Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ready for Take Off: Marktmacht von Flughäfen

24.02.2014
Neben Start- und Landebahnen sind Flughäfen vor allem eines: Motor für die Wirtschaftsregion im Umfeld des Verkehrsdrehkreuzes.

Unternehmen und Dienstleister siedeln sich an und profitieren von der Marktmacht des Flughafens. Prof. Dr. Andreas Polk und Prof. Dr. Jürgen Müller von der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin haben im Auftrag der Niederländischen Wettbewerbsbehörde (NMa) an einem Gutachten mitgewirkt, das zur Entwicklung des viertgrößten europäischen Flughafens, Schiphol in Amsterdam, herangezogen wird. Wichtige Ergebnisse dieser Studie sind nun in internationalen Fachzeitschriften erschienen und haben Bedeutung für andere Drehkreuz-Flughäfen.

Kern der umfangreichen Studie, an der die beiden Wirtschaftsprofessoren der HWR Berlin gemeinsam mit Experten aus dem In- und Ausland arbeiteten, ist die Analyse der Marktmacht, die vom Drehkreuz-Flughafen Schiphol nahe der niederländischen Hauptstadt ausgeht. Mit einer durchschnittlichen Höhe von rund drei Metern unter dem Meeresspiegel ist er der niedrigste Flughafen Europas, doch wenn es um Passagieraufkommen und Frachtumschlag geht, rangiert Schiphol auf der Liste der weltweit bedeutendsten Airports ganz oben. Schiphol dient als Drehkreuz für die fusionierte Air France-KLM und drei niederländische Fluggesellschaften, bietet Anschluss an zahlreiche europäische und interkontinentale Verbindungen im Passagier- und Frachtverkehr und ist direkt angebunden an das europäische Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsnetz. Neben den europäischen Zielen sind vor allem die Flüge nach Bangkok, Detroit, Minneapolis, New York sowie Tokio von internationaler Bedeutung.

Im Auftrag der niederländischen Wettbewerbsbehörde untersuchte das internationale Expertenteam unter Leitung der Berliner Wissenschaftler die von dem Flughafen ausgehende Marktmacht. Gegenstand der Untersuchung ist die Identifikation und ökonomische Analyse der vom Flughafen bedienten Märkte und die Beurteilung der Marktposition gegenüber Fluggesellschaften und konkurrierenden Flughäfen. Die Forscher nahmen qualitative Analysen vor und erstellten empirische Auswertungen über die Einzugsgebiete des Amsterdamer Flughafens.

Wichtige Erkenntnisse aus dieser Studie sind nun in begutachteten internationalen Publikationen veröffentlicht worden, darunter in:

  • Bilotkach, Polk (2013), „Market power of airports: A case study for Amsterdam airport Schiphol“, Competition and Regulation in Network Industries, Vol. 14(4), 320–337.
  • Polk, Bilotkach (2013), „The Assessment of Market Power of Hub Airports“, Transport Policy, Vol. 29, 29–37.
  • Bilotkach, Müller (2012), "Supply side substitutability and potential market power of airports: Case of Amsterdam Schiphol", Utilities Policy, Vol. 23, 5–12.

Die Studie und die daraus resultierenden Ergebnisse haben Bedeutung über den Flughafen Amsterdam hinaus. Auch durch die Etablierung als Drehkreuz-Flughafen und damit die bessere Erreichbarkeit Amsterdams konnte die Metropole sich nach und nach eine zentrale Stellung im Weltwirtschaftssystem erarbeiten. Dies wiederum hat Auswirkung auf die Standortwahl bei der Ansiedlung neuer Unternehmen, von Konzernzentralen und Dienstleistern. Das große Angebot an günstigen Flügen beeinflusst zudem die Lenkung des Fremdenverkehrs.

Dieses Potential wollen die Wirtschaftswachstumsregionen Asiens ebenfalls nutzen. Als Mega-Drehkreuze der Zukunft gelten bereits heute Hongkong, Kanton, Shanghai, Peking, Taipei, Saigon und Hanoi. Auch in Mumbai, Neu-Delhi, Bengaluru und Jakarta sollen international bedeutsame airport hubs entstehen. Dem müssen die etablierten europäischen Luftverkehrsdrehkreuze wie Schiphol mit den angeschlossenen Märkten etwas entgegensetzen und ihre Strategie wettbewerbs- und damit auf lange Sicht zukunftsfähig machen.

Die Wissenschaftlerkommission warnt davor, dass Flughäfen, die in vielen Fällen über Marktmacht verfügen, aber gleichzeitig als wichtiger Dienstleister für die Region fungieren, diese nicht zum Nachteil der Kunden und damit der gesamten Region ausnutzen. Aus diesem Grunde unterliegen Flughäfen in vielen Ländern einer staatlichen Regulierung, die sich jedoch zum Teil sehr von einander unterscheiden. Ziel der vorgelegten Studie und der daraus entstandenen Forschungsbeiträge ist es daher, das Ausmaß der Marktmacht eines Flughafens zu messen. Empfehlungen aus dem Gutachten wurden bei der Ausgestaltung der gegenwärtigen Regulierung des Amsterdamer Flughafens Schiphol berücksichtigt.

Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin ist mit rund 10 000 Studierenden eine der großen Hochschulen für angewandte Wissenschaften Berlins – mit ausgeprägtem Praxisbezug, intensiver und vielfältiger Forschung, hohen Qualitätsstandards sowie einer starken internationalen Ausrichtung. Das Ausbildungsportfolio umfasst privates und öffentliches Wirtschafts-, Verwaltungs-, Rechts-, und Sicherheitsmanagement sowie Ingenieurwissenschaften. Diese Kompetenzen fließen fachbereichsübergreifend in Lehre und Forschung der mehr als 50 Studiengänge auf Bachelor-, Master- und MBA-Ebene ein. Die HWR Berlin unterhält aktuell rund 160 aktive Partnerschaften mit Universitäten auf allen Kontinenten und ist Mitglied im Hochschulverbund „UAS7 – Alliance for Excellence“. 

Kontakt
Prof. Dr. Andreas Polk
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Tel.: +49 (0)30 30877-1162
E-Mail: polk@hwr-berlin.de

Ansprechpartnerin für Journalist/innen
Sylke Schumann
Pressesprecherin
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Tel.: +49 (0)30 30877-1220
E-Mail: presse@hwr-berlin.de

Sylke Schumann | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.hwr-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics