Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Post ohne Briefträger

18.06.2014

In Deutschland wird immer weniger klassische Post verschickt. E-Mails und elektronische Mitteilungen ersetzen vermehrt herkömmliche Geschäftsschreiben, Steuererklärungen erreichen das Finanzamt online und vor allem private Briefe landen immer seltener im Briefkasten. Postunternehmen könnten auf diese Marktveränderung reagieren, indem sie ihre Stärke als Logistiker und Service-Dienstleister ausbauen, so die Untersuchung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten des Internets werden von vielen Menschen intensiv genutzt. Dies hat einen starken Einfluss auf die Menge und Art der Briefkommunikation. Für Grußkarten, Einladungen, Bestellungen und Rechnungen gibt es elektronischen Ersatz durch E-Mail, SMS oder Web-Formulare von Behörden und Unternehmen.


Mit dem Rückgang des klassischen Briefverkehrs werden Postdienstleister ihre Geschäftsstrategie anpassen müssen. (Foto: Laila Tkotz, KIT)

„Der Anteil der von Privatkunden verschickten Sendungen ist gering und hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen“, so der Soziologe Ulrich Riehm, Projektleiter der Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), das vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT betrieben wird.

Vier von zehn Personen in Deutschland verschicken überhaupt keine Papier-Briefe mehr, ergab eine repräsentative Bevölkerungsbefragung durch das TAB. „Bis 2020 ist ein Rückgang des Briefaufkommens zwischen 13 und 29 Prozent zu erwarten“, so Riehm.

Postunternehmen könnten auf diese Entwicklung reagieren, indem sie ihre Geschäftsstrategien anpassen und dabei an ihren Stärken ansetzen, heißt es in dem Bericht. Dazu gehörten ihre besonderen Kompetenzen in der Logistik sowie ein über Jahrhunderte erworbenes – und durch das Briefgeheimnis gesetzlich verankertes – Renommee als Übermittler vertraulicher Nachrichten. Hinzu kämen umfassende Kundenkontakte in alle Bereiche der Gesellschaft und die breite Erfahrung mit informationstechnischen Systemen.

Hybride Briefmodelle, die den herkömmlichen Brief mit dem elektronischen verknüpfen, würden ebenfalls in eine solche Strategie passen, stellt die Untersuchung fest. Postunternehmen böten schon jetzt sichere E-Brief-Portale und komplexe E-Brief-Lösungen für Unternehmens- und Privatkunden an.

Als Spezialisten für Beförderung könnten Postunternehmen neben Briefen und Paketen künftig auch Medikamente, Bücher, Behördenformulare und Lebensmittel ins Haus bringen. Eine solche Ausweitung der Dienste verfolgt bereits die französische Post.

„Postboten“ wären als Kontaktpersonen für kranke und ältere Menschen denkbar, die notfalls weitere Hilfen vermitteln. Da ein Rückgang der Briefsendungen mit einem Beschäftigungsabbau einhergehe, bedeutete ein Erweitern des Service-Spektrums zugleich neue Perspektiven für die Mitarbeiter von Postunternehmen.

Den Bundestag als Auftraggeber der Studie interessiert in erster Linie, wie die flächendeckende, allen Bürgern in gleicher und ausreichender Qualität zustehende Postdienstleistung – der gesetzlich garantierte „Postuniversaldienst“ – bei einem sinkenden Briefaufkommen aufrecht erhalten werden kann.

Riehm spricht sich für eine Neukonzeption des Postuniversaldienstes aus, welche die Wahlfreiheit zwischen herkömmlichem und elektronischem Brief gewährleistet. „Würde diese Wahlfreiheit garantiert, bestünde keine Gefahr, dass Bevölkerungsgruppen aus der Briefkommunikation ausgeschlossen werden, weil sie zum Beispiel nicht über einen Internetzugang verfügen“, sagt der Soziologe.

Da für Deutschland eher eine kontinuierliche Absenkung der Briefmengen erwartet wird und nicht wie in einigen anderen Ländern ein dramatischer Einbruch, bleibe Zeit, notwendige Anpassungen gründlich vorzubereiten und gemeinsam mit Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit zu diskutieren.

Der TAB-Arbeitsbericht Postdienste und moderne Informations- und Kommunikationstechnologien findet sich als Zusammenfassung im Internet:
www.tab-beim-bundestag.de/de/publikationen/berichte/ab156.html

Zur Studie liegt eine Buch-Publikation vor: Ulrich Riehm/Knud Böhle, Post ohne Briefträger, Sinkende Briefmengen und elektronische Postdienste als Herausforderungen für die Politik, Reihe Studien des Büros für Technikfolgen-Abschätzung, Bd. 39, Edition Sigma, Berlin 2014, ISBN 9783836081399

Digitale Pressemappe zum Wissenschaftsjahr 2014

Ob in der Kommunikation, der Energieversorgung oder der Mobilität, in der Industrie, im Gesundheitsbereich oder in der Freizeit: Digitale Technologien sind längst Teil unseres Alltags, sie eröffnen neue Möglichkeiten und bieten Lösungen für gesellschaftliche Probleme. Gleichzeitig stellen sie uns vor Herausforderungen. Chancen und Risiken stehen im Mittelpunkt des Wissenschaftsjahres 2014 – Die Digitale Gesellschaft. Am KIT beschäftigen sich Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen mit den vielfältigen – technischen und gesellschaftlichen – Aspekten der Digitalisierung. Kurzporträts, Presseinformationen und Videos dazu bietet die digitale Pressemappe des KIT zum Wissenschaftsjahr:
http://www.pkm.kit.edu/digitalegesellschaft

Weiterer Kontakt:
Kosta Schinarakis, PKM – Themenscout, Tel.: +49 721 608 41956, Fax: +49 721 608 43658, E-Mail: schinarakis@kit.edu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Thematische Schwerpunkte der Forschung sind Energie, natürliche und gebaute Umwelt sowie Gesellschaft und Technik, von fundamentalen Fragen bis zur Anwendung. Mit rund 9400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter mehr als 6000 in Wissenschaft und Lehre, sowie 24 500 Studierenden ist das KIT eine der größten Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.kit.edu

Monika Landgraf | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise