Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Qualität in der dualen Berufsausbildung: Was Fachleute und Auszubildende meinen

04.12.2008
Die Qualität der dualen Ausbildung weiterzuentwickeln, ist ein zentrales Ziel der Berufsbildungspolitik. Was kennzeichnet jedoch eine "gute" Ausbildung?

Berufsbildungsexperten und -expertinnen erachten es als sehr wichtig, dass die duale Berufsausbildung sehr anspruchsvoll durchgeführt wird. Die Auszubildenden sollen nach Auffassung der Fachleute nicht nur einzelne Arbeitsschritte durchführen, sondern in größere Projekte mit einbezogen werden, die einen echten Beitrag zu den Geschäftsprozessen der Betriebe leisten. Den Auszubildenden sollte dabei nicht jeder Arbeitsschritt vorgegeben werden, vielmehr sollten sie Arbeitsabläufe eigenverantwortlich planen, durchführen und kontrollieren.

Dies sind zentrale Ergebnisse einer Online-Befragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im Rahmen des "Expertenmonitors Berufliche Bildung". Dabei wurden 355 Fachleute aus der beruflichen Bildung zu vorgegebenen Qualitätskriterien für eine gute duale Ausbildung befragt.

Erfüllbar sind diese Anforderungen einer anspruchsvollen Ausbildung aus Sicht der Fachleute aber nur, wenn vor allem eine fachlich und didaktisch kompetente Betreuung der Auszubildenden durch Ausbilder/-innen und Berufsschullehrer/-innen gewährleistet ist. Im betrieblichen Ausbildungsverlauf kommt es dabei besonders darauf an, dass das Ausbildungspersonal dauerhaft präsent ist, klare Arbeitsanweisungen gibt, die Arbeitsergebnisse mit den Jugendlichen bespricht und auch regelmäßig eine Rückmeldung zum Ausbildungsverlauf von den Auszubildenden selbst eingeholt wird. Zudem sei es sehr wichtig, so die Fachleute, dass im Betrieb eine gewisse Toleranz gegenüber Fehlern herrsche, die den Auszubildenden bei der hier geforderten selbstständigen Arbeitsweise nahezu zwangsläufig unterlaufen.

Der "Expertenmonitor Berufliche Bildung" des BIBB umfasst einen feststehenden Kreis von Experten und Expertinnen unterschiedlicher institutioneller Herkunft, der in unregelmäßigen Abständen zu jeweils aktuellen Themen der beruflichen Aus- und Weiterbildung befragt wird.

Ergebnisse einer Befragung von Auszubildenden im Bremer Handwerk

Auch die Ergebnisse einer Regionalstudie der Universität Bremen - veröffentlicht in Kooperation mit dem BIBB - zeigen, dass die Gestaltung des Lernprozesses einen zentralen Einfluss auf die Qualität der Ausbildung hat. Rund 400 Jugendliche des 3. Ausbildungsjahres aus Bremer Berufsschulklassen wurden zur Qualität der Ausbildung im Handwerk aus der Perspektive der Auszubildenden befragt.

Zwei von drei Auszubildenden des Bremer Handwerks geben an, fachlich gut angeleitet zu werden, Aufgaben selbstständig lösen und hierbei auch Fehler machen zu dürfen. Ebenso viele sagen, dass die Aufgaben gemeinsam mit ihnen besprochen werden. Die Auszubildenden zeigten sich mit dem kommunikativen Austausch in ihrer Ausbildung überwiegend zufrieden.

Allerdings gibt es auch deutliche Hinweise auf Schwierigkeiten in der Ausbildung: So geben 43 % der Auszubildenden im Handwerk am Ende ihrer Ausbildung an, dass sie häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben. Fast jeder Zweite erlebt während seiner Ausbildung ständigen Termin- und Zeitdruck. Jeder Dritte gibt an, dass er "Ärger bekomme, wenn er die Aufgaben nicht lösen könne". Darüber hinaus bedrückt etwa jeden vierten Auszubildenden die unpünktliche Zahlung seiner Ausbildungsvergütung.

Obwohl sich die Regionalstudie der Universität Bremen auf Handwerksberufe in diesem Bundesland konzentriert, stellt sie einen wichtigen Beitrag dar, um Fragen zur Qualität dualer Berufsausbildung aus der Perspektive der Auszubildenden stärker in den Blick zu nehmen.

Um repräsentative, regional übergreifende Daten hierüber zu erheben, läuft im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zurzeit das Forschungsprojekt "Ausbildung aus Sicht der Auszubildenden". Befragt werden rund 6.000 Auszubildende aus 15 dualen Berufen in West- und Ostdeutschland. Die Auszubildenden geben einerseits an, inwiefern aus ihrer Perspektive in den Betrieben und Berufsschulen bestimmte Qualitätskriterien erfüllt werden. Andererseits werden sie auch gefragt, wie wichtig für sie selber die vorgegebenen Qualitätskriterien sind. Erste Ergebnisse der BIBB-Umfrage werden im 1. Halbjahr des kommenden Jahres veröffentlicht.

Weitere Informationen:

o Expertenmonitor-Umfrage zum Thema "Merkmale guter Ausbildungspraxis"
http://www.expertenmonitor.de
Ansprechpartner im BIBB: Andreas Krewerth, Tel.: 0228 / 107-1110;
E-Mail: krewerth@bibb.de
o Regionale Studie zur Ausbildungsqualität in Bremen
Quante-Brandt, Eva; Grabow, Theda: "Die Sicht von Auszubildenden auf die Qualität ihrer Ausbildungsbedingungen. Regionale Studie zur Qualität und Zufriedenheit im Ausbildungsprozess." Berichte zur beruflichen Bildung. Bielefeld 2008. Die Veröffentlichung des BIBB kann zum Preis von 27,90 Euro beim W. Bertelsmann Verlag bestellt werden (Tel.: 0521 / 9 11 01 11; Fax: 0521 / 9 11 01 19;
E-Mail: service@wbv.de).
Ansprechpartnerin im BIBB: Dr. Mona Granato, Tel.: 0228 / 107-1227;
E-Mail: granato@bibb.de

Andreas Pieper | idw
Weitere Informationen:
http://www.expertenmonitor.de
http://www.bibb.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Quantenlineal für Biomoleküle

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Prostatakrebs: Bluttest sagt Tumorresistenz vorher

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

IVAM-Marketingpreis würdigt zum zehnten Mal überzeugendes Technologiemarketing

22.08.2017 | Förderungen Preise