Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der positive Blick auf sich selbst

17.05.2013
HU-Psychologen untersuchen die Selbstzufriedenheit im hohen Lebensalter
uch im hohen Lebensalter scheinen Menschen in der Lage zu sein, sich selbst in einem positiven Licht zu sehen und dementsprechend zu bewerten – dies ungeachtet zahlreicher Herausforderungen und Einbußen, die ein hohes Lebensalter mit sich bringt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die Wissenschaftler des Instituts für Psychologie gemeinsam mit Wissenschaftlern der University of British Columbia, Kanada und der Flinders University, Australien kürzlich im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht haben.

„Menschen haben ein grundlegendes Bedürfnis die eigene Person positiv zu betrachten. Dieses Konstrukt wird in der psychologischen Forschung als Selbstwert bezeichnet“, erklärt Jenny Wagner, Wissenschaftlerin am Fachbereich Psychologische Methodenlehre der HU und eine der Autorinnen der Studie. So haben Studien beispielsweise gezeigt, dass amerikanische Studenten lieber einen Anstieg ihres Selbstwertes erleben als ihr Lieblingsessen zu essen oder einen besten Freund zu treffen. Zudem zeigen neuere Studien, dass ein geringer Selbstwert weitreichende Konsequenzen zu haben scheint, etwa für den Anstieg von Depressionen oder weniger Zufriedenheit mit dem Leben allgemein. Was bislang weniger bekannt war, ist, wie sich Selbstwert im höheren Lebensalter entwickelt. Diese Lücke konnte die Studie nun schließen.

Das höhere Lebensalter ist gemeinhin durch zahlreiche Einbußen gekennzeichnet, etwa auf körperlicher Ebene durch Krankheiten, auf kognitiver Ebene mit abnehmendem Erinnerungsvermögen oder auch auf sozialer Ebene etwa durch den Verlust vom Ehepartner oder engen Freunden. „Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass Menschen sich in der Regel an diese Herausforderungen sehr gut anpassen können, jedoch im sehr hohem Lebensalter und insbesondere in den letzten Jahren vor dem Tod das System Mensch immer stärker an seine Grenzen der Anpassungsfähigkeit kommt“, sagt Denis Gerstorf, Professor für Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie an der HU. So konnten Studien zur Lebenszufriedenheit verdeutlichen, dass nicht das Alter an sich zu einer Abnahme der Anpassungsfähigkeit führt, sondern die Nähe zum Tod mit einer solchen verbunden ist. Es wird angenommen, dass in den letzten Jahren vor dem Tod der Mensch mit so vielen Herausforderungen konfrontiert ist, dass ein Ausgleich nicht mehr möglich und eine Abnahme der Zufriedenheit demnach unausweichlich ist. Die Frage war: Gilt dies auch für die Bewertung und Zufriedenheit mit der eigenen Person?

Um diese zu beantworten, haben die Forscher mit der Australischen Längsschnittstudie des Alterns gearbeitet, für die 1215 Personen zwischen 65 und 103 Jahren über eine Dauer von bis zu 18 Jahren unter anderem zu ihrem Selbstwert befragt wurden. Etwas ungewohnt an den Daten ist, dass alle Personen der Stichprobe zum Zeitpunkt der Datenauswertung verstorben sein mussten. „Das war wichtig, um Entwicklung nicht nur aus Altersperspektive zu betrachten, sondern um auch die Nähe zum Tod einbeziehen zu können“, erklärt Gerstorf. „Sowohl in Bezug auf das biologische Alter als auch die Nähe zum Tod fanden wir einen leichten Abfall des Selbstwertes, dieser ist jedoch so gering, dass man eher von einer Selbstwertstabilität reden kann.“ Insbesondere im Vergleich zur Lebenszufriedenheit oder den kognitiven Fähigkeiten zeigt der Selbstwert einen viel geringeren Abfall. Zudem zeigten die Daten ganz deutlich, dass sich Personen stark in ihrer Selbstwertveränderung unterscheiden: manche erleben Stabilität, andere einen Abfall und einige sogar einen Anstieg. Bedingt wurden solche Veränderungen in der Stichprobe insbesondere durch zwei Faktoren: kognitive Fähigkeiten und die Wahrnehmung von Kontrolle. „Höhere kognitive Leistungsfähigkeiten und die Wahrnehmung, dass man sein Leben und Verhalten bis zu einem gewissen Grad kontrollieren kann, gingen mit höherem Selbstwert einher“, betont Jenny Wagner. Überraschenderweise konnten die Wissenschaftler hingegen keinen Einfluss der Gesundheit auf den Selbstwert finden.

Weitere Forschung soll sich nun der Frage widmen, welche Prozesse diese Anpassung ermöglichen und welche Quellen, über kognitive Leistungsfähigkeit und Kontrolle hinaus, die Adaptation an das Alter(n) positiv beeinflussen.

Weitere Informationen
Wagner, J., Gerstorf, D., Hoppmann, C., & Luszcz, M. A. (2013). The nature and correlates of self-esteem trajectories in late life. Journal of Personality and Social Psychology, No Pagination Specified. doi: 10.1037/a0032279.

Kontakt
Dr. Jenny Wagner
Institut für Psychologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Tel.: 030 2093-9432
jenny.wagner@hu-berlin.de

Constanze Haase | idw
Weitere Informationen:
http://www.hu-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise