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Reisen mit MS - Hochschule Niederrhein entwickelt touristisches Angebot für Menschen mit Multiple Sklerose

15.07.2009
Für Menschen mit Multiple Sklerose (MS), einer mit starken körperlichen Beeinträchtigungen verbundenen Nervenerkrankung, hat die 26-jährige Dominica Buchelt an der Hochschule Niederrhein ein touristisches Angebot entwickelt, das es so bisher nicht auf dem Markt gibt.

Zugleich liefert sie der Tourismusbranche zahlreiche Hinweise, durch barrierefreie Angebote neue Kunden anzusprechen und zu gewinnen. Mit der Studie beendete die Allgäuerin gerade ihr Studium im Schwerpunkt Tourismus in Mönchengladbach bei Prof. Dr. Andreas Sandermann-Jain.

Die Symptome der Erkrankung können durch geeignete sportliche Betätigung, eine gesunde vollwertige Ernährung und aktive körperliche und geistige Entspannung positiv beeinflusst werden, so die Absolventin. Dies ermöglicht eine Steigerung der allgemeinen Lebensqualität der MS-Kranken, von denen es in Deutschland mehr als 120.000 gibt. Ebenso wie Gesunde verbinden sie mit Reisen Urlaub, Entspannen und das Entdecken fremder Länder. Darauf müssen sie nicht verzichten, so Dominica Buchelt, zumal die krankheitsbedingten Einschränkungen durch einen Ortswechsel und das bewusste Wahrnehmen von Natur und Kultur in den Hintergrund treten.

Wie die Studie betont, ist der Entschluss für oder gegen eine jeweilige Destination maßgeblich vom Klima des Ziellandes beeinflusst. Extreme Temperaturen wirken sich verschieden auf die Symptome der Krankheit aus. Feucht-heißes Klima kann die Schubbereitschaft des Körpers negativ beeinflussen, denn Wärme wirkt entzündungsfördernd. Bei zu kalten Temperaturen treten leichter Erkältungen auf, welche die Schubgefahr erhöhen können. Grundsätzlich werden kühle Temperaturen oder ein gemäßigtes Klima von den meisten MS-Betroffenen besser vertragen. In neun von zehn Fällen macht diesen Reisenden das Ermüdungs- und Erschöpfungs-Symptom zu schaffen. "Deswegen sollten streng organisierte Studien- und Erlebnisreisen vermieden werden. Vielmehr muss gewährleistet sein, dass der Reisende Ruhepausen einlegen kann, wann immer er sie benötigt", sagt die Autorin. Zu ihren Erkenntnissen gelangte sie auch über die Befragung von Betroffenen in Fokusgruppen-Interviews. Auch wenn die Ergebnisse wissenschaftlich nicht repräsentativ sind, so Prof. Dr. Sandermann, liefern sie Reiseveranstaltern doch wichtige Hinweise auf die zielgruppengerechte Ansprache.

Bei der Ausarbeitung des touristischen Angebots wurde darauf geachtet, dass MS-Betroffene mit Einschränkungen der Gehfähigkeit bis hin zur Angewiesenheit auf den Rollstuhl, Betroffene mit Einschränkungen der oberen Extremitäten, Betroffene mit eingeschränkter Sehfähigkeit und Betroffene mit kognitiven Einschränkungen das touristische Angebot selbstständig nutzen können. Die Beeinflussbarkeit der Symptome wird genutzt und ein geeignetes zusätzliches therapeutisches Angebot erarbeitet, um die Lebensqualität nachhaltig zu steigern. Sich anschließende Studien, so Professor Sandermann, sollen vor allem den Nutzen touristischer Angebote für die Verbesserung der Lebensqualität MS-kranker Menschen näher untersuchen.

Eine Zusammenfassung der Studie kann bei Prof. Dr. Andreas Sandermann, Fachbereich Oecotrophologie der Hochschule Niederrhein, Mail: andreas.sandermann@hs-niederrhein.de angefordert werden.

Rudolf Haupt | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-niederrhein.de/

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