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Prävention von Kopfschmerzen: Gesellschaftliche Aufgabe schon in der Schule

24.06.2011
Neue Studie an Münchener Gymnasien geplant – Kann niedrig-schwellige Intervention Kopfschmerz signifikant verringern?

Rund 80 Prozent der Schüler leiden unter Kopfschmerzen, rund 50 Prozent unter Rückenschmerzen. Diese Zahlen haben Studien in München und Greifswald ergeben, bei denen insgesamt etwa 4.500 Jugendliche befragt wurden.

Rechnet man diese Ergebnisse auf die Bundesrepublik hoch, so bedeutet das: 1,75 Millionen Jugendliche haben schon einmal Kopfschmerzen gehabt und bei knapp einer Million treten die Kopfschmerzen regelmäßig auf.

Das heißt auch, Kopfschmerzen bei Jugendlichen treten genauso häufig auf wie bei Erwachsenen. Mädchen sind dabei rund 2,4 Mal häufiger von Kopfschmerzen betroffen als Jungen. Die Ursache dafür ist bislang nicht bekannt. „Es ist also absolut notwendig, Kopfschmerzen bei Jugendlichen ernst zu nehmen und schon in der Schule mit einem Präventionsprogramm zu beginnen“, sagte Prof. Dr. Andreas Straube, Vizepräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), anlässlich des Internationalen Kopfschmerzkongresses (IHC) vom 23. bis 26. Juni 2011 in Berlin.

Damit es erst gar nicht zu einer Chronifizierung des Kopfschmerzes kommt, sollte in jedem Fall ein Neuropädiater oder Neurologe aufgesucht werden, der klären kann, ob eventuell eine andere Erkrankung hinter dem Kopfschmerz steckt. Eine norwegische Studie hat ergeben, dass bereits eine wenige Minuten dauernde Aufklärung über den Zusammenhang zwischen Kopfschmerzen und Schmerzmitteleinnahme die Häufigkeit von Kopfschmerzen durch Medikamenten-Übergebrauch signifikant senken kann. Dies wollen die Münchener Wissenschaftler jetzt in einer Studie an Münchener Gymnasien überprüfen. Die Studie startet voraussichtlich im Oktober 2011.

In der geplanten Studie werden die Münchener Schüler durch Ärzte und Psychologen in der Schule über Arten und Symptome von Kopfschmerzen aufgeklärt. Ebenso ist die Beziehung von Lebensgewohnheiten der Schüler wie zum Beispiel Ernährung, Bewegung, Lebensrhythmus und Kopfschmerzen ein Thema. Außerdem sollen die Schüler lernen, Stressfaktoren zu erkennen, die Kopfschmerzen verursachen können. Es sollen rund 1.000 Schüler im Alter zwischen 13 und 15 Jahren in München und Umgebung in die Studie aufgenommen werden. Alle Schüler füllen einen Selbstauskunftsbogen aus, der schon in einer Studie zum Einfluss der Verkürzung der Zeit bis zum Abitur (G8/G9) 2009 eingesetzt worden ist. Eine Hälfte der Schüler erhält dann eine einstündige Aufklärung über Kopfschmerzen, bei der auch spezielles Lernmaterial eingesetzt wird. Die andere Hälfte erhält keine Informationen. Nach drei Monaten werden die Schüler, um das Wissen um die Zusammenhänge noch einmal aufzufrischen, noch einmal auf die Informationsmaterialien hingewiesen. Nach sechs Monaten werden bei allen Schülern erneut die bis dahin aufgetauchten Beschwerden abgefragt und die möglichen Unterschiedlichkeiten verglichen.

Mögliche Risikofaktoren für Kopfschmerzen bei Jugendlichen können übermäßiges Musikhören oder Computerspiele (mehr als eine Stunde pro Tag), aber auch Alkohol- und Kaffeekonsum sein. Ebenso klagen Kinder, die bei nur einem Elternteil leben, häufiger über Kopfschmerzen als andere Kinder. Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen sorgen häufig für Fernbleiben von der Schule oder für weniger Leistungsfähigkeit beim Lernen. Problematisch ist häufig auch die Selbstmedikation von Jugendlichen bei Kopfschmerzen. In der DMKG-Bevölkerungsstudie wurde festgestellt, dass nur jeder Vierte Jugendliche bei regelmäßigen Kopfschmerzen einen Arzt aufsucht, jedoch bis zu 60 Prozent der Schüler mehr oder weniger regelmäßig Schmerzmittel einnehmen. Damit kann schon eine Kopfschmerzkarriere im Erwachsenenalter vorprogrammiert sein. Befragungen von Schmerzpatienten haben ergeben, dass 60 bis 70 Prozent der Erwachsenen mit chronischen Kopfschmerzen auch schon im jugendlichen Alter darunter litten, ohne die Kopfschmerzen ernst zu nehmen. Es besteht daher Hoffnung, durch eine rechtzeitige Intervention (Aufklärung) bei vielen Jugendlichen eine solche Entwicklung verhindern zu können.

Professor Dr. Andreas Straube
Neurologische Klinik im Klinikum Großhadern
Ludwig-Maximilians-Universität München
Marchioninistraße 15, 81377 München
Telefon: 089-7095 3900 E-Mail: Andreas.Straube@med.uni-muenchen.de
Generalsekretärin und Pressesprecherin
PD Dr. med. Stefanie Förderreuther
Neurologische Klinik der LMU München
Ziemssenstrasse 1, 80336 München
Tel. 089 5150 2307
E-Mail: Steffi.Foerderreuther@med.uni-muenchen.de

Rita Wilp | idw
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

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