Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Psychologen gehen dem Streber-Phänomen auf den Grund

26.01.2009
TU Chemnitz erforscht die Etikettierung von Schülern als Streber - für eine aktuelle Untersuchung werden 13- bis 15-jährige Teilnehmer gesucht

Wer kennt es nicht - das Etikett "Streber" für besonders leistungsstarke Schüler? Trotz Bekanntheit des Phänomens lassen sich in der Forschung kaum wissenschaftliche Untersuchungen dazu finden.

Diese Lücke haben die Diplompsychologin Katrin Rentzsch und Prof. Dr. Astrid Schütz von der Technischen Universität Chemnitz begonnen zu schließen. Bereits seit 2005 laufen in diesem Projekt Untersuchungen.

Zunächst wurde deutlich, dass das Thema von enormer Relevanz ist. In mehreren Umfragen an Chemnitzer Schulen konnte gezeigt werden, dass 20 Prozent der Achtklässler berichten, manchmal bis häufig als Streber tituliert zu werden, 30 Prozent erfahren aufgrund ihrer Leistungen abfällige Bemerkungen von ihren Mitschülern und 25 Prozent fürchten sich zumindest bisweilen vor der Ausgrenzung als Streber.

Wie kommt es zur Abstempelung als Streber? Erwartungsgemäß sind es vor allem leistungsstarke Schüler, die Streber genannt werden, aber nur etwa die Hälfte der Schüler auf Einser- und Zweierniveau wird derart ausgegrenzt. Neben Leistung geht es bei einigen Schülern auch um andere Faktoren, wie zurückhaltender Kontakt zu anderen Mitschülern oder Vernachlässigung von außerschulischen Aktivitäten.

Mädchen und Jungen erleben gleich häufig die Etikettierung als Streber. Ferner kommt das Phänomen in Mittelschulen ebenso wie in Gymnasien vor. Aber die Ausgrenzung von Schülern als Streber ist klassenspezifisch unterschiedlich stark ausgeprägt.

Eine neue Befragung von mehr als 350 Chemnitzer Achtklässlern war nun darauf ausgerichtet, die Bedeutung von Klassenklima und sozialen Beziehungen im Klassenkontext genauer zu berücksichtigen. Die Daten befinden sich noch in Auswertung. Zudem wurde untersucht, ob die Angst vor der Bezeichnung als Streber dazu führt, dass Jugendliche ihre schulischen Anstrengungen bewusst reduzieren. Die Studie zeigte, dass etwa 35 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass Schüler im Unterricht wenig mitarbeiten, um abfälligen Bemerkungen von ihren Mitschülern zu entgehen. Mehr als 50 Prozent berichten, dass Mitschüler aus Furcht vor Hänseleien Fragen der Lehrkraft nicht beantworten, selbst wenn sie die Antwort wissen.

In einer aktuellen Untersuchung wird der Frage nachgegangen, mit welchen Folgen die Stigmatisierung als Streber einhergeht. Für die Teilnahme werden 13- bis 15-jährige Schüler gesucht, die sich selbst mit dem Streber-Vorwurf zumindest manchmal konfrontiert sehen. Im Rahmen dieser Studie nehmen die Teilnehmer von zu Hause oder einem anderen Ort mit Internetanschluss aus an einer kurzen Online-Befragung teil. Anschließend erfolgt der zweite 30-minütige Teil am Institut für Psychologie der TU Chemnitz unter Aufsicht von Angehörigen des Instituts. Alle Daten werden anonym ausgewertet und dienen allein wissenschaftlichen Zwecken. Der zweite Teil umfasst die Bearbeitung von Fragen am PC und Leistungsaufgaben aus dem Bereich Konzentration oder Kreativität.

Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren, die bereits die Stigmatisierung als Streber erfahren haben - aber auch alle anderen Interessierten - können sich bei Katrin Rentzsch, Telefon 0371 531-37113 oder bei Nadine Markstein, E-Mail nadine.markstein@s2006.tu-chemnitz.de, anmelden. Jeder vierte Teilnehmer an der Studie gewinnt einen Gutschein im Wert bis zu 20 Euro, der wahlweise in einer Buchhandlung oder im Computerfachmarkt einzulösen ist.

Weitere Informationen erteilen Katrin Rentzsch, Telefon 0371 531-37113, E-Mail katrin.rentzsch@phil.tu-chemnitz.de, und Prof. Dr. Astrid Schütz, Telefon 0371 531-36366, E-Mail astrid.schuetz@phil.tu-chemnitz.de.

Mario Steinebach | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/tu/presse/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics