Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Intelligente Etiketten" im Abfall?

22.09.2009
Das Umweltbundesamt veröffentlicht eine Studie zu Folgen der RFID-Technologie. Studienleiter Lorenz Erdmann vom Berliner IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung: "Landen RFID-Tags eines Tages massenhaft ohne durchdachtes Vorsorgekonzept im Abfall, kann es zu nicht rückholbaren Verunreinigungen der Recyclinggüter Glas und Plastik kommen".

Die Forscher empfehlen daher einen Dialog zwischen Herstellern und Entsorgern. Forschungspartner war die EMPA - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in St. Gallen.

Bisher sind "intelligente Etiketten" im Einzelhandel fast nur auf den Verpackungen hochwertiger Rasierklingen und teurer Parfums zu finden, wo sie den Strichcode ergänzen. In Zukunft werden diese Hightech-Chips mit Metallantenne ("RFID-Tags") möglicherweise auf jede Verpackung im Einzelhandel aufgebracht und könnten den Barcode sogar völlig ersetzen.

Die entscheidende Neuerung ist: Die RFID-Tags lassen sich berührungslos per Funk durch spezielle Lesegeräte auslesen, das verändert in den Läden die Diebstahlsicherung, das Abkassieren und das System der Nachbestellungen. Die Abkürzung RFID steht für: Radio Frequency Identification.

Zeithorizont 2022
Doch was passiert, wenn die "getaggten" Verpackungen oder Weinflaschen anschließend zu Hause von der Kundschaft in den Mülleinmer, in die Gelbe Tonne oder in den Altglascontainer geworfen werden? Wissenschaftler des Berliner IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung und der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) in St. Gallen erstellten im Auftrag des Umweltbundesamtes Szenarien mit dem Zeithorizont 2022 zur Entsorgung der "RFID-Tags". Studienleiter Lorenz Erdmann vom Berliner IZT fasst die Ergebnisse der neuen Studie so zusammen: "Landen RFID-Tags eines Tages massenhaft ohne durchdachtes Vorsorgekonzept im Abfall, kann es zu nicht rückholbaren Verunreinigungen der Recyclinggüter Glas und Plastik kommen."
Einfache Lösungsstrategien möglich
Die Studie bezieht sich auf Abfall in Haushalten: auf Altglas (Grüne Tonne), auf Altpapier (Blaue Tonne), auf sonstige Verpackungen (Gelbe Tonne, Gelber Sack), sowie auf den Restmüll (Graue Tonne). Um die bestehenden Entsorgungssysteme vor schädlichen Einflüssen durch den Eintrag von RFID zu schützen, haben die Wissenschaftler sowohl die RFID-Hersteller als auch die Entsorger in ihre Abschätzungen einbezogen. Dazu Prof. Lorenz Hilty (EMPA): "Wenn es gelingt, die Probleme rechtzeitig gemeinsam mit den Herstellern der Smart Labels und den Entsorgern anzugehen, lassen sich einfache Lösungsstrategien finden. Beispielsweise wird Schaden beim Glasrecycling schon vermieden, wenn die Tags nur in die Banderolen der Bierflaschen und Gurkengläser integriert und nicht auf den Glaskörper selbst geklebt werden. Ähnliches gilt für Kunststoffverpackungen, wie zum Beispiel PET-Einwegflaschen. Wird hier nur die Banderole 'getaggt' und im Entsorgungsprozess rechtzeitig von der Flasche abgetrennt, wird das Plastikrecycling nicht gestört."
Dialog Hersteller-Entsorger führen
Die Forscher empfehlen daher dem Bundesumweltministerium, potenzielle Probleme vorausschauend in einem Dialog zwischen RFID-Herstellern, Anwendern und Entsorgern zu entschärfen, beispielsweise mit der Vereinigung der deutschen Glasindustrie (HVG), mit dem Branchenverband BITKOM - Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. oder mit dem Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. Studienleiter Lorenz Erdmann vom Berliner IZT: "Aufgrund der konstruktiven Beteiligung zahlreicher Verbände an der Forschungsarbeit schätzen wir die Chancen für einen solchen Dialog als sehr gut ein."
BITKOM unterstützt Dialog
Christian Herzog vom Branchenverband BITKOM ist ähnlich optimistisch: "Es ist zu begrüßen, dass das Thema sehr frühzeitig adressiert wurde. So können die RFID-Anbieter sensibilisiert werden, Recyclinganforderungen bereits in der Entwicklung zu berücksichtigen. Den geforderten Dialog unterstützt der BITKOM auch gerade deshalb, weil RFID-Tags potentiell positive Effekte bei der Separation von Stoffströmen haben können, dies wird zunehmend Raum in der Diskussion einnehmen."
Zum Download:
Die Studie steht auf der Homepage des Umweltbundesamtes zum kostenlosen Download bereit.
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/dateien/3845.htm
Zur Kurzfassung:
http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-k/k3845.pdf
Zur Langfassung:
http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3845.pdf
Pressekontakt:
Barbara Debus
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Berlin
Tel.: +49-(0)30-803088-45
E-Mail: b.debus@izt.de
Wissenschaftlicher Kontakt:
Lorenz Erdmann (Leiter der Studie):
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Berlin
Tel.: +49-(0)30-803088-12
E-Mail: l.erdmann@izt.de
Prof. Dr. Lorenz Hilty
EMPA - Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, St. Gallen
Tel.: +41-(0)71-274-7345
E-Mail: Lorenz.Hilty@empa.ch

Barbara Debus | idw
Weitere Informationen:
http://www.izt.de
http://www.empa.ch
http://www.uba.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie