger geworden

Die Holzproduktion ist heute bei der Bevölkerung stärker im Bewusstsein als bei der Umfrage 1997. 83 Prozent der Befragten finden die Holznutzung wichtig für die hiesige Wirtschaft, und nur jeder zehnte ist der Meinung, im Schweizer Wald würden zu viele Bäume geschlagen. Nur 22 Prozent unterstützen eine intensivere Nutzung; 1997 waren noch 45 Prozent für eine stärkere Nutzung gewesen. Die „Waldpolitik 2020“ des Bundesrates plädiert dafür, das nachhaltig nutzbare Holznutzungspotenzial auszuschöpfen (siehe Faktenblatt „Waldfläche, Rodungsverbot und Waldzustand“).

Gibt es genügend Wald?

Gemäss des Schweizerischen Landesforstinventars von 2006 sind in der Schweiz rund 12‘800 Quadratkilometer oder 31 Prozent der Landesfläche bewaldet. Die Mehrheit der Befragten findet, die bestehende Waldfläche sei entweder gerade richtig oder es gebe eher zu wenig Wald.

Die gesetzlich verankerte Pflicht zur Erhaltung des Waldes in seiner Fläche und räumlichen Verteilung stösst in der Bevölkerung auf breite Akzeptanz: 85 Prozent der Befragten stimmen dem Rodungsverbot zu. Allerdings wissen 70 Prozent der Leute nicht, dass die Waldfläche in der Schweiz insgesamt seit Jahrzehnten zunimmt.

Die früher vorherrschende Angst, der Wald könnte bald grossflächig absterben, ist mittlerweile einer eher optimistischen Einschätzung gewichen: Den Zustand des Waldes beurteilt 77 Prozent der Bevölkerung als eher gut. Bei der ersten Umfrage, 1997, waren noch rund 65 Prozent der Ansicht, der Zustand des Waldes habe sich in den vorangegangenen 20 Jahren verschlechtert (siehe Faktenblatt „Waldfläche, Rodungsverbot und Waldzustand“).

Reinhard Lässig | idw
Weitere Informationen:
http://www.wsl.ch/medien/news/WaMos2/index_DE

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften