Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Reichweite im 450.000-Kilometer-Praxistest

30.03.2015

Psychologen der TU Chemnitz haben erforscht, unter welchen Bedingungen Elektromobilität auch im Grenzbereich der Reichweite funktionieren kann

75 Berufspendler in und um Leipzig nutzten zwischen Mai 2013 und Dezember 2014 jeweils für drei Monate ein Elektroauto BMW ActiveE im täglichen Einsatz. Dabei legten sie rund 450.000 Kilometer zurück.

Die Professur Allgemeine und Arbeitspsychologie der Technischen Universität Chemnitz war für die wissenschaftliche Nutzerforschung verantwortlich. Gemeinsam mit ihren Projektpartnern – der BMW Group und den Stadtwerken Leipzig – untersuchten die Psychologen, wie ein Elektrofahrzeug mit einer heute üblichen Reichweite von rund 150 Kilometern auch im Grenzbereich der Reichweite komfortabel eingesetzt werden kann. Im Ergebnis empfanden mehr als 80 Prozent der Fahrer die verfügbare Reichweite als ausreichend für den Alltag.

Im Schnitt absolvierten die Nutzer rund 90 Kilometer pro Tag mit dem ActiveE. 38 Prozent fuhren im Mittel sogar mehr als 100 Kilometer, einzelne Nutzer bis zu 6.000 Kilometer in den ersten sechs Wochen. Als längste Fahrstrecke legte ein Fahrer 367 Kilometer an einem Tag zurück. Über den gesamten Zeitraum konnten 91 Prozent aller getätigten Fahrten mit dem Elektrofahrzeug ausgeführt werden. Der Hauptgrund der Nicht-Nutzbarkeit war in der Hälfte der Fälle erwartungsgemäß eine zu große geplante Gesamtfahrstrecke.

„Für uns war die Frage besonders spannend, wie die Nutzer den tagtäglichen Umgang mit ihrem Elektrofahrzeug und der verfügbaren Ladeinfrastruktur im Grenzbereich der Reichweite erleben“, erklärt Prof. Dr. Josef Krems, Inhaber der Professur Allgemeine und Arbeitspsychologie, und ergänzt: „Insgesamt zeigt sich, dass Elektromobilität auch für Nutzer funktioniert, die oftmals längere Strecken zurücklegen. Jedoch gibt es auch ein Potential für Assistenzkonzepte, welche die Interaktion mit der Reichweite noch weiter vereinfachen.“

Bestätigt hat sich die Annahme der Wissenschaftler, dass mit zunehmender Nutzungsdauer und Erfahrung die aufgrund der Reichweite erlebten Stresssituationen abnehmen – nach Gewöhnung an die Reichweite gab es im Durchschnitt nur noch 1,35 solcher Situationen pro Monat. Dabei kamen die Nutzer durchaus in den Grenzbereich der Reichweite: Im Mittel lag der geringste angezeigte Ladestand pro Nutzer bei sechs Prozent. Die Hälfte der Probanden fuhr sogar mindestens einmal auf unter vier Prozent.

Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, wie wichtig eine zuverlässige und nachvollziehbare Reichweitenanzeige ist, insbesondere für Strecken im Grenzbereich der Reichweite. Probanden, die ein hohes Vertrauen in die Reichweitenprognose entwickelten, zeigten auch deutlich weniger Reichweitenstress. Gleichzeitig entwickelten die Nutzer auf Basis ihrer Erfahrungen Verbesserungsvorschläge.

Beispielsweise, dass sich der Bezugszeitraum der Reichweitenprognose flexibler einstellen lassen sollte und dass dabei auch verschiedene Fahrertypen oder Fahrstile berücksichtigt werden sollten. Weiterhin würden die Nutzer von einer Reichweitenanzeige profitieren, die transparenter macht, welche Informationen wie stark in die Schätzung einfließen.

„Wir stehen als Projektteam gerade erst am Anfang der Auswertung der zahlreichen interessanten Daten. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse und darauf, welche Erkenntnisse sich daraus für eine nutzerzentrierte Weiterentwicklung nachhaltiger Elektromobilitätssysteme ableiten lassen“, so Dr. Thomas Franke, Mitarbeiter der Professur Allgemeine und Arbeitspsychologie.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) förderte das Forschungsprojekt im Rahmen des bayerisch-sächsischen Schaufensters ELEKTROMOBILITÄT VERBINDET. Die Professur Allgemeine und Arbeitspsychologie der TU Chemnitz forscht zu unterschiedlichen Themen im Bereich der Verkehrspsychologie, Elektromobilität und Usability. Wer als zukünftiger potenzieller Studienteilnehmer in der Probandendatenbank der Professur gelistet werden möchte, kann sich registrieren unter mytuc.org/dksz.

Kontakt: Dr. Thomas Franke, Professur Allgemeine und Arbeitspsychologie, Telefon 0371 531-37589, E-Mail thomas.franke@psychologie.tu-chemnitz.de

Katharina Thehos | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen
17.01.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie