Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rattenweibchen brauchen Freiraum für die Liebe. Paarungsbedingungen bestimmen Gefühle nach dem Sex

14.09.2011
Ein Forscherteam der Universität Regensburg um Prof. Dr. Inga Neumann und Kewir Nyuyki vom Institut für Zoologie konnte nachweisen, dass das körperliche und seelische Wohlbefinden nach einer Paarung bei weiblichen Laborratten von den Paarungsbedingungen abhängt.

Neumann und Nyuyki zeigten, dass Sex bei Rattenweibchen nur dann beruhigend und stressreduzierend wirkt, wenn sie sich nach der Kopulation zurückziehen können, ohne dass ihnen das Männchen folgen kann, und sie damit eine selbstbestimmte Kontrolle über die Paarungsfrequenz haben.

Sex hat zahlreiche positive Effekte auf die psychologische und physiologische Verfassung von Menschen und Tieren. So stellt sich beim Menschen nach dem Koitus ein Gefühl der Gelassenheit und Entspannung ein. Denn Sex aktiviert im Gehirn den Botenstoff Oxytocin, der nicht nur das Sexualverhalten reguliert, sondern zudem das subjektive Stressempfinden sowie Angst- und Furchtreaktionen dämpft.

Auch bei Laborratten konnte die Gruppe um Neumann vor kurzem beobachten, dass das messbare Angstverhalten von männlichen Nagern nach sexueller Aktivität noch bis zu vier Stunden verringert ist. Vor diesem Hintergrund gingen die Forscher nun der Frage nach, welche Zusammenhänge zwischen Sex, Stress bzw. Angst sowie Oxytocin bei weiblichen Laborratten bestehen.

Bei weiblichen Nagern besteht Paarungsbereitschaft nur während des sogenannten Östrus, einem Zyklusstadium mit hohem Östrogen-Spiegel. In dieser Phase ist das Angstverhalten des Weibchens reduziert; offensichtlich eine wichtige Voraussetzung, um einem oft sehr viel größeren und stärkeren Männchen die körperliche Annäherung zu erlauben, ohne gleich davon zu laufen.

Allerdings zeigten die paarungsbereiten Rattenweibchen im Rahmen der Untersuchungen der Regensburger Forscher ein wiederum erhöhtes Angstverhalten nach dem Sex, wenn sie in einem Käfig gepaart wurden, der für sie kein Entrinnen zuließ. Dem gegenüber verminderte sich der Stress für die Weibchen bzw. deren Angst, sofern sie sich in einem 2-Kammer-Käfig paarten, der einen Rückzug des Weibchens vom größeren Männchen nach der Kopulation erlaubte. Nur unter der Bedingung, dass die Rattenweibchen die Paarungsfrequenz selbst bestimmen konnten und nur zum Männchen gehen, wenn sie paarungsbereit sind, stieg die Freisetzung des stressreduzierenden Botenstoffes Oxytocin im Hypothalamus (Zwischenhirn) an.

Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass das körperliche Wohlbefinden bei Rattenweibchen nach der Paarung von den Umwelt- und Paarungsbedingungen und insbesondere von der Möglichkeit der Selbstbestimmung der sexuellen Aktivität abhängt. Die Ergebnisse der Regensburger Forscher sind vor kurzem in der international renommierten Fachzeitschrift „PLoS ONE“ unter dem Titel „Yes, I Am Ready Now: Differential Effects of Paced versus Unpaced Mating on Anxiety and Central Oxytocin Release in Female Rats“ erschienen (DOI: 10.1371/journal.pone.0023599).

Ansprechpartnerin für Medienvertreter:
Prof. Dr. Inga Neumann
Universität Regensburg
Institut für Zoologie
Tel.: 0941 943-3055
Inga.Neumann@biologie.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0

07.12.2016 | Informationstechnologie