Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Hier will ich wohnen bleiben" - Projekte zur Alternsforschung

17.11.2009
Wie können Menschen im Alter ihre Selbständigkeit und ihre Lebensqualität erhalten? Diese Frage interessiert den Frankfurter Alternsforscher Prof. Frank Oswald besonders.

Im Spätsommer hat der 45-jährige Psychologe die Stiftungsprofessur der BHF-BANK-Stiftung für Interdisziplinäre Alternswissenschaften an der Goethe-Universität übernommen, jetzt stellte er seiner bisherigen Arbeit an der Universität Heidelberg vor und erläuterte seine Forschungsperspektiven für die nächsten Jahre in Frankfurt.

Mit Oswald hat die Universität einen ausgewiesenen Wissenschaftler berufen, der national und international auf dem Feld der interdisziplinären Alternsforschung vernetzt ist. In Studien auf europäischer Ebene hat Oswald in den vergangenen Jahren gemeinsam mit Medizinern, Soziologen und Ergotherapeuten unter anderem untersucht, wie es um die außerhäusliche Mobilität im Alter ab 65 plus und das Wohnen im sehr hohen Alter ab 80 plus bestellt ist und welche Risiken das Alleinleben für den Erhalt der Selbständigkeit bedeutet.

Ein wichtiges Ergebnis: Mobilität außerhalb der eigenen vier Wände ist nicht nur von den körperlichen Fähigkeiten abhängig, sondern ebenso von der eigenen Einstellung und dem Sicherheitsgefühl. Je stärker sich ein älterer Mensch mit seiner Umgebung verbunden fühlt, desto selbständiger ist er und desto besser geht es ihm; objektive Wohnbedingungen spielen dabei zwar auch eine Rolle, aber nicht immer die Hauptrolle.

Der Wunsch, in der eigenen Wohnung und der angestammten Nachbarschaft zu bleiben, ist bei älteren Menschen sehr ausgeprägt und könnte zukünftig verstärkt durch technische Unterstützung wie Orientierungshilfen, Erinnerungshilfen und mobile Notrufsysteme erleichtert werden. "Wir müssen erforschen, wie diese Angebote wahrgenommen werden, wo die Grenzen der sinnvollen Nutzung liegen und wie die zukünftigen Generationen der Alten damit umgehen werden. Das DFG-Projekt 'SenTra' (für 'Senior Tracking'), an dem Oswald beteiligt ist, setzt beispielsweise moderne Technologien wie GPS-Syteme ein, um die Mobilität von Dementen, älteren Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen und gesunden Alten zu vergleichen. In diesem interdisziplinären Projekt arbeiten Alternsforscher mit Psychologen, Geographen, Medizinern, Sozialarbeitern und Juristen aus Israel und Deutschland zusammen.

Oswald plant mit seinem Forscherteam, zu dem die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Ines Himmelsbach und der Psychologe Dr. Roman Kaspar gehören, in Frankfurt ein Projekt mit dem Titel 'Hier will ich wohnen bleiben'. "Wir wollen mit diesem Projekt einen Beitrag dazu leisten, bestmögliche Bedingungen für ein Wohnen im Stadtteil bis ins sehr hohe Alter für die große Gruppe privat wohnender Älterer zu gewährleisten", so der Alternsforscher. Er will dabei an den vielfältigen bestehenden Aktivitäten in Frankfurt anknüpfen und Praktiker zur aktiven Mitarbeit einladen. "Auch die älteren Bewohner werden wir einbinden; wir planen, etwa 600 Bürger zwischen 70 und 80 Jahren und zwischen 81 und 90 Jahren zu befragen. So versuchen wir, in Erfahrung zu bringen, wie die bauliche Wohnumwelt, soziale Kontakte, Alltagshandlungen und die Verbundenheit mit dem Stadtteil zusammenhängen und welchen Einfluss das auf gesundes Altern hat." Nach zwei Jahren will Oswald mit seinem Team eine Schwachstellen- und Ressourcenanalyse für die ausgewählten Stadtteile vorlegen.

Zwar bleiben alte Menschen im Durchschnitt deutlich länger fit und gesund, doch sollte es ein Ziel des Älterwerdens sein, "vom normalen Altern etwas zu lernen für das Leben mit Beeinträchtigungen und Erkrankungen", so Oswald. Gute diagnostische Möglichkeiten werden Menschen in Zukunft häufiger damit konfrontieren, dass sie wissen, in absehbarer Zeit zu erkranken. "Um die Chancen und Risiken dieses Wissens und um Veränderungsprozesse generell wissenschaftlich zu untersuchen, müssen Menschen im Zeitverlauf begleitet werden, insbesondere in Übergangsphasen vom ressourcenreichen 'Dritten Alter' zwischen 60 und 80 Jahren ins ressourcenarme 'Vierte Alter'", erläutert der Alternsforscher. Auch das steht auf seiner Agenda für die kommenden Jahre in Frankfurt.

"Die Professur soll die Erkenntnisse der unterschiedlichen Disziplinen zusammenführen, die sich bisher vor allem im kultur- und sozialwissenschaftlichen, aber auch im naturwissenschaftlichen Bereich mit Fragen des Alterns befasst haben", sagte Dietmar Schmid, Vorstandsvorsitzender der BHF-Bank-Stiftung, zur Intention der Stifterin. Dazu gehören neben Forschung und Lehre auch der Ausbau der Kontakte zwischen Wissenschaft und Praxis sowie die Politikberatung. Fünf Jahre wird die BHF-BANK-Stiftung diese Professur finanzieren, die Goethe-Universität steuert Personal- und Drittmittel für die Ausstattung bei. Danach wird die Professur an der Universität dauerhaft eingerichtet. Die BHF-BANK-Stiftung, die wissenschaftliche wie praxisorientierte Projekte zum Thema "Leben im Alter" seit einigen Jahren großzügig fördert, ermöglicht damit zum zweiten Mal die Einrichtung einer Stiftungsprofessur an der Goethe-Universität im Bereich der Alternsforschung. Von 2003 bis 2008 förderte die Frankfurter Stiftung eine Professur für Gerontopsychiatrie im Fachbereich Medizin, deren Schwerpunkt im Bereich der Alzheimer- und Demenzerkrankungen liegt. Diese Professur, die Prof. Johannes Pantel seit 2003 innehat, besteht nach erfolgreicher Evaluation weiter.

"Mit dieser Professur stärkt die Goethe-Universität ihr Profil auf dem gesellschaftlich immer bedeutender werdenden Feld der Alternsforschung", betonte der Präsident der Goethe-Universität, Prof. Werner Müller-Esterl. Er zeigte sich hoch erfreut, dass die BHF-BANK-Stiftung eine Professur für die interdisziplinären Sozialwissenschaften ausgelobt hat: "In unserem Universitätsklinikum ist die Gerontopsychiatrie dank der Anschubsfinanzierung der Stiftung fest verankert. Doch Alternsforschung darf nicht nur auf alte gebrechliche Menschen reduziert werden. Davon haben mich auch die vielfältigen Aktivitäten des 2004 von der Rechtswissenschaftlerin Gisela Zenz initiierten Forums 'Alterswissenschaften und Alterspolitik' überzeugt." Dieses interdisziplinäre Team, das in dem Forum sowohl in der Forschung zusammenarbeitet als auch die Kooperation mit der Praxis sucht, habe nun auch die entscheidenden Weichen für die Einrichtung dieser im Fachbereich Erziehungswissenschaften angesiedelten Professur gelegt. Nach einer Studie des Stifterverbandes der Deutschen Wissenschaft entfallen nur 11 Prozent der Stiftungsprofessuren auf die Geistes- und Sozialwissenschaften. "Wenn wie bei der Vorbereitung dieser Professur kompetente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein schlüssiges Konzept entwickeln, dann bin ich sicher, dass wir insbesondere gemeinnützige Stiftungen auch in Zukunft davon überzeugen können, weitere Professuren in den Geistes- und Sozialwissenschaften einzurichten."

Informationen Prof. Frank Oswald, Interdisziplinäre Alternsforschung, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 23110, oswald@em.uni-frankfurt.de

Ulrike Jaspers | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb04/we5/alternswissenschaft/ -

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie