Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rache im Netz - Cybermobbing an Schulen

26.07.2013
Ergebnisse des Forschungsprojekts "Cybermobbing an Schulen": Ein Drittel der befragten Schüler betroffen / Täter oft auch Opfer

Die Verbreitung von Cybermobbing an Schulen ist bislang eher unterschätzt worden, wie die Daten einer groß angelegten Befragungsstudie der Universitäten Münster und Hohenheim an 33 Schulen im süddeutschen Raum nahelegen: Ein Drittel der 5656 befragten Schüler ist davon betroffen.

Das Spektrum reicht von beleidigenden Mails über das Hochladen von peinlichen Videos auf YouTube bis hin zum Online-Pranger über Facebook. Die Studie zeigt aber auch: Besonders verletzende Formen des Cybermobbing sind vergleichsweise selten. Die Befragung ist Teil des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts "Cybermobbing an Schulen".

Am weitesten verbreitet sind beleidigende Nachrichten (14,5 Prozent der Befragten gaben an, beleidigende Nachrichten zu schreiben) sowie das Weiterleiten vertraulicher Informationen an Dritte (7,9 Prozent). Für die breite Öffentlichkeit zugängliche Formen von Cybermobbing wie das Hochladen peinlicher Bilder und Videos bei YouTube kommen dagegen eher selten vor (1,9 Prozent). Bei den Opfern von Cybermobbing zeigt sich ein ähnliches Bild: Beleidigungen, das Weiterleiten vertraulicher Informationen und das Verbreiten von Gerüchten sind die am häufigsten berichteten Erfahrungen.

Cybermobbing-Täter können auch Opfer sein

Die Studie zeigt, dass eine klare Unterscheidung zwischen Tätern und Opfern nicht immer möglich ist. Viele Jugendliche berichten, dass sie selbst Opfer wurden, gleichzeitig aber auch andere über das Internet gemobbt haben. Etwa ein Drittel der Betroffenen gehört zu dieser "Täter/Opfer"-Kategorie, während sich der Rest der Betroffenen jeweils zur Hälfte auf die Täter- und die Opfer-Kategorie verteilt. Mit Blick auf die Schulformen ist die Mischgruppe dieser "aggressiven Opfer" besonders auffällig: Mit 19,8 Prozent ist an den Hauptschulen der Anteil der Täter/Opfer deutlich größer als an den Realschulen (11,3 Prozent) und Gymnasien (8,4 Prozent). Bei den Tätern (ohne eigene Opfererfahrungen) sind die Werte zwischen den Schulformen dagegen vergleichbar und liegen zwischen elf und zwölf Prozent.

Cybermobbing wird für Racheaktionen eingesetzt

In der Studie wurde das Cybermobbing auch mit traditionellem Schulmobbing verglichen. Dabei zeigt sich, dass das Verhältnis zwischen Tätern und der Täter/Opfer-Gruppe beim traditionellen Mobbing ein anderes ist als beim Cybermobbing. Projektleiter Prof. Dr. Thorsten Quandt vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster sagt zu diesem Ergebnis: "Das Verhältnis ist beim Cybermobbing deutlich zur Mischkategorie hin verschoben. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass sich das Internet besonders gut für Racheaktionen eignet, wenn man selbst Opfer wurde. An den untersuchten Hauptschulen war dieses Muster besonders auffällig: Die Hauptschüler nutzen das Netz häufiger als Plattform, um sich zu rächen und nach einer erlittenen Mobbing-Attacke virtuell zurückzuschlagen."

Cybermobbing nimmt mit der Klassenstufe zu

Cybermobbing ist zwar bereits bei jüngeren Schülern ein bekanntes Phänomen, doch es nimmt mit den Klassenstufen deutlich zu: Während in der siebten Klassenstufe rund acht Prozent der Schüler als Cybermobbing-Täter gelten können, steigt der Anteil danach deutlich an und liegt in der zehnten Jahrgangsstufe bei über 14 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung konnte auch für die Gruppen der Täter/Opfer sowie der reinen Opfer festgestellt werden – die Zahlen nehmen mit den Klassenstufen zu.

Studienleiterin Ruth Festl, die die Befragung vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Hohenheim aus durchgeführt hat, vermutet einen medienbedingten Effekt: "Generell zeigen unsere Ergebnisse, dass Cybermobbing eher zwischen älteren Schülern stattfindet. Beim traditionellen Mobbing ist das nicht der Fall. Eine Erklärung liegt möglicherweise in der höheren Medienkompetenz älterer Jugendlicher. Außerdem nutzen die Älteren das Internet vermehrt ohne elterliche Kontrolle." Das bedeutet: Ältere Jugendliche wissen, wie man das Internet für Attacken nutzen kann, und die Eltern haben gleichzeitig keinen Einblick mehr, was die Jugendlichen im Netz tun.

Langfristig angelegtes Forschungsprojekt

Das Projekt "Cybermobbing an Schulen" widmet sich langfristig der Erforschung von Mobbing-Phänomenen über das Internet. Als universitäre Grundlagenforschung sollen unabhängig von Interessen Dritter zentrale Fragen zum Cybermobbing beantwortet werden: Welche Mechanismen und Motive stecken hinter Cybermobbing? Welche Rollen spielen die Mediennutzung der Schüler und ihr soziales Umfeld? Dazu werden im Rahmen einer sogenannten Panelstudie bis 2015 rund 6000 Schüler insgesamt drei Mal differenziert zu ihrem Online-Verhalten und ihren Erfahrungen befragt. So sollen nicht nur kurzfristige Effekte von Cybermobbing identifiziert, sondern auch dahinter liegende Dynamiken und Muster erforscht werden. Auf der so abgesicherten Grundlage können dann sinnvolle und passgenaue Präventionsmaßnamen entwickelt werden.

Pressestelle der Universität Münster
Christina Heimken
Schlossplatz 2, 48149 Münster
christina.heimken@uni-muenster.de
+49 251 83-22115

Christina Heimken | Universität Münster
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/Kowi/forschen/projekte/cyber-mobbing-an-schulen.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten