Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rekrutierungskampagnen verfehlen ihr Ziel

02.02.2009
Neue Studie empfiehlt Auseinandersetzung mit Erwartungen der Kandidaten

Für die Studie "Kein Kandidat in Sicht? - Perspektivenwechsel vom Unternehmen zum Kandidaten" der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK) wurden 265 Studierende und Absolventen nach ihren Erwartungen an künftige Arbeitgeber befragt.

Diese Präferenzen wurden mit den Ergebnissen einer Inhaltsanalyse von mehr als 280 Anzeigen aus als aktueller Anzeigen aus den Jahren 2007 und 2008 im Rahmen von Arbeitgeberkampagnen verglichen. Der Vergleich zeige eindeutig, dass die aktuellen Kampagnen in der Mehrheit ihr Ziel verfehlen.

"Die Argumentationen ist meist zu undifferenziert, um wirksam zum Aufbau einer starken Arbeitgebermarke beizutragen", so der Projektleiter Prof. Dr. Lars Rademacher, Professor für PR- und Kommunikationsmanagement an der MHMK. Die für Kandidaten relevanten Themen und Aspekte würden kaum angesprochen.

Die ohnehin nicht stark ausgeprägte Glaubwürdigkeit der Unternehmenskommunikation im Recruiting-Bereich werde dadurch nochmals geschwächt. Denn wo Aussagen oder Leistungsversprechen vorläufig blieben, komme kein psychologisches Vertragsangebot an den potenziellen Mitarbeiter zustande, so Rademacher. "Zudem gehen die Erwartungen potenzieller Kandidaten in eine andere Richtung: Sie erwarteten sich qualitative Aussagen, die für ihre Arbeitgeberentscheidung relevant sind", betont Susanne Kamm, Unternehmensberaterin und Co-Autorin der Studie.

Auch unter dem Aspekt der Markenprofilbildung sei die Konzentration auf wenige, oft verwendete Argumente schädlich, so Kamm. Differenzierungspotenziale und neue Themen, die sich aktuell im Aufschwung befinden (z.B. das Thema Gesundheit) würden kaum zur Profilbildung genutzt. Die klassischen Themen wie Karriere und Internationalität hingegen würden von praktisch allen verwendet.

Zusammenfassend stellen die Autoren fest, dass die meisten Arbeitgeber ihre Zielgruppe nicht kennen. Eine der wichtigsten und für den langfristigen Erfolg des Unternehmens kritischsten Ressourcen - das Humankapital - werde vernachlässigt. Das sei umso erstaunlicher, da mit Zielgruppen- und Mediaforschung sehr differenzierte Modelle der Segmentierung existieren.

Deshalb empfehlen die Autoren den Personal suchenden Unternehmen nachdrücklich, sich stärker mit ihren Zielgruppen auseinanderzusetzen. Dazu entwickelten sie fünf Thesen zur Entwicklung des Employer Branding:

1) Die Anforderungen potenzieller Kandidaten an ihren Arbeitgeber wandeln sich: soziales und ökologisches Bewusstsein, eine positiv geprägte Unternehmenskultur, qualifizierte Aus- und Weiterbildungsangebote und ein offener Dialog über die Synchronisierung von beruflicher und privater Lebensgestaltung zählen inzwischen zum relevant set der Erwartungen.

2) Die Informationsbeschaffung der Kandidaten verändert sich radikal. In den virtuellen Dialogformen des Web 2.0 sorgt die Zielgruppe für authentische Informationen und Transparenz über potenzielle Arbeitgeber. Hier werden Erfahrungen und Einschätzungen ausgetauscht. Unternehmen sind heute darauf angewiesen, diesen Dialog indirekt durch werthaltige Informationsangebote positiv zu unterstützen.

3) Dynamik und Komplexität nehmen in der Gesellschaft deutlich zu. Kommunikation verlagert sich in autonom gesteuerte, mediale Prozesse. Hier sind die Arbeitgeber in ihrer Employer Branding-Arbeit zukünftig aufgefordert, weniger die Selbstdarstellung zu fokussieren und stärker Orientierung und Inhalte zu bieten.

4) Eine gesellschaftlich und ökologisch verantwortliche Haltung von Unternehmen ist ein wesentlicher Bestandteil für die Vertrauensbildung - auch bei potenziellen Mitarbeitern. Auch hier sind auf Arbeitgeberseite Konzepte zu entwickeln, wie eine konsistente Markenstrategie in diesem Segment aussieht.

5) Employer Branding Management ist ein hochdynamisches, strategisches Aufgabenfeld. Es richtet sich stark an die jüngeren Zielgruppen, die den kontinuierlichen Wertewandel im entscheidenden Maße mitgestalten und -prägen. Employer Branding, das den blinden Fleck auf die Lebenswirklichkeit und -wünsche seiner Zielgruppen legt, bleibt wirkungslos.

Autoren der Studie:
Susanne Kamm, Geschäftsführerin fischerAppelt Kommunikation München GmbH (bis 31.1.09)
Prof. Dr. Lars Rademacher, Dept. Medienmanagement, MHMK München
Nadine Remus M.A., Dept. Medienmanagement, MHMK München
Research Team: Marco Banov, Jonas Dellert, Sara Hopp, Eva Klosi, Nadine Lang, Vanessa Nettinger, Franziska Rohde, Florian Schießl

Das Forschungsprojekt "Professional Employer Branding" ist Teil des Forschungsschwerpunkts "Markendifferenzierung und Markenwahrnehmung" an der MHMK. Das Teilprojekt "Kein Kandidat in Sicht? - Perspektivenwechsel vom Unternehmen zum Kandidaten" wurde in Zusammenarbeit mit fischerAppelt Kommunikation München GmbH durchgeführt und von der Pape Consulting Group AG gefördert.

Über die MHMK
Die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK) zählt zu den führenden deutschen Privathochschulen. Sie wurde 2006 gegründet und vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst staatlich anerkannt. Mit Campus-Standorten in Berlin, Hamburg, Köln, München und Stuttgart ist die MHMK in den wichtigsten deutschen Medienzentren präsent. Ihr Ziel ist, die Medien-Macher von morgen auszubilden, die mit umfassender Kompetenz die Medienlandschaft 2020 prägen. Mit über 1.100 Studierenden in den vier Vollzeit-Studiengängen Medienmanagement, Digitale Medienproduktion, Film und Fernsehen und Journalistik und vierzehn Studienrichtungen deckt die MHMK das gesamte Spektrum der Medien ab. Alle Studiengänge sind durch die Akkreditierungsagenturen FIBAA bzw. Acquin geprüft und wurden ohne Auflagen zugelassen. Sie schließen nach 6 bzw. 7 Semestern mit dem international anerkannten Abschluss Bachelor of Arts (B.A.) ab. Die Masterstudiengänge Medien & Design und Medien- und Kommunikationsmanagement sowie ein Zentrum für angewandte Medienforschung sind für 2009 in Vorbereitung.

Ansprechpartner:

Nadine Remus, M.A.
Wiss. Mitarbeiterin
PR- und Kommunikationsmanagement
Tel. 089/ 544 151-897
Fax. 089/544 151-14
E-Mail: n.remus@macromedia.de

Jessica Schallock | idw
Weitere Informationen:
http://www.keinkandidatinsicht.de
http://www.macromedia-hochschule.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie