Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Raucht mein Kind mit? – Passivrauch ist nachweisbar

26.10.2010
Studienteam der Uni Greifswald befragte 2.660 Familien mit Kleinkindern´zum Rauchverhalten

Im Rahmen der Familienstudie „Verringerung der Passivrauchbelastung bei Kleinkindern“ konnte bei mehr als der Hälfte der Kinder aus 922 Familien Rückstände des Nikotin-Abbauproduktes Kotinin im Urin nachgewiesen werden.

Ein Anteil von 43 Prozent der Urinproben war frei von Passivrauchbelastung, 34,3 Prozent zeigten eine geringere Belastung und 22,7 Prozent eine hohe Belastung von mehr als 40 Nanogramm Kotinin pro Milliliter Urin. Überraschend war, dass bei 231 Kindern, deren Eltern angegeben hatten, nie in den Wohnräumen zu rauchen, eine Passivrauchbelastung nachgewiesen werden konnte.

Seit drei Jahren untersucht das Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin der Universität Greifswald unter Leitung von Dr. Sabina Ulbricht in einer großen Studie die Passivrauchbelastung bei Kleinkindern in Haushalten mit mindestens einem rauchenden Elternteil (http://idw-online.de/pages/de/news303760). Dazu wurden alle Familie ausgewählter Regionen in Ost- und Nordvorpommern (Greifswald/Stralsund/ Usedom/Grimmen) mit mindestens einem Kind unter vier Jahren angeschrieben. Insgesamt waren 2.660 Familien bereit, Auskunft zu gesundheitsbezogenen Themen und zum Rauchverhalten zu geben. In 48 Prozent der befragten Familien lebte mindestens ein Raucher im Haushalt.

Die Antwort auf die besorgte Frage vieler Eltern, ob bei ihrem Kind Tabakrauch ankommt, selbst wenn nur auf der Terrasse oder auf dem Balkon geraucht wird, kann teilweise bejaht werden. „Trotz dieser Vorsicht kann es zu nachweisbaren Rückständen bei den Kindern kommen“, so ein erstes Fazit der Studienleiterin, Dr. Sabina Ulbricht. „Am höchsten ist die Passivrauchkonzentration jedoch bei Kindern, deren Eltern direkt in den Wohnräumen rauchen.“

In zahlreichen persönlichen und telefonischen Gesprächen mit den Müttern und Vätern wurde während der Studie immer wieder informiert, dass allein das Lüften über Nacht nicht ausreicht, um Rückstände des Rauchens vom Vorabend zu beseitigen. Da sich Kleinkinder aufgrund der engen Bindung an die Eltern in den ersten Lebensjahren bevorzugt dort aufhalten, wo die Eltern sind, ist auch die Beschränkung beim Rauchen auf einen Raum in der Wohnung kein zuverlässiger Schutz für das Kind. Zu wenig beachtet wird in vielen Familien bislang die Schädlichkeit des Rauchens im Auto, auch wenn nur geringe Strecken wie beispielsweise zur Kindertagesstätte zurückgelegt werden.

Beeindruckend für die acht Studienmitarbeiter war es zu erfahren, wie viel Überzeugungsarbeit junge Eltern zum Teil bei Großeltern, Bekannten und Freunden leisten, um Tabakrauch in der Nähe des Kindes zu vermeiden.

Bis zum Ende des Jahres erhalten alle Familien, die im Rahmen dieser Studie Auskunft zu gesundheitsrelevanten Themen gegeben haben, eine kurze Zusammenfassung erster Ergebnisse.

Anfang nächsten Jahres werden die abschließenden Studienergebnisse erwartet, die Auskunft geben, ob die Passivrauchbelastung bei Kindern aus den teilnehmenden Familien durch ein Beratungs- und Informationsangebot tatsächlich gesenkt werden konnten. Nach jeweils einem Jahr wird eine zweite Urinprobe von den Kindern aus Familien mit Rauchern genommen. In zwei unterschiedlichen Gruppen, eine erhält eine intensive Beratung, die andere keine weiteren Hinweise, soll der Erfolg der Beratungsgespräche anhand der Kotininbelastung gemessen werden.

„Zentrales Anliegen der Studie ist es, effektive Mittel und Wege in der Informationsarbeit zu finden, um die Passivrauchbelastung für Kleinkinder deutlich zu reduzieren“, so die Greifswalder Wissenschaftlerin.

Universitätsklinikum Greifswald
Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin
Direktor: Prof. Dr. Ulrich John
Walther-Rathenau-Straße 48, 17475 Greifswald
Projektleiterin: Dr. Sabina Ulbricht
T +49 3834 86-77 32
E ulbricht@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-greifswald.de/epidem/
http://www.klinikum.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie