Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rauf mit den Pfunden, runter mit den Kilos

23.06.2010
Gewichtsreduzierung durch künstliche Höhenluft oder ist eine Operation der letzte Ausweg?

Übergewicht (lat. Adipositas) stellt in den westlichen Industrieländern ein großes Erkrankungs- und Sterblichkeitsrisiko dar. Viele Krankheiten, wie z.B. Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Zuckerkrankheit und auch orthopädische Probleme stehen mit Übergewicht in Verbindung.

Helfen operative Möglichkeiten?

Die Versuche, das Gewicht zu reduzieren, sei es durch Anpassung der Lebensweise in Form von Diäten oder auch durch die Zuhilfenahme von Medikamenten, führt bei vielen Betroffenen häufig nicht zu dem gewünschten Erfolg. „Viele schaffen damit sechs bis acht Kilo, aber eben nicht mehr“, sagt Dr. Reinhold Lang, Oberarzt in der Chirurgischen Klinik am Klinikum der Universität München.

„Zunächst absolviert der Patient eine Tournee, bei der ein Stoffwechselspezialist prüft, ob eine Stoffwechselstörung vorliegt. Ein Psychiater soll eine Essstörung ausschließen. Erst dann, und wenn der BMI über 40 liegt, planen wir den chirurgischen Eingriff“, ergänzt Dr. Lang. Magenband, Schlauchmagen und Magen-Bypass sind die klassischen Möglichkeiten. Aber die Krankenkassen erstatten nicht generell adipositas-chirurgische Eingriffe. „Zur Adipositas-Therapie gehört aber auch die intesive Begleitung des Patienten in psychotherapeutischer Hinsicht und in Schulungen zur Ernährung. Das Risiko an Diabetes mellitus Typ II zu erkranken ist sehr hoch“, erläutert Dr. Marc Slawik.

Macht Bergluft für immer schlank und können so die Risiken von Schlaganfall, Herzinfarkt und Diabetes reduziert werden?

Es ist allgemein bekannt, dass Bergsteiger in großen Höhen starke Gewichtsabnahmen zu verzeichnen haben. Dieses wird einerseits durch Anstrengung verursacht, andererseits durch Beeinflussung des Appetitempfindens und auch allein durch den Aufenthalt in der Höhe (Hypoxie).

Im Rahmen einer Studie (Schobersberger et al. 2003) konnte nachgewiesen werden, dass ein dreiwöchiger Aufenthalt in einer Höhe von 1700m mit einem gemäßigten Aktivitätsprogramm bei Patienten mit metabolischem Syndrom zu einer positiven Beeinflussung von Körpergewicht, Blutdruck und Laborparametern führt.

Eine kürzlich durchgeführte Untersuchung an der Uniklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigte, dass der Aufenthalt in einer Höhe von 2650m auch ohne körperliche Betätigung eine Gewichtsabnahme mit sich bringt (Lippl et al, Obesity 2010).

In einer gerade begonnenen Studie soll zum einen untersucht werden, „ob auch zwei Stunden pro Tag in simulierter Höhenluft (Hypoxiekammer, entsprechend 3500m Höhe) ausreichen, um eine Gewichtsreduktion hervorzurufen, zum anderen ob ebenfalls eine positive Beeinflussung des Blutdrucks und verschiedener Laborwerte verzeichnet werden kann“, stellen Dr. Florian Lippl und Dr. Rainald Fischer, Ernährungsmediziner im LMU-Klinikum zur Diskussion.

Die Ergebnisse bieten nicht nur eine Grundlage für weitere, größere Studien, sondern dienen auch direkt den Probanden. Die gewonnenen Erkenntnisse können dazu beitragen, eine neue Therapieoption für an Übergewicht leidenden Personen zu entwickeln.

„Gutes“ und „schlechtes“ Fett - BMI contra WHtR

In der 2010 veröffentlichten Studie (JClinEndocrin Metab, April 2010) über den Aussagewert von BMI zu gesundheitlichen Risiken wie Schlaganfall oder Herzinfarkt kommt Dr. Harald Schneider zum Ergebnis, „dass der BMI keine aussagekräftigen Werte liefert. Für eine Einschätzung des Risikofaktors, ob eine übergewichtige Person einem überhöhten Risiko ausgesetzt ist, ist der WHtR (Waist-to-hight ratio)-Faktor von größerer Bedeutung.“ Dieser sagt etwas über die Fettverteilung im Körper aus. Danach liegen die „guten“ Fettpolster im Hüft- und Oberschenkelbereich, die „schlechten“, mit einem Risiko für die Gesundheit behafteten, im vorderen Bauchbereich. Der Index aus Körpergröße zu Taillenweite gibt das Risiko an.

Ansprechpartner für die Pressevertreter:

PD Dr. Rainald Fischer, Pneumologie, Medizinische Klinik Innenstadt
Email Rainald.Fischer@med.uni-muenchen.de
PD Dr. Reinhold Lang, Adipositaschirurgie, Chir. Klinik Großhadern
Email Reinhold.Lang@med.uni-muenchen.de
Dr. Florian Lippl, Ernährungsmedizin, Medizinische Klinik Innenstadt
Email Florian.Lippl@med.uni-muenchen.de
PD Dr. Harald Schneider, Endokrinologie, Medizinische Klinik Innenstadt
Email Harald.Schneider@med.uni-muenchen.de
Dr. Marc Slawik, Endokrinologie, Medizinische Klinik Innenstadt
Email Marc Slawik@med.uni-muenchen.de
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2008 an den Standorten Großhadern und Innenstadt etwa 500.000 Patienten ambulant, poliklinisch, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt 9.800 Beschäftigten sind rund 1.700 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2008 etwa 64 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.
Philipp Kreßirer
Leitung Kommunikation und Medien
Klinikum der Universität München
Lindwurmstr. 2a
80337 München
Tel: 089 / 5160-8070
Fax: 089 / 5160-8072
E-Mail: philipp.kressirer@med.uni-muenchen.de

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie