Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regionale Ausbreitung der HIV-Epidemie ist dramatisch

30.11.2009
Weltweit sinkende Neuinfektionszahlen bedeuten keine Entwarnung
Prof. Brockmeyer: Forschung in Deutschland braucht Förderer

Die kürzlich von UNAIDS veröffentlichten Zahlen der Neuinfektionen mit HIV könnten Hoffnung wecken: So infizierten sich im Jahr 2008 ca. 2 Mio. Menschen, während es 1996 noch ca. 3,5 Mio. waren - das entspricht einem weltweiten Rückgang der HIV-Neuinfektionen um bis zu 30%.

"Diese Daten dürfen aber nicht über die anhaltende epidemiologische Gefahr von HIV/AIDS hinwegtäuschen", unterstreicht der Bochumer Forscher Prof. Dr. Norbert H Brockmeyer, Sprecher des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetzes HIV/AIDS anlässlich des Weltaidstages am 1. Dezember. "Denn Fakt ist auch, dass die Zahl der Menschen, die mit HIV/AIDS leben, stetig ansteigt."

Osteuropa und Zentralasien: Anstieg um 66%

Der Spezialist lenkt das Augenmerk vor allem auf die regionalen Unterschiede in der Verbreitung des Virus. So stieg die Anzahl der Infizierten zwischen 2001 und 2008 in Osteuropa und Zentralasien beispielsweise um 66%. In der Ukraine erhält nur etwa jeder fünfte Patient eine adäquate Therapie. Experten schätzen, dass in der Ukraine zwischen 30 und 50% der Drogenabhängigen HIV-positiv sind. Auch die Übertragungswege von HIV verändern sich hier: Erstmalig im letzten Jahr wurden die meisten Infektionen durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr übertragen. "Von einer Entwarnung darf aufgrund dieser alarmierenden Zahlen daher nicht die Rede sein", so Prof. Brockmeyer.

Regionale Unterschiede auch in Deutschland

"Wenn wir die regionalen HIV-Epidemien, wie etwa in der Ukraine, nicht in den Griff bekommen, bedeutet das für diese Regionen nicht nur eine menschliche Tragödie sondern gleichzeitig den gesundheitspolitischen und auch wirtschaftlichen Kollaps", so Prof. Brockmeyer. Auch in Deutschland sind die regionalen Unterschiede signifikant: Grundsätzlich ist eine erhöhte HIV-Prävalenz in Großstädten und Ballungsräumen festzustellen. Verglichen mit den anderen Bundesländern hat das bevölkerungsreichste Land NRW prozentual die meisten HIV-Erstdiagnosen zu verzeichnen. Nach Höhe der Anzahl der gemeldeten HIV-Erstdiagnosen pro 100.000 Einwohner in Städten steht Köln (mit einer HIV-Inzidenz von 18,09) an erster Stelle, es folgen Düsseldorf (12,64), Berlin (12,04), Frankfurt (11,95), München (11,66) und Hamburg (11,40).

8.000 Patientendatensätze dienen der Forschung

"Wir müssen regionale Strategien entwickeln, die deutsche Expertise der HIV-Forschung verstärkt anbieten und gleichzeitig vorantreiben", folgert Brockmeyer. Schließlich kommen die Fortschritte in der deutschen HIV-Forschung Betroffenen weltweit zugute. Im Kompetenznetz HIV/AIDS können dank der hier gesammelten Daten und Materialproben von über 8.000 Patienten wichtige klinische- und grundlagenwissenschaftliche Studien durchgeführt werden. Fragen etwa zur Wirkung und Nebenwirkung von Medikamenten, auch bei HIV-infizierten und -exponierten Kindern, zu HIV-Begleiterkrankungen oder über das zunehmend wichtige Thema "HIV im Alter" können durch gezielte Auswertungen der Patientenkohorte beantwortet werden.

Kompetenznetz braucht Unterstützung auch nach 2011

Möglich wird Forschung allerdings erst durch engagierte Förderer, wie etwa die Sparkasse Bochum, die jüngst durch eine großzügige Spende die Forschungsarbeit des Kompetenznetzes unterstützt. Auch im Hinblick auf die 2011 auslaufende Förderung des Netzes durch das BMBF sind Spenden wichtig. Dabei kommen die Gelder nicht nur der vernetzten HIV-Forschung in Deutschland zugute - von den Fortschritten, beispielsweise in der Medikamentenforschung, profitieren langfristig insbesondere die am stärksten von HIV/AIDS betroffenen Regionen. Das mögliche Ende des Kompetenznetzes HIV/AIDS im Jahr 2011, und die damit verschenkten wissenschaftlichen Ressourcen, wäre daher auch international gesehen eine falsche Entwicklung.

Literatur und Links

UNAIDS: AIDS Epidemic Update: November 2009, S. 7-8: http://data.unaids.org/pub/Report/2009/2009_epidemic_update_en.pdf (25.11.09)
UNAIDS: AIDS Epidemic Update: November 2009, S. 48.
Kruglov et al.: The most severe HIV epidemic in Europe: Ukraine's national HIV prevalence estimates for 2007. Sexually Transmitted Infections,: http://sti.bmj.com/content/84/Suppl_1/i37.full (25.11.09).
Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin, Sonderausgabe A / 2008, S. 10: http://www.rki.de/cln_100/nn_196014/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2008/Sonde... (26.11.09).

Informationen über die laufenden Studien im Komeptenznetz HIV/AIDS: http://www.kompetenznetz-hiv.de

Weitere Informationen

Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer, Sprecher Kompetenznetz HIV/AIDS, Direktor Forschung und Lehre, Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum, Tel.: 0234-509 3471, 74, Fax: 0234-509 3472, 75

n.brockmeyer@derma.de

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften