Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Quo vadis Hochschulabsolvent? Forscher stellen Bildungsrendite auf den Prüfstand

04.05.2012
Dass Regionen von Hochschulabsolventen profitieren, wird weithin angenommen. Aber gibt es auch "Ausbildungsregionen“, deren Absolventen abwandern und andere Städte oder Regionen Nutznießer sind? Dieser Frage gehen Wissenschaftler der Uni Kassel nach.
Die Ergebnisse der Studie, die 2014 abgeschlossen wird, könnten der Diskussion um die Hochschulfinanzierung eine neue Richtung geben. Forscher des Fachgebiets Allgemeine Wirtschaftspolitik der Universität Kassel wollen erstmals auf einer breiten Datenbasis ermitteln, ob sich die Investitionen in die Hochschulausbildung für die Regionen auszahlt: In welchem Ausmaß und auf welche Weise profitieren Universitätsregionen wirtschaftlich von Hochschulabsolventen, wie mobil sind Hochschulabsolvent(inn)en und wohin gehen diese gegebenenfalls nach Studienabschluss mit ihrem Wissen?

Das Wissenschaftlerteam unter Leitung von Prof. Dr. Guido Bünstorf und Dr. Stefan Krabel will fünf Hochschulregionen in den alten Bundesländern untersuchen, darunter etwa Hamburg und Nordhessen. Untersucht werden Hochschulen in Metropolen, in gering besiedelten Regionen, in aufstrebenden wie in wirtschaftlich eher schwachen Regionen, um möglichst allgemeingültige Ergebnisse zu erhalten. Das Forschungsprojekt „REBILD – Regionale Bildungsrenditen durch Beschäftigung von HochschulabsolventInnen“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 250.000 Euro gefördert.

Verzahnung zwischen Wirtschaft und Hochschule:
Die Kasseler Wissenschaftler wollen ermitteln, inwieweit die Universität und die regionale Wirtschaft verzahnt sind. Sie befragen auch zehn bis fünfzehn der größten Unternehmen der jeweiligen Region, regionale Wirtschaftsförderer und Hochschulmitarbeiter. Ziel ist es unter anderem zu klären, welche Verbindungen und Kooperationen zwischen Hochschulen und großen Wirtschaftsakteuren der Region bestehen und in welchem Ausmaß die Privatwirtschaft lokal ausgebildete Hochschulabsolventen beschäftigt.

Klar sei, dass Universitätsstandorte in Metropolen allein wegen der Größe ihres Arbeitsmarkts Vorteile hätten, sagt Projektmitarbeiter Dipl.-Pol. Nicolas Winterhager. Der Doktorand untersucht im Rahmen des Projekts, welche Bedeutung die Hochschulausbildung für die regionalen Wirtschaftsunternehmen besitzt. Dabei geht es auch um die Frage, ob die Unternehmen beispielsweise Studierende unternehmensspezifisch qualifizieren - etwa durch Praktika, Trainee- oder duale Studienprogramme - oder ob die Chefs lieber ihre Jungakademiker aus anderen Hochschulregionen abwerben.

Wie mobil sind Jung-Akademiker?
Wie es um die Mobilität der Jung-Akademiker bestellt ist und inwieweit diese bereit sind, nach dem Abschluss der Region ihrer Hochschule den Rücken zu kehren, ist eine weitere Fragestellung. Da sie meist jung sind, gut ausgebildet und noch ohne Familie, gelten Hochschulabsolventen meist als hochgradig mobil. „Empirisch lässt sich diese Annahme bislang nicht belegen“, sagt Diplomökonom Norman Vogt vom Fachgebiet Allgemeine Wirtschaftspolitik. Die bislang vorliegenden Daten legten einen anderen Schluss nahe: „Knapp 60 Prozent der Absolventen der Universität Kassel verbleiben nach ihrem Studium in Nordhessen.“ Für die Studie können die Wirtschaftswissenschaftler auf Daten von rund 120.000 Absolvent(inn)en zurückgreifen, die das Internationale Zentrum für Hochschulforschung der Universität Kassel (INCHER) regelmäßig an ca. 50 Hochschulen in 13 Bundesländern erhebt.

Bindung an den Hochschulstandort:
Wie nachhaltig ein Hochschulstandort seine Absolventen an die Region bindet, will Vogt in seiner Doktorarbeit durch eine umfassendere Datenauswertung klären. Er verfolgt den Werdegang und Arbeitsplatzwechsel von Uniabsolventen anhand von amtlichen Arbeitsmarktdaten über Jahrzehnte zurück. Sollte sich bestätigen, dass Absolventen auch mittel- und langfristig eine starke Präferenz für eine Berufstätigkeit am Studienort haben, dann ist das regionale Angebot an Studienplätzen eine wesentliche Voraussetzung dafür, zukünftig ausreichend viele hochqualifizierte Arbeitnehmer an die Region zu binden.

Verteilungsgerechtigkeit?
Die Ergebnisse der Kasseler Forscher könnten spürbare Auswirkungen auf die Hochschul- und Strukturpolitik der Länder haben. Ließe sich nachweisen, dass die Mehrzahl der Studierenden nach dem Abschluss einen Job am Studienort oder zumindest in dessen Nähe sucht, müssten neue Hochschulstandorte dort geschaffen werden, wo in den kommenden Jahrzehnten ein drastischer demographischer Wandel droht.

Ließen sich dagegen große Wanderungsbewegungen der Hochschulabsolventen zwischen den Bundesländern nachweisen, dürfte dies die Debatte um die Hochschulfinanzierung neu anfachen. „Wenn sich eine systematische Verzerrung der Bildungsrenditen ergibt, könnte man an einen Bildungsfinanzausgleich denken“, sagt Krabel. Das könnte bedeuten: Wer viel in die Hochschulbildung investiert, aber wenig davon profitiert, bekommt Geld von den Ländern zurück, die diese Früchte ernten.

Fotos von Prof. Bünstorf und Dr. Krabel können auf Anfragen zur Verfügung gestellt werden.

Info
Prof. Dr. Guido Bünstorf
Universität Kassel
FB 07 - Wirtschaftswissenschaften
Fachgebiet Allgemeine Wirtschaftspolitik
Tel.: 0561/804-2506
E-Mail: buenstorf@uni-kassel.de

Dr. Stefan Krabel
Tel.: 0561/804-2709
E-Mail: krabel@uni-kassel.de

Christine Mandel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie