Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Preisgekrönte Studie: Wirtschafts-Berichte können Regierungen stürzen und Rezessionen verstärken

08.05.2009
Statistisch nachgewiesen: wenn es darum geht, Wirtschaftslage und Zukunftsaussichten zu beurteilen, verlassen sich Arbeitnehmer, Konsumenten und Wahlberichtigte nicht nur auf Eigenbeobachtung, sondern machen einen Teil ihrer Meinungsbildung von Medien abhängig.

Für seine Analyse, wie Medien die Eigenwahrnehmung beeinflussen erhielt Marko Bachl am gestrigen Abend den Preis der Deutschen Marktforschung als "Nachwuchsforscher des Jahres 2009". Betreut wurde seine Studie als Masterarbeit am Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft von Prof. Dr. Frank Brettschneider an der Universität Hohenheim.

Wie groß die Konsumfreude ausfällt, hängt stark davon ab, wie jeder einzelne seine persönliche Zukunft einschätzt. Wie gut sich eine Regierung in Wirtschaftsfragen positioniert, hängt stark davon ab, wie die Wähler die gesamtwirtschaftliche Lage der vergangenen 12 Monate beurteilen.

Beides sind Bereiche, in denen der Einfluss der Medienberichterstattung besonders hoch ist, wie Nachwuchs-Kommunikationswissenschaftler Bachl in seiner Studie nachweist. Für seine Analyse verglich Bachl Extrakte aus rund zehn Jahren Wirtschaftsberichtserstattung, amtlicher Konjunkturstatistiken und Umfrage-Ergebnisse der EU-Konsumklima-Erhebung. "Nach unserem Kenntnisstand ist dies damit die Untersuchung mit der langfristigsten und breitesten Datengrundlage zum Thema", erklärt Bachls wissenschaftlicher Betreuer, Prof. Dr. Brettschneider.

"Konsum kann einbrechen, Regierungen können falsch bewertet werden"

"Kurzfristig sind damit auch extreme Folgen von Wirtschaftsberichten denkbar", meint Autor Bachl: "Drastische Berichte über eine Rezessionsgefahr könnten die Konsumbereitschaft soweit absenken, dass die Krise selbst verstärkt würde. Negative Wirtschaftsberichte kurz vor einer Wahl könnten dafür sorgen, dass eine Regierung zu Unrecht für ihre scheinbar verfehlte Wirtschaftspolitik abgewählt wird."

Wie Medien Realitäten durch zu starke Vereinfachung konstruieren, erläutert Bachl an einem Beispiel: "Eins der zentralen Themen der Wirtschaftsberichterstattung sind die Arbeitslosenzahlen, die einen hohen Einfluss darauf haben, wie die gesamtwirtschaftliche Situation beurteilt wird. In der Regel sind die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt jedoch nur eine Folge von vorauslaufenden Prozessen - die längst passé sind, wenn die Bevölkerung Monate später die Arbeitslosenquote nutzt, um sich ein Bild von der wirtschaftlichen Lage zu machen."

Beruhigend: "Medien werden ihrer Aufgabe gerecht"

Als "beruhigend" bezeichnet Bachl jedoch zwei weitere Ergebnisse: "Obwohl die Medien in gewissen Grenzen Vorstellungen erzeugen, die von der Realität abweichen, führt der Medieneffekt jedoch nicht zu einem kompletten Realitätsverlust."

Dies läge auch daran, dass Medien nicht völlig losgelöst von den Konjunkturstatistiken berichteten. "Insgesamt muss man den Medien deshalb bescheinigen, dass Sie ihre Aufgabe recht gut erfüllen, indem sie zentrale wirtschaftliche Informationen verbreiten."

Ansprechperson:
Marko Bachl, Universität Hohenheim, Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft
Tel.: 0711 459 22866, E-Mail: marko.bachl@uni-hohenheim.de
Prof. Dr. Frank Brettschneider, Universität Hohenheim, Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft

Tel.: 0711 459- 24030, E-Mail: frank.brettschneider@uni-hohenheim.de

Text: Lembens-schiel / Klebs

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.bvm.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics