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Positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hat Ungleichheit bei Einkommen kaum korrigiert

06.06.2013
Effekt staatlicher Umverteilung sinkt sogar

Die Ungleichheit der Einkommen ist seit 2005 nicht weiter angestiegen, besagen einige Statistiken. Angesichts der starken Beschäftigungszunahme wäre dies keine Überraschung, analysiert das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung – und kein Indiz dafür, dass sich problematische Verteilungstrends in Deutschland von selber korrigieren.

„Es ist zwar erfreulich, wenn sich die Einkommensschere nicht weiter öffnet. Aber damit können wir uns unmöglich zufrieden geben“, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK. „Denn erstens sind die Daten nicht ganz eindeutig. Daher gibt es Indizien dafür, dass dieser Zustand bestenfalls kurzfristig ist. Und zweitens hat Deutschland in den letzten beiden Jahrzehnten ein Maß an Ungleichheit erreicht, das sowohl sozial als auch wirtschaftlich hoch problematisch ist. Das gilt für die Einkommensverteilung und noch viel stärker bei den Vermögen. Daran ändert die zuletzt etwas ausgewogenere Tendenz wenig.“

Vor dem Hintergrund der „enorm guten Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt“ wäre für die letzten Jahre „ein deutlich sichtbarer Rückgang“ bei der Einkommens-Ungleichheit das erwartbare Ergebnis gewesen, konstatieren Ulrike Stein, PhD, und Dr. Kai Daniel Schmid. Die beiden Forscher am IMK haben den neuen Verteilungsmonitor des Instituts aufgebaut.* Weil viele Arbeitslose eine bezahlte Beschäftigung gefunden haben, hätten die Einkommensdifferenzen in Deutschland erheblich abnehmen müssen, so die Wissenschaftler. Nach Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), einer von vielen Forschern genutzten, jährlich wiederholten Befragung von rund 12.000 Haushalten, hat die Ungleichheit seit 2005 nicht weiter zugenommen. Der zuletzt beobachtete Rückgang sei statistisch aber nicht signifikant, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung festgestellt.

Als einen wichtigen Indikator für die Einkommensunterschiede verwendet das IMK, das ebenfalls mit dem SOEP arbeitet, den so genannten Gini-Koeffizienten. Er kann Werte zwischen Null und Eins annehmen, wobei Null für eine vollständig egalitäre Verteilung steht und Eins für maximale Ungleichheit – in diesem Fall entfallen alle Einkommen auf eine Person. In Deutschland ist der Gini-Koeffizient der bedarfsgewichteten Haushaltsnettoeinkommen von 1992 bis 2005 von 0,25 auf 0,29 gestiegen. Bis zum Jahr 2010 ist er wieder um ein Hundertstel gesunken – gemessen an der Verschiebung der Einkommensrelationen in den 15 Jahren zuvor eine bescheidene Korrektur, so die Verteilungsexperten (siehe auch die Infografik; Link unten).

Zudem weist das IMK darauf hin, dass ein anderer Trend nicht gebrochen ist: Die Umverteilung durch Sozial- und Steuerpolitik geht zurück. Seit Ende der 1990er-Jahre lässt der soziale Ausgleich nach, „besonders deutlich seit 2003“. Im Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende war dies noch anders. Die zunehmende Ungleichheit der Markteinkommen schlug damals dank Umverteilung nicht wesentlich auf die Differenzen der Nettoeinkommen durch (siehe Grafik).

Dass die Ungleichheit der Markteinkommen hierzulande zwischen 2007 und 2010 nicht weiter zugenommen hat, liegt OECD-Statistiken zufolge auch daran, dass die Summe der Lohneinkommen in den Krisenjahren deutlich stärker gewachsen ist als die der Kapitaleinkünfte. Langfristig, so Stein und Schmid, spreche jedoch einiges für eine Verfestigung der Einkommensungleichheit. So verharrt die Armutsrisikoquote seit Jahren auf einem hohen Niveau und die Tendenz einer sinkenden Lohnquote hält an. Daneben nimmt die Lohnspreizung nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das sich auf die Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit stützt, bei Vollzeitbeschäftigten weiter zu. Zudem ist der Niedriglohnsektor laut Arbeitsagentur von 1999 bis ins Jahr 2010 – mit nur einer einzigen Ausnahme im Krisenjahr 2009 – kontinuierlich gewachsen.
Quelle: Kai Daniel Schmid, Ulrike Stein, Rudolf Zwiener: IMK Verteilungsmonitor, Einkommensverteilung in Deutschland 1991–2010: http://www.boeckler.de/pdf/imk_pj_verteilungsmonitor.pdf

Infografik zum Download im Böckler Impuls 10/2013:
http://www.boeckler.de/hbs_showpicture.htm?id=43208&chunk=1

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung

Prof. Dr. Gustav A. Horn
Wissenschaftlicher Direktor IMK
Tel.: 0211-7778-331
E-Mail: Gustav-Horn@boeckler.de

Ulrike Stein, PhD
IMK
Tel.: 0211-7778-339
E-Mail: Ulrike-Stein@boeckler.de

Dr. Kai Daniel Schmid
IMK
Tel.: 0211-7778-595
E-Mail: Kai-Daniel-Schmid@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/hbs_showpicture.htm?id=43208&chunk=1
http://www.boeckler.de/pdf/imk_pj_verteilungsmonitor.pdf

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